Tagebuch über das Handbike Trainingslager aus Portugal 2005

26.02.05 – 1. Tag

Flug Air Berlin morgens 04.05 Uhr treffen sich 5 Teilnehmer des Trainingscamps an der Algarve zum Abflug am Terminal 1. (Weitere sollten am falschen Terminal landen und mit viel Streß mit Gepäck und Handbikes das Terminal wechseln). Was schon ohne Schlaf und mit viel Hektik angefangen hat, kann ja nicht gut gehen. Wetter in Deutschland beschissen und jetzt das: in Portugal hat es seit Jahresanfang zum ersten Mal geregnet. Klasse, wir fahren in die Sonne und die meldet sich ausgerechnet ab, wenn wir hinfliegen. Aber was hilfts. Wird ja nicht die ganze Woche so bleiben. Nach 3 Stunden Flug steht fest, nur ein Regenschutz gebrochen, sonst alle Räder und Rollstühle ohne größere Blessuren angekommen. Andre, Mitarbeiter bei David Player, Chef von Wheeling at the Algarve, ein Tetraplegiker, holt uns am Flughafen mit 3 Transportwagen ab. Organisation schon mal perfekt. Hotel ebenerdig, große Zimmer für 2 Rollis. Was willst Du mehr. Und das Wetter? Morgens um 10 Uhr schon 13° C. Mittags 16°. Wenn Engel reisen. Die erste Tour wird auch gleich am Nachmittag nach einer kleinen Mütze Schlaf angegangen. „Wir machen nur 6-8 km.“ Die Portugiesen haben es aber wohl nicht so mit der Entfernung. Mitten durch die Golf und Clubregion Portugals, den teuersten Streifen hier unten geht es schließlich über 22 km. Nicht schlecht für die Anfänger, die zum Teil zum ersten Mal in ihren Bikes sitzen. Dafür haben wir auch 2 Begleitradfahrer, die bei Bedarf bei der recht welligen Region den Berg hochschieben. Zurück sitzt auch schon der Rest und am Hotel, abgeholt und leider zu spät für eine Tour. Es wird doch schon merklich kälter. Morgen ist ja erst Start. Na denn….

 

27.02.05 – 2. Tag

Na wer sagts denn. Daheim saukalt. ? 13°C soll es haben. Wir sehen einem sonnigen Tag entgegen. Denkste. Blick aus dem Fenster und Stimmung im Keller. Es regnet. Nur 9-10 °C und die Teddy´s fröstelt es schon beim Gang zum Frühstück. ?Wir bleiben hier?. Kollektive Verweigerung. Dann fahren wir doch eine kleine Runde mit allen, damit die Räder eingestellt und die Gegend um das Hotel erkundet werden. Reinhard, ein ziemlich hoher Tetra, der sein Fahrrad erst vor 2 Tagen bekommen hat, sitzt mehr schlecht als recht in seiner Kiste. Wir basteln und sitzen zu viert auf dem Boden. Strapse, Tape und Wadenbänder helfen einigermaßen, zumindest ein paar Meter zu fahren. Der Rest hat erst mal genug vom Sauwetter. Nur Michael und Joachim Heil, Teamchefs der Tour in Portugal schnappen sich unseren Begleitfahrer Sergio, um eine Rundtour über 25 km abzufahren. Der Wind ist ziemlich stramm. Regnen tuts gottlob nur mehr selten. Zur Tour gehören außer den beiden Tourguides mit Rad auch noch ein Servicewagen, der mit Ersatzteilen wie Reifen und Bowdenzügen ausgestattet ist. Verpflegung gibt es als Sandwich am Mittag mit viel Obst und Getränken und so gesehen ist die Organisation besser als zum Beispiel in Rimini. Da war oftmals nicht mal ein Radfahrer dabei.

 

28.02.05 – 3. Tag

In Portugal soll es seit einem halben Jahr nicht mehr geregnet haben. Das stimmt sowieso nicht, denn im Oktober letzten Jahres bei unserer Besichtigungstour sind Wolfgang Petersen und das Team von Rehability, bestehend aus den Brüdern Heil und Nachwuchs Amelia so was von in einen Hagelschauer geraten, dass alle zum ersten Mal befürchten mussten, von oben erschlagen zu werden. Der Portugiese vergisst halt schnell. Es regnet wieder (oder immer noch). Bis auf Stefan, Hubert und Bernd fahren alle in das benachbarte Wohngebiet, da dort die einzige Gegend ist, die einigermaßen flach sein sollte. War sie aber nicht. Dafür ziemlich kurvig und das auch noch nach abschüssigen Gefälle. Zusammen mit Regen und auch für die Anfänger leicht erreichbarem Tempo von 25 km/h mit 90° Kurve ziemlich riskant. Aber wir wollten eine Runde über ca. 600 m als Anfangszeit messen und am Ende des Camps noch mal. Idealerweise sollte dabei eine Steigerung erreicht werden. Bei dem Sauwetter allerdings wohl vorprogrammiert. Die schnelleren hatten dabei Gelegenheit, ihre Kurventechnik zu verbessern. Auch Sergio, unser Radfahrer wollte unbedingt im Handbike mitfahren und siehe da, gar nicht schlecht. Hochmotiviert, weil so schwierig kann das ja nicht sein, schafft er 3 Runden und dann geht nicht mehr viel. Die Arme hängen runter. Platt. Joachim, der die Zeit der Teilnehmer gestoppt hatte, wollte auch wissen, was er drauf hat. Aber erst mal eine Einfahrrunde. Ok. Nach ihm fahren noch die anderen zum Ausfahren. Als die wieder kommen und Joachim noch immer nicht, flachst alles, ?der hat sich verfahren?, gesehen hat ihn keiner. Komisch. Nach 5 Minuten endlich kurbelt er doch um die Kurve. Erst ganz unauffällig, dann aber sehr sichtbar ? das Bike hatte einen Überschlag hinter sich, die Hose zerrissen und sein Kommentar: ? war wohl ziemlich schnell unterwegs. Und da hinten in der Ecke surft so mein Vorderrad in die Kurve, aber meine Hinterräder haben schneller gesurft. Und nach 90° Drehung war Schluß mit Surfen und bin in ein stehendes Auto gekippt.? Na prima. Und ich sag noch, kein Risiko.

Nachmittags noch mehr Regen. Wir fahren trotzdem, die einen eine kleine Runde von 7 km, Eugen, Jo und Michael 25 km. Klatschnaß aber ausgepowert zurück ist eine heiße Dusche zu ziemlich das Beste, was ein Trainingslager zu bieten hat. Wo bleibt bloß die versprochene Masseurin?

01.03.05 – 4.Tag

Ein Blick reicht, um den ganzen Tag zu beschreiben. Regen, kalt. Seit langer Zeit hat es gleich mehrere Tage schlechtes Wetter. Völlig unüblich für die Region. Aber was soll,s, Jeden Morgen erst mal die ungeliebte Gymnastik und ein wenig Wärme ist schon eingespeichert. Wir fahren nach Villamoura, ein Städtchen an der Küste nicht weit vom Hotel. Flache Strecken sind für die Teddys eh besser. Und ein Blick auf die See entschädigt für die kalte Witterung. Da steht dann auch ein Filmteam und interviewt wohl vorwiegend englische und deutsche Touristen, die bei dem Sauwetter spazieren gehen. Kein Portugiese würde freiwillig da rumlaufen. Auf jeden Fall erregen wir natürlich sofort die Aufmerksamkeit der Schönheit am Mikrofon und machen einen Termin am nächsten Tag für ein Interview fürs portugiesische Fernsehen.

Für die Teddies wird es ziemlich anstrengend. 25 km flottes Tempo hinter dem Teamleiter, der natürlich keinen frieren lassen möchte, lässt alle müde im Hotel einlaufen. Das hat gut getan.

02.03.05 – 5.Tag

Hurra, Sonne, pur und warm schon am morgen. Die Stimmung steigt mit dem Thermometer. Alle sind pünktlich beim Stretching. 2 Gruppen werden gebildet. Die Teddys und Einsteiger und Eugen, Joachim und Andreas Kiemes, der als Tetra und schon mit 2 Wochen Trainingslager auf Mallorca in den Knochen heute morgen um 6.55 Uhr am Flughafen eingelaufen ist. Natürlich nutzt auch er den sonnigen Einstieg und so fahren wir alle erst nochmal zum Rundkurs, auf dem wir die ersten Zeiten genommen haben. Und siehe da, alle haben trotz Wetterfrust ihre Rundenzeiten schon merklich verbessern können. Die schnelle Gruppe hat 30 km flottes Tempo vor sich, die langsamere Gruppe fährt nochmals nach Villamoura, Interview steht an. Keine 10 km und unser Andy hat einen Platten. Wer sonst. Und wie Jo denn den Reifen repariert, in dem Andy mit einem grossen Stein unter dem Rad aufgebockt wird, verschwindet auch schon wieder die Sonne. Kalt ist es sofort und hoffentlich bleibt wenigstens der Regen weg. Bei Andy auf Mallorca war kein Tag so schön wie der Vormittag heute. Für den ist schon der 1. Tag ein Gewinn. Na, das baut auf. Das Tempo ist so hoch, dass Jo sich anschliessend kaum mehr bewegen kann. Die Schulter und der Rücken sind steif wie ein Brett. Massage ist angesagt. Hausservice, wie bei einem Profiteam. Wir sind bestens versorgt.

Michael schreibt indes diese Zeilen im Büro von David Player, selber Tetra und Organisator der Tour in Portugal. Er sitzt in Almancil und arbeitet schon an der Europameisterschaft im Oktober, die er für die Handbikes ausrichten möchte. Zusammen mit wirklich gut eingespieltem Team hat er schon Europameisterschaften der Gewichtheber, Rollstuhlbasketballturniere und viele Events rum um das Segeln an die Algarve geholt. Zur Zeit sucht er Weltklassefahrer im Rennrollstuhl für einen Stadtmarathon in Lissabon, bei dem die Flugkosten, Hotel und Unterkunft kostenlos sind. Leben tut er allerdings vom Bau und Vermietung behindertergerechter Wohnungen und Häuser an der Algarve. Rollstuhlfahrer, die bereits Häuser dort haben, vermieten über David ihr Anwesen und so kann jeder Rollstuhlfahrer sicher sein, dass er auch tatsächlich eine behindertengerechte Unterkunft vorfindet. Infos kann jeder unter www.player.pt einsehen.

Abends Tour durch Albufeira. Livemusik steht auf dem Programm und die englischen Bands haben es echt drauf, die alten 70er mit Rolling Stones, Eagles, Bob Seeger wieder aufleben zu lassen.

03.03.05 – 6.Tag

Ein rabenschwarzer Tag. Nicht nur, was das Wetter betrifft. Es regnet. Keiner hat Lust, schon wieder klatschnass draußen rum zu fahren. Wir bleiben im Hotel. Fast alle. Stefan hat noch Nachholbedarf und möchte trotz allem fahren. Damit er nicht alleine herumirrt, fahren Sergio, Janette und sein Begleiter mit den Rädern mit. Stefan hat Glück. Eine ganze Zeit über hat es nicht geregnet und er kommt als Einsteiger und Tetra mit seinem Bike sogar ziemlich weit. Selbst Steigungen bewältigt er zwar mit etwas Hilfe aber immerhin. Und dann passiert es: an einer unübersichtlichen abschüssigen Stelle findet Stefan den Hebel für die Bremse nicht richtig und nimmt Fahrt auf. Dabei gerät er wohl in Panik und die mitfahrenden Begleiter versuchen ihn abzubremsen. Leider vergebens. Stefan rauscht den Berg runter und prallt voll in einen Gartenzaun. Der aber ist aus Eisen. Ergebnis, Stefan landet ziemlich abenteuerlich in einer Klinik und die Tour ist für ihn gelaufen. Zum Glück ist nicht mehr passiert aber alle sind ziemlich geknickt. Abends beim Brasilianer Essen. David und seine Helfer sind mit dabei und es will nicht rechte Stimmung aufkommen. Auch später in einer Musikkneipe von Figo, dem portugiesischen Ausnahmefussballer in Villamoura ist die Hand(Spaß)bremse eingelegt.

