Norwegen 2006 -Styrkeprøven- „die große Kraftprobe“

6.30 Uhr morgens. Der Wecker klingelt. Der Kalender schreibt Montag den 19.06.2006. 10 Monate konsequentes und hartes Training auf dem Handbike und Rennrad, im Schwimmbad und der Mukkibude liegen hinter meinem Partner Stefan Dehmer und mir, Florian Sitzmann.

 

Wir sind in den letzten Zügen der Vorbereitung unserer Mammut Tour durch Norwegen. 6000 Kilometer haben wir für dieses Rennen abgespult, schon im Vorfeld einiges Material verschlissen und sind jetzt in jeder Hinsicht gut vorbereitet „die große Kraftprobe“ von 540 Kilometern und 4500 Höhenmetern in maximal 45 Stunden zu bestehen.

 

Etwas Hektik macht sich breit, als wir unseren heutigen Tagesplan durchgehen. Heute Abend muss alles für die Verladung in das Begleitfahrzeug bereit stehen, dass unser Support Team, bestehend aus meiner Frau Eveline und unseren Freuden, Thomas dem Schreinermeister und Christian dem Zweiradmechaniker, über Nacht nach Dänemark fahren werden, um dort am nächsten morgen die Fähre nach Oslo zu bekommen.

 

7.30 Uhr. Als erstes wird das frisch mit Logos versehene Begleitfahrzeug abgeholt. Noch einige Lebensmittel einkaufen, bei der Eichbaum in Mannheim Getränke einpacken, die neuen Trikots bei der Druckerei abholen, bei Rehability die letzten Ersatzteile unter den Arm klemmen, von den Mädels ein vorerst letztes charmantes Lächeln einsacken und von Joachim noch einen lässigen Spruch mit auf den langen Weg bekommen. Wer weiß für was wir es später gebrauchen können. So kommen wir gegen 17.00 Uhr zu Hause an und beginnen mit Hilfe von Eveline die Materialien für die Verladung zusammen zu richten.

 

18.00 Uhr. Christian und Thomas kommen zu mir nach Hause um den Wagen zu beladen. Die Sachen sind schnell verpackt, noch bevor es anfängt in Strömen zu schütten und sich bei uns allen ein schmunzeln einstellt. Was für ein Start! Wir hoffen auf besseres Wetter in Norwegen, wobei die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass es wohl die Tour über regnen wird. Die Jungs sind auf dem Weg und haben noch eins der gesponserten Handy´s von Vodafone in der Tasche, mit dem wir uns später kontaktieren werden. Mehr können wir heute nicht tun. Wir sind positiv, kommen zur Ruhe, gehen erstmal schlafen und träumen von unserem Abenteuer.

 

Dienstag, 20.06.2006

 

Dank unseres Hauptsponsors Wheel-It, können Eveline, Stefan und ich, zum Flughafen fahren um die Maschine nach Oslo zu nehmen. Es funktioniert alles nach Plan und so kamen wir nach kurzem Aufenthalt und Umsteigen in Oslo, in Trondheim an. Es war 19.00 Uhr Abends. Auf dem Flug, passierten wir die teilweise mit Schnee bedeckte Bergkette über die wir einige Tage später, fahren sollten. In Trondheim war es kalt und regnete. Die Stimmung war trotzdem gut ;-). Getreu dem Motto, der Weg ist das Ziel“. Außerdem waren es ja noch 3 Tage bis zum Start und da war wettermäßig noch alles drin.

 

Wir bezogen unsere Unterkunft und machten erstmalig mit der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Norweger Bekanntschaft; die uns ein leckeres Abendbrot auftischten. Zwischenzeