Tagebuch Trainingslager Portugal 2006

Schwitzen, wenn andere frieren, das ist das Motto des Trainingslagers des Teams Rehability in Portugal an der Algarve im Frühjahr zum Auftakt der Handbike-Saison. Wer den Winter dieses Jahr abkuerzen wollte, meldete sich wie die 19 Teilnehmer zum 14-taegigen Aufbautraining an. Unterstuetzt wurde die nicht nur von unseren Partnern vor Ort, der Mannschaft um David Player, Wheeling Around the Algarve, sondern auch von den Hauptsponsoren Rehability, Sopur und BBraun, sowie Schwalbe, die alle einen Beitrag dazu geleistet haben, dass die 14 Tage sowohl erschwinglich bleiben als auch effektiv genutzt werden. So kosten 1 Woche Aufenthalt fuer den Handbiker gerade mal 370 € und das bei einer Leistung, die unschlagbar ist. Abholservice, Begleitfahrer sowie “Besenwagen” mit Wasser, Fruechten und technischem Support, wie eben in einem richtigen Trainingslager.

 

1. Tag

Nicht nur unsere Partner vor Ort stehen vor einem Problem, auch das Personal der Fluggesellschaft muss ziemlich komisch ausgeschaut haben, als nicht weniger als 9 Handbiker mit ihren Rollstuehlen vor der Gepaeckaufgabe stehen und nach Faro fliegen wollen. Nicht alle haben angemeldet und so wird es ziemlich eng morgens um 4.55 Uhr Abflugzeit. Da nicht so viel los ist, schafft das Personal den Akt und kriegt alle runter. Dort aber sind die Portugiesen erst mal gefragt, alles in die beiden Transporter zu laden und Gepaeck und Rollstuehle müssen auch noch mit. Die Sonne mit ca. 23º C laesst erahnen, dass die Woche nicht besser anfangen kann. Bis 11 Uhr treffen auch noch 4 weitere Teilnehmer ein und als alle erst mal ausgepackt hatten, gibt´s kein Halten mehr und die Handbikes sind fahrbereit für die erste Einfahrrunde. Herrlich, ein milder Wind, eine Truppe, die sich schon von der letzten Saison bestens kennt und einigen neuen Teilnehmern, die sofort im Team aufgenommen werden.

 

Schliesslich gibt es etliche technische Details, die gerade bei den neuen Raedern korrigiert werden muessen.

 

Da unser diesjaehriges Hotel diesmal direkt in Quarteira und an der Uferpromenade liegt, ist auch der Freizeitwert ausserhalb des Trainings wesentlich besser als letztes Jahr. Cafes direkt vor der Nase und Erholung pur mit Meeresrauschen. Seele, was willst Du mehr!!!!

2. Tag

Mit Oli sind wir fuer die Woche jetzt komplett und wir koennen mit dem Training loslegen. Michael Heil, Teamleader und Organisator sucht erst mal Strecken aus, die fuer jeden zum Einrollen geeignet sind, Schliesslich wollen wir nicht in den ersten paar Tagen alles verpulvern. Die Strecken sind teilweise recht anspruchsvoll und lassen viele schon recht frueh an ihre Grenzen stossen. Andere wie Norbert Koch und Vico Merklein, aber auch Winni Sigg, Sopur-Mitarbeiter und erstmalig dabei, haben schon groesseres vor und wollen auf Touren kommen. Gar nicht so einfach, alle unter einen “Hut” zu bekommen, damit das Feld nicht gleich aufreisst.

 

Aber insgesamt besticht das Terrain durch ein welliges, nicht steiles aber sehr abwechslungsreiches Profil und Langeweile kommt nie auf. Groessere Touren bis zu 80 km werden dann landeinwaerts ab naechster Woche gefahren. Dann sind hoffentlich alle auch fit fuer grössere Taten. Abends fallen die Jungs (leider keine Fahrerinnen dabei) totmuede ins Bett. So soll´s ja sein, nicht war?

3. Tag

Unglaublich, ein Tag ist schoener als der andere. 25 -27º C sind Standard. Mittlerweile sind alle an Bord und die Trainings morgens von 10 – 12 Uhr sowie von 14.30-16.30 Uhr sind in der ersten Woche zum Einrollen genau richtig. Dabei ist das Gelaende durchaus sehr abwechslungsreich. Kurze, z.T. recht knackige Steigungen und kurvige Abfahrten machen das Training kurzweilig und effektiv. Schnell zeigt sich, wer ueber den Winter trainiert hat und wer sich hat “haengen” lassen. Besonders stark sind Norbert Koch, der seine Ambitionen fuer internationale Wettkaempfe anmeldet, sowie Vico Merklein, der Power genug hat, um Bernd, unseren einzigen Tetra an die “Leine” zu nehmen, um allen einen nicht zu flotten aber doch anstrengenden Trainingstag zu ermoeglichen. Nachmittags fahren wir zum Stadio Algarve, das speziell zur Europameisterschaft vor 2 Jahren gebaut wurde. Und siehe da: der Damen-Fussball-Cup mit Deutschland, USA, Frankreich und China findet gerade statt. Und das lassen wir uns nicht entgehen. Wir koennen alle mit unseren Raedern direkt zum Spielfeld vorfahren und eine Halbzeit lang live anschauen. Zum Endspiel sind wir wieder dabei !!! Abends teilen wir uns auf, einige bleiben in der Bar, andere am Strand und der Rest geht nach Villamoura, zum legendaeren Figo 7 Cafe.

 

4. Tag

Wir teilen die Teilnehmer in Gruppen auf. Das Leistungslevel ist zu hoch, die einen sind unterfordert, andere pfeifen schon aus dem letzten…….. Also bekommt jeder der Fuehrungsfahrer jeweils einen aus der 2. Gruppe und einen aus der 3. Gruppe. Andreas Lehmann, ueberraschend stark dieses Jahr, Winni Sigg, Norbert Koch und Michael Heil teilen sich die Meute auf. Vico nimmt Norbert Schiller ins Schlepptau. Gleich zeigt sich, wie die Gruppen harmonieren -naemlich gar nicht. Ziel ist es, dass der Fuehrungsfahrer seine Leute nicht verliert und die Windschattenfahrer ihre Frontfahrer optimal nutzen. Dabei muss der 3. in der Reihe den 2. ueberholen, sobald der abreissen laesst. Daher ist die permanente Aufmerksamkeit jedes einzelnen gefordert. Zumindest am Vormittag faehrt aber so ziemlich jeder alleine rum. Ausnahme Winnis Gruppe.

 

Nachmittags nach Manoeverkritik wiederholen wir das Spiel, diesmal klappt es wesentlich besser und endlich werden Teams draus. Darauf laesst sich aufbauen.

5. Tag

Wie gehabt, Wetter sehr gut. Allerdings haben wir morgens erst mal trainingsfrei. Die Muskeln lockern und unseren Guides eine kleine Pause goennen. Wie haben naemlich fuer alle Trainingseinheiten einen Fahrer mit Kleinbus, der Getraenke, Fruechte und zur Not auch ein defektes Bike transportieren kann. Dazu ein oder sogar 2 Begleiter(innen) der Touristikuni, Freunde von Andre, unserem “lokal Organiser”, der alle Arragements mit den Hotels, sowie Abholdienste und Abendveranstaltungen organisiert. Miguel ist unser Scout, der uns zusammen mit seinem Bruder (am Wochenende) durch die Algarve mit dem Bike begleitet. Das macht die Strecken variantenreich, so dass es nie langweilig wird. Heute ist das Endspiel der Damen des Algarve-Cup auf dem Programm. Natuerlich fahren wir mit den Bikes dahin, ca. 15 km und schauen uns das Spiel Deutschland – USA an. Birgit Prinz, mehrfache Sportlerin des Jahres, ist auch dabei und die Deutschen gewinnen im Elfmeterschiessen 3:2. Natuerlich nur wegen uns!!!!

 

Das wird abends denn auch gebuehrend gefeiert. Von einigen jedenfalls, die wohl dafuer sorgen, dass wir naechstes Jahr ein anderes Hotel suchen müssen. Die Zimmer sind aber auch recht klein…

 

Am Abend hielt Winni eine technische Stunde zu Fragen moeglicher Verbesserungen an Bikes und Sitzhaltung.

6. Tag

Morgens um 10 Uhr antreten zum Training. Wir teilen in 2 Gruppen auf. Daraus werden dann aber doch 3, weil einige lieber mit Bernd, unserem einzigen Teddy fahren wollen. Der Rest hat eine Tour von 50 km vor sich, die in die Berge der Algarve fuehrt. Ein Vorgeschmack auf die grosse Tour naechste Woche, sind doch Bergauffahrten von jeweils 150 bis 200 Hoehenmetern dabei, die es in sich haben. Der Wasserverbrauch waehrend der Tour ist gigantisch. Dauernd muss nachgefuellt werden. Danach ist eigentlich Karting angesagt. Allerdings meldet sich einer nach dem anderen ab, für ein Nickerchen auf dem Zimmer. Wir sind alle platt.

7. Tag

Ein Blick aus dem Fenster bestaetigt den Wetterbericht von gestern – Regen. Fuer alle, denen wir die Nase gezeigt hatten in den letzten Tagen, duerfen frohlocken, wir werden tuechtig nass und wer in die Bikes steigt in der Hoffnung, in einem Wolkenloch einigermassen trocken zu bleiben, wird enttaeuscht. Die anderen sind so ungluecklich gar nicht, da eine Pause mehr als willkommen ist. Kann ja nicht lange dauern. Abends meint Andre es gut mit uns und laedt ein in ein etwas zweideutiges Etablissement. Ich hab mir wohl eine Erkaeltung zugezogen und bleibe erst mal im Bett.

8. Tag

Es ist zum Heulen. Das Wetter bleibt unbestaendig und wer ins Bike steigt, kommt nass zurueck. Training ist freiwillig, das heisst, jeder entscheidet fuer sich.

Nacheinander haben wir Eckard und Marco nach Hause verabschiedet. Beide werden naechstes Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein. Vormittags testen wir die Marathonstrecke am Sonntag, eine ueber 50 km lange Rundstrecke um den See Val de Lobo, eine Golf- und High-Society Gegend an der Kueste der Algarve. Diese ist recht anspruchsvoll an einem Anstieg und einem ziemlich schwierigen Abfahrtsstueck. Da auch noch Sand auf der Strasse liegt, fahren wir erst mal vorsichtig runter. Nachmittags teste ich meine Belastbarkeit nach einem offensichtlichen Infekt und verirre mich mit meiner Trainingsgruppe in

Almacil. Wir kommen leider zum drittenmal an einer anderen Ausfallstrecke raus, eine davon ein Stueck Autobahn. Das muss auch nicht sein. Bloed nur, dass die Alternative ausgerechnet das lange Abfahrtsstueck unserer langen Tour vor 4 Tagen war. Diesmal aber rauf. Und das war ein Hammer. Wir schnaufen wie Dampfmaschinen und die Steigung will kein Ende nehmen. Gottlob sind nur Winni, Vico und Oli dabei. Die anderen haetten mich gelyncht….

Voellig platt verabschiede ich mich direkt nach dem Abendessen aufs Zimmer und verpasse eine ausgelassene Party mit 2 polnischen Studentinnen. Voellig betrunken mache ich um 0.30 Uhr dann doch noch Bekanntschaft mit den Damen. Allerdings sturzbetrunken und sehr laut auf dem Etagenflur. Bin ja mal gespannt, was morgen an Trainingselan noch uebrig ist.

9. Tag

Hab mich eindeutig uebernommen. Bleibe im Hotel. Dafuer sind fast alle trotz schlechtem Wetter nicht vom Training abzuhalten. Da Markus, einer der Hauptakteure des letzten Abends ohnehin heimfahren muss, bleiben Ausfallerscheinungen im Team aus. Fuer Markus kommt Susanne Frank-Flachsmann, Repraesentantin der Fa. BBraun, Melsungen, unserem Hauptsponsor des Teams. Sie hat auch gleich ihr Rennrad mitgebracht und will das Team auf der Strasse begleiten. Mit Bernd und Peter Blaetter kann sie auch gleich die Gegend schon mal kennenlernen.

10. Tag

Nun, das Wetter bleibt unbestaendig. Ist nun mal Hauptthema an so einem Trainingslager, schliesslich faehrt keiner gerne mit nassen Klamotten rum und mit einer Erkaeltung auszufallen ist auch mehr als aergerlich. Aber es wird besser und so fahren wir noch mal die Marathonstrecke ab. Diesmal nahe Renntempo, damit jeder weiss, wo er eventell Probleme bekommen koennte. Leider kommen wir nicht mal bis zum Ziel, denn davor kommt eine Ecke, die sehr tricky ist. Denn nach einer kurzen Abfahrt geht es eine fast 90º Kurve rechts ab. Bei ca. 35 km/h stellt sich denn auch Norbert Schillers Bike auf und er faehrt mit 2 Raedern geradeaus in vom Regen aufgeweichten Sandboden. Dort ueberschlaegt er sich und steht dreckverschmiert fast wieder aufrecht. Ein paar Macken hat er, einen platten Vorderreifen und einen gewaltigen 8er im Hinterrad. Uff, Glueck gehabt. Wenn das im Rennen mit ueber 40 Sachen passiert, dann geht das nicht so glimpflich ab. Wir schlagen vor, das Rennen in umgekehrter Richtung starten zu lassen oder eine kuerzere Bahn zu nehmen, damit die paar zu erwartenden Zuschauer auch was davon haben. David ist “geschockt”. So viel Arbeit, Absprachen mit Polizei und Helfern. Unmoeglich. Umgekehrt ja, aber keine andere Strecke. Bernd Jost, unser Tetra, ist natuerlich der Hauptleidtragende. Der Anstieg hat es in sich. Der macht jeden platt. Dafuer muss er nur 3 Runden fahren.

 

Nachmittags noch mal eine Ausfahrrunde mit Kaffeestop am wirklich sehenswerten Hafen von Villamoura.

11. Tag

Heute wird es ernst. Die erste Gruppe mit Norbert Koch, Winni, Oli, Vico und Michael gehen die 80 km Strecke an, und das mit Anstiegen von ueber 200 m, und das mehrmals. Das Tempo sollte gleichmaessig hoch sein, damit fuer jeden das Gefuehl von echter Erholung und Belastung aufkommt. Mit der ganzen Gruppe gibt es zu viele Breakes, um Windschattentraining fuer die Topfahrer zu trainieren. Also die einen heute, die 2. Gruppe ist morgen dran. Schon die ersten Kilometer ein Fiasko. Alle 500 m steht der Tross, dem einen fliegt die Flasche aus der Halterung, der naechste verliert seine Windbluse, technische Probleme mit abgesprungener Kette usw. verhageln erst mal einen fluessigen Antritt, so wird das nichts. Wenn wir die 80 km fahren wollen, dann muessen wir einen 25er Schnitt durchfahren koennen. Fuer Michael Heil kommt noch dazu, dass die Tour eine Belastungsprobe mit dem neuen Kniebike von Sopur werden soll, davon sollte abhaengen, ob er die kommende Saison in C2 fahren wird. Bergauf, schon immer ein Vorteil, gehts mit dem Bike noch besser, bergab faehrt jetzt selbst Winni im Schlafwagenexpress nicht mehr weg. Aber auf der Geraden wird es eng. Die Ruecken- und Nackenmuskulatur ist dermassen gefordert, dass das ewige rauf und runter leicht zur Quaelerei wird.

Nach ca. 25 km kommt der Tross denn auch endlich in Fahrt. Passagen mit ueber 40 km/h gehen satt ab und erst an leichten Anstiegen wird es eng fuer Winne, das Tempo hochzuhalten. Dafuer macht er aber auch viel Fuehrungsarbeit. Zum Ende hin geht es richtig ans Eingemachte. Ab km 50 werden die Berge laenger und hoeher. Jetzt kommt auch noch massiver Gegenwind bergauf dazu. Bei 235 Hoehenmetern ist endlich der hoechste Punkt erreicht, der leider 5-6 mal anzufahren ist, Das Gelaende ist eben wellig. Dafuer entschaedigt die Abfahrt mit ueber 60 km/h fuer die Quaelerei. Der Rest ist schnell erzaehlt. Platt und voellig fertig ab in die Dusche und relaxen. Wir habens verdient!!!

12. Tag

Was der 1. Gruppe gestern billig, sollte der 2. Gruppe recht sein.

Schliesslich sollen alle zu ihrem Recht kommen. Uebrigens haben sich die Jungs aus der 2. Reihe gestern echt sportlich gezeigt. Bis zu 80 km (Johannes Schwerman, unser Basketballer) im freien Training. Alle Achtung. Aber heute sollte es “nur” knapp 50 km weit gehen, dafuer in die Berge. Anfang wie gestern auf der 80 km Tour, ich hoffte, das geht heute etwas lockerer. Aber weit gefehlt. Trotz teilweise Bummeltempo ist die Muskulatur von gestern noch so fest, dass jeder Anstieg eine Quaelerei ist. So geht auch gleich den “flat hill”, eine ewig lange Anfahrt mit gerade mal 3º Steigung rauf. Der Schweiss laeuft schon in Stroemen. Peter musste nun (als Anfaenger) der Strecke Tribut zollen und stieg aus. Der Rest rollt die Schleife ueber das altbekannte Stadion nach St. Barbara de Nexe. Nach 25 km dann die Blutprobe. Rauf auf den “short hill”. Die Bezeichnung, ein Irrtum. Der Berg sieht nur kurz aus, weil er sehr kurvig und der naechste Anstieg dahinter nicht sichtbar ist. Bei einigen stehen daher auch schon die Nackenhaare, wenn ich ankuendige, dass es gleich geschafft ist. Dann sind es halt doch noch mal 50 Hoehenmeter.

Richard Prinz, auch ein brandneuer, ist so sauer, dass er streikt. Nichts geht mehr. Christian fährt auch auf dem Zahnfleisch, aber die Abfahrt ueber 5 km von 250 auf 20 Hoehenmeter will dann doch jeder mitnehmen.

Wenn´s doch abwaerts genauso lange gehen wuerde wie aufwaerts…

13. Tag

Was fuer ein Tag. Endlich wieder das Wetter, das wir letzte Woche gewohnt waren. Wir wollen uns noch mal die Strecke anschauen, auf der wir uns am Sonntag abquaelen sollen. Die ganze Mannschaft ist dabei, keiner fehlt (auch keiner, der nicht am Sonntag dabei sein wird sondern schon vorher abreisen muss). Aber was fuer eine Quaelerei! Alle sind noch von den letzten 2 Tagen voellig fertig. Wir wollen in Gruppen die 6,7 km lange Strecke im Renntempo abfahren, aber schon nach einer halben Runde geht mir die Luft aus. Nichts geht, wenn das am Sonntag nicht besser wird, dann komm ich nie an. 5 mal ist der Berg direkt nach dem Start zu durchfahren. Schon bei der Anfahrt merken wir, dass entweder das Fruehstueck schlecht oder der Wille schlichtweg nicht vorhanden war.

Nach 2 Runden steichen wir unser Unternehmen und rollen wieder nach Hause. Wenn ein Trainingslager dazu da ist, eine Woche vor dem ersten echten Marathontest in Bonn eine Standortbestimmung fuer die persoenliche Leistung zu sein, dann haben wir ja eine Woche Erholung und wehe wenn sie losgelassen……

 

Abends “Brasilianischer Abend”. Andre hat eine Gruppe aufgetan, die Samba mit 3 ausgesprochen huebschen Maedels auf die Bretter legt und einige kommen nicht ganz ungeschoren davon. Anschliessend landen wir in Figo’s Cafe, einer Karaoke-Bar, die dem portugiesischen Fussballstar gehoert und vor lauter Stimmung zu bersten droht. Na denn!

14. Tag

Ein Tag vor dem Rennen Trainingsfrei. Das brauchen wir aber auch. Zum einen reist ein großer Teil der Gruppe ab, zum anderen bitten die Portugiesen zur “Technischen Besprechung” an die Strecke. Klar, die machen das hier zum ersten Mal und dann wollen wir ja auch ein paar kleine Änderungen im Ablauf, damit unser Teddy Bernd Jost nicht am langen Anstieg verhungert. Dann lieber einen kurzen knackigen Anstieg als Ersatz für die gefährliche Passage (Norberts Gedächtniskurve), den Kurs also andersrum fahren. Ja und die Zeremonie bei der Siegerehrung mit Beteiligung der Prominenz aus Faro, dem Gouverneur der Provinz höchstselbst, will auch besprochen werden. Also gut. Aber nicht mit den Bikes. Wir lassen uns chauffieren. Wir treffen dann auch die beiden Spanier. Einer davon ist der spanische Superstar, der letztes Jahr auch van Breukkelen und Bruijn dupiert hatte. Muß wohl ein Ausrutscher gewesen sein. So gut kann der gar nicht sein, daß wir nicht wenigstens im Windschatten mithalten könnten. Am Berg fühlen wir uns sowieso stark genug, niemanden wegfahren zu lassen. Der soll ruhig mal kommen…