04.03.05 – 7.Tag

Sonne. Sonne. Sonne. Das gibt es gar nicht. Blauer Himmel und steife Brise. Was soll´s. Wir fahren runter zum Strand nach Quarteira und genießen den Ausblick, weiter geht es zum Yachthafen und von dort auf einen flachen Rundkurs. Wieder zurück zum Hotel und der Vormittag ist rum. Norbert ist mittlerweile eingetroffen und bringt gleich noch eine Erkältung mit. So fängt man natürlich einen Lehrgang ziemlich ungünstig an. Für einige heißt es aber auch Abschied nehmen denn die erste Woche ist vorbei. Leider. Jetzt wo das Wetter anfängt, handbikefreundlich zu werden, ist der Spaß schon zu Ende, wo er gerade erst angefangen hat. Stefan geht es schon etwas besser. Er fliegt wohl am Sonntag mit dem Liegendtransport zurück nach Deutschland. Wir wünschen ihm auf diesem Weg gute Besserung.

Teilnehmer Portugal 1. Trainingswoche

Michael Heil

Hubert Fischer

Bernd Jost

Andreas Kiemes

Eugen Kuzior

Magnus Becker

Norbert Koch

Stefan Lieven

Reinhard Tabar

Joachim Heil

Hans-Jürgen Wilhelm

Stefan Dreeßen

07.03.05 – 10.Tag

Um die Trainingsbelastung für die, die noch nicht so fit sind, nicht allzu hoch werden zu lassen, ist heute ein ruhiger Tag angesagt. Büro für den Teamleiter und eine Relaxrunde mit den Teddys, die 2 Wochen im Camp sind und sich auf Begleitung freuen, um nicht jeden Tag in ihrer freien Woche unter sich zu sein. 25 km und Abholung im Office, danach geht es auf die Kartbahn. Einige haben sich schon den ganzen Morgen über darauf gefreut, mit einem umgebauten Kart ein paar schnelle Runde drehen zu können. Zum Erstaunen aller auch Hubert und vor allem Andy, immerhin C 5/6, also keine Fingerfunktionen, und wie das gehen sollte, das kann sich keiner vorstellen. Aber wenn die unbedingt wollen….

Die Kartbahnen in Portugal und wohl auch sonst so im Süden sind aufwändiger aufgebaut, unsere in Almancil sieht aus wie eine kleine Westernstadt. Große Runden mit ca. 800 m Streckenlänge sind sehr anspruchsvoll und ca. 50 Karts warten auf ihre Benutzer. 10 min kosten 12 Euro, die mit zwei Motoren etwas mehr. Schon das Reinsitzen ist nicht einfach und die Handgas-/ bremsfunktion etwas gewöhnungsbedürftig. Für Teddys eigentlich unmöglich, da die Hebel unter dem Lenkrad liegen und Servolenkung natürlich Fehlanzeige. Wir haben so unsere Mühe, die Geräte auf der Strecke zu halten, das Tempo ist überraschend hoch und die Könner sliden mit den Karts in die Kurven. Wer bremst verliert und so quitscht es auf der ganzen Bahn fürchterlich. Dann sind Hubert und Andy dran. Hubert mit Restfunktionen kommt ganz gut zurecht. Andy wird es mulmig. Schon beim Anfahren verrenkt er die Funktionshand so, dass er zwar an das Gas kommt, aber gleichzeitig lenken ist fast unmöglich. Ans Bremsen ist noch gar nicht zu denken. Die erste Kurve kommt und wir sehen ihn wie erwartet schon in die Reifenstapel einschlagen, doch… nichts da. Andy bekommt gerade noch die Kurve. Erstaunlich, dann eben die nächste. Auch nicht. Andy kommt immer besser mit dem Gerät zurecht und dass er auch noch das mit 2 Motoren hat, Hubert nur die 1 Motorversion, ist eigentlich unerheblich, da Vollgas beide nicht ausnutzen können. Hubert fährt so eine Runde nach der anderen, Andy holt auf. Er wird immer besser, keine  Aussetzer, keine Fahrfehler, seine Verrenkungen sind abenteuerlich und wo alle schon längst aufgegeben hätten, da die Kisten eine irre Kraft vor allem zum Lenken brauchen, kann Andy gar nicht genug bekommen. Und da passiert es. Hubert mit einer halben Runde Vorsprung wird überrundet und Andy hat einen Höhenflug.

08.03.05 – 11.Tag

Heute sind 60 km angesagt. Schon gestern wurde dem einen oder andern ganz mulmig, die Strecke ist kaum einer gefahren und dann auch noch in diesem Gelände. Viel auf und ab, kaum ein gerades Stück und wenn auch noch Wind dazukommt, dann haben alle zu kämpfen. Aber ganz tapfer fahren alle erst mal los. Wann ist Mittagspause, wie viele Kilometer sind wir schon gefahren, und kann ich rumdrehen, wenn ich nicht mehr kann?, so die dauernden Fragen aus dem Feld. Wir teilen ein in 2 Gruppen, bald bleiben in der 1 Gruppen nur noch Oli, einziger Fußgänger im Feld, Vico, unser Neuling Norbert und Michael, der Teamchef. Alle anderen sollen Windschatten trainieren, abwechseln und schauen, dass sie die Berge hochkommen. Bis zum Stadio de Algarve, das nur für die Europameisterschaft letztes Jahr gebaut wurde, aber in der ganzen Region nur eine 3. Liga Mannschaft besitzt, kommen alle noch ganz gut zurecht. Aber dann geht es aufwärts und da wird schmerzlich spürbar, wer im Winter schon was gemacht hat, und wer nicht. Da auch noch Gegenwind, wird es doppelt schwer. Pause nach 28 km in einem kleinen Ort im Hochland, Johannes ist nicht dabei, kein Handy, und er weiss gar nicht, wohin wir fahren. Nach einer halben Stunde kreuzt er auf. Hat sich durchgefragt, wo so eine Gruppe verrückter Handkurbler durchgefahren seien und siehe da, jeder zeigt ihm den richtigen Weg. Wir sind schon wer!!!

 

In Portugal misst man Kilometer mit einem Multiplikator von mindestens 1,3. So auch heute. Nach 40 km sind es noch mal 30. Einige murren schon. Haben genug und wollen nur noch eine heisse Dusche. Aber geht nicht. Wir sind eigentlich erst am Scheitelpunkt der Tour und da sind 30 km eher untertrieben. Sag ich aber nicht. Sonst streiken die womöglich. Dafür haben wir jetzt Rückenwind und viel Bergabfahrten. Jetzt macht es richtig Spass. Selbst leichte Bergauffahrten gehen mit über 40 km/h. Die Müdigkeit ist weg. Das Feld kommt immer wieder zusammen, um gleich wieder auseinandergerissen zu werden. Am Ende haben wir Spitzengeschwindigkeiten von über 60 km/h und 75 km auf dem Tacho. Heute sind alle platt und wollen anschliessend noch nicht einmal zum Frauen-Unabhängigkeitstag, so eine Art Altweiberfasching, da sollen die Damen auf den Tischen tanzen und den Jungs die Klamotten von den Leibern reissen, statt Krawatten abschneiden und so. 4 gehen dann doch und erleben einen recht ruhigen Abend. Ist wohl nicht die Gegend für Extase.

 

09.03.05 – 12.Tag

Nach der langen Tour gestern haben wir heute Ruhetag angesagt. D.h. 25 km Bummeltempo zum Ausfahren,  wieder locker werden. Mittags wie immer Sandwiches. Aber portugiesische. Schlecht ist vielleicht, dass Andre`s Freundin, selber ein Hungerhaken, wohl die Aufgabe hatte, die Woche über das Lunch vorzubereiten und in der Hauptsache besteht dies aus 2 Scheiben Weißbrot, einem Blatt Salat und einer Scheibe hauchdünnen Kochschinken oder geschmacklosem Käse. Dazu Obst und Eistee oder Wasser. Auf unsere Bitte hin sollte die aufwändige Einzelzubereitung mit Verpackung wegfallen. Hintergedanke war, dass dann jeder selbst seine Brote belegen kann. Das war dann aber ein Freibrief, sich statt einer Scheibe Wurst oder Käse deren 10 auf einmal aufs Sandwich zu legen. Die Folge – 5 Leute hatten Maulsperre und der Rest nichts zu essen. Also muß Andre schnell noch nachkaufen. Nachmittags auf Wunsch Andys sind wir noch mal auf der Kartbahn, da dies sein Abschiedstag war. Abends Massage und Fischessen in einem Restaurant nicht weit von unserem Hotel.