15. Tag

7 sind übrig geblieben, Norberts (beide), Vico, Andreas, Christian und Bernd sowie Michael Heil, der das Trainingslager geleitet hat. Daneben starten noch 2 Portugiesen (Helder Farrobo und Andre Madeira) und die Spanier (Vincenzo Arzo und Jorge Fernandez), einer übrigens noch brandneu, B-Fahrer und noch völlig unbekannt. Um 10 Uhr sollte Startschuß sein. Aber das einzige, was da knallte war der Reifen von Helder Farrobo, der seinen Reifen ein wenig zu voll gepumpt hatte. Wenn er schon die Hoffnung Portugals beim ersten Handbikerennen der Nation war, sollte sie wenigstens nicht an der Reifenluft scheitern. Also schnell Reifenwechsel, 10 min. Verspätung, kein Problem. Die Atmosphäre war sehr familiär, Television und Presse war auch da und hatte noch Zeit, ein paar Interviews zu führen. Start, Schuß, wieder Helder Farrobo’s Reifen. Also noch mal das Ganze, schließlich konnte der Start nicht ohne portugiesische Beteiligung stattfinden. Derweil hatten wir uns abgesprochen, den Zuschauern zuliebe, die ersten Runden locker anzugehen und in Gruppen zu fahren. Sollte nicht schon auf den ersten 5 Km ein Rennen mit lauter Einzelfahrern werden, da die Runde immerhin 6,7 km lang war. Das finden die Spanier auch gut, schließlich seien sie ohnehin nicht so gut drauf, Training war nicht so. Also Start, endlich klappt es um 10.30 Uhr und wir fahren zusammen ganz locker gleich die Rampe von ca. 400 m und bis zu 7° Steigung hoch. Tempo ca. 28-30 km/h, Wechsel alle paar 100 m. Nun, so ein Rennen kann auch echt entspannend sein. Kein 40er Anfangstempo, daß einem schon auf den ersten 5 km die Puste ausgeht. Großes Gejohle am Ziel, das 5 mal angefahren werden mußte. 2. Berg immer noch locker, 3. Berg: der Spanier läßt mal kurz die Muskeln spielen und fährt ein wenig engagierter hoch als der Rest. Oben wartet er ganz brav. Nur mal langsam, nicht hetzen. Wollen ja noch zusammenbleiben. Erst ab der nächsten Runde sollte es ernst werden. Insgeheim wird uns mulmig. Das war schon nicht schlecht. Da hätte nur ein Anschlag mehr gereicht zum Mithalten. Aber laß den mal austoben. Zur Strafe lassen wir ihn auch ein wenig länger vorne fahren. 4. Berg: die letzte Runde hat etwas mehr Kraft gekostet, die Spielchen haben begonnen, kurz Tempowechsel zum Testen usw., der Spanier zieht an – das gibts nicht, der sprintet regelrecht hoch und reißt sofort ein Loch auf. Norbert kann wenigstens im Abstand von 15 m folgen, aber oben entscheidet er, lieber auf mich zu warten statt den Rest hoffnungslos hinterherzuhecheln. Vom Spanier ist nichts mehr zu sehen. Er fährt schon auf der einen Runde einen Vorsprung von 2 min. raus. Von wegen schlecht drauf. Leute, schnallt Euch an, wenn der startet, wird´s unlustig.

Die Zeremonie war edel, so sollte es immer sein. Wie im richtigen Radrennen. Nur die Bussies muss man sich selber abholen. Dafür verspricht der Gouverneur, den Sport in der Region zu unterstützen und auszubauen. Na ja, wir sind wieder da nächstes Jahr und werden sehen, was davon ernst gemeint war. Für uns ist das Trainingslager damit zu Ende. Das Wetter hatte uns noch einen schönen Tag beschert und insgesamt haben wir fast 900 km unfallfrei in den letzten Tagen runtergespult, abgesehen von Norberts Crash, der ohne Blessuren verlief. Was das Beste war? Die Motivation der Leute war gigantisch. Antreiben mußte ich niemanden, alle waren engagierter als im letzten Jahr und selbst ich mit der Knieposition und dem neuen Shark bin sehr zufrieden. Hatte ich doch befürchtet, daß die Umstellung mit viel mehr Schmerzen und Gewöhnung verbunden sein würde. Für vorne reicht es (noch) nicht, aber ärgern können wir auf jeden Fall. Die Saison kann beginnen, schon nächste Woche in Bonn und Korschenbroich.

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