10.03.05 – 13.Tag

Wie immer 10.15 Uhr treffen vor dem Hotel zur Besprechung und Dehnungsübungen. Der Tagesablauf hat sich so langsam eingespielt und für jeden ist genügend Zeit, sich für die Tagestouren vorzubereiten. Streß kommt selten auf. So stehen heute Taktiktraining und gruppenweise Windschattenfahren mit Wettkampfsituationen auf dem Programm. Dazu suchen wir uns eine flache Strecke in Strandnähe bei Villamoura aus, damit die Bergfahrer nicht gleich die ganze Gruppe auseinanderreissen können, wenn mal eine kleine Anhöhe vor allem die B-Fahrer aus dem Rhythmus bringt. Die ersten 15 km tun sich alle schwer, aber mit den Kilometern wird es immer besser und Wechsel- und Ausruhtechnik nehmen langsam Formen an. So macht Langstreckenfahren allen merklich mehr Spaß. Auf der Strecke kommt es zu regelrechten Wettkampfszenen und vielen wird erst jetzt klar, wozu das Training gut ist. Hallo Rosenau, wir kommen.

Bekommen wieder Sandwiches vorgefertigt. Zur Abwechslung diesmal ohne Salatblatt, dafür wurden Baguettebrötchen mit 2 halben Wurstscheiben belegt. Das wird auf jeden Fall beim nächsten Lehrgang besser. So sieht nun mal keine Sportlernahrung aus. Zu allem Überfluß fängt es auch noch an zu regnen. Seit 6 Tagen Sonnenschein, nun ja. Wer letzte Woche da war, der hatte 6 Tage lang Regenwetter. Diese Woche die wesentlich bessere Alternative.

 

11.03.05 – 14.Tag

Letzter Trainingstag. Nochmal 30 km ausfahren am Vormittag in hügeligem Gelände. Einige sind aber schon ziemlich platt. Jeder Hügel kostet Kraft und so mancher wünscht sich das Ende herbei. Leicht war der Kurs nun wirklich nicht. Für reines Grundlagentraining war die Zeit zu kurz. Eine Woche mit dem Anspruch, verschiedene Leistungsstärken und unterschiedlichen Ansprüchen bei Wettkampftechnik oder Wiedereinstieg in die Saison gerecht zu werden, kann entweder nur zu Frust oder eben gelegentlicher Überlastung einzelner führen. Insgesamt aber herrschte wohl große Zufriedenheit vor, neue Erfahrungen, eigenes Einordnen in das persönliche Leistungsvermögen im Verhältnis zum bisherigen Trainingsaufwand zu setzen. Wer jetzt Spaß daran bekommen hat, durch mehr Training auch Ziele erreichen zu können, die bis jetzt nicht vorstellbar waren, hat die Woche gut nutzen können. Leider waren einige nicht dabei, die unbedingt im Team Rehability eine tragende oder potentiell wichtige Rolle spielen könnten in dieser Saison. Vor allem Markus, der leider keine Freigabe seiner Schule bekommen hatte und auch Max, einer der Youngster aus dem Hochheimer Team, dem sicher die Zukunft gehört. Auch Steffen und Robby in Dresden müssen ihre hohen Ansprüche mit eigenem Training erzielen können.

Mittags sind wir in einer Schule in Quatera, einem historischen Ort der Römerzeit, vom hiesigen Bürgermeister eingeladen worden. Wir sollen den dortigen Schülern die in Portugal noch unbekannte Sportart Handbiken näher bringen. Presse ist auch da. Mittagessen in der Kantine. Keine Sandwiches!!!!

Ein letztes Sonnenbad auf dem Schulhof mit dem schon längst vergessen geglaubten Klingelzeichen für das Pausenende, dann noch mal 20 km wirkliches Ausrollen auf flachem Gelände rund um Villamoura und Kaffee am Strand. Kann man einen solchen Lehrgang schöner ausklingen lassen?

Teilnehmer Portugal 2.Trainingswoche

Michael Heil

Norbert Koch

Oliver Daub

Vico Merklein

Eckardt Grethlein

Andreas Lehmann

Norbert Schiller

Hartmut Winter

Eugen Kuzior

Bernd Jost

Hubert Fischer

Christian Rieder

Johannes Schwermann

Über den Autor

David Stähle

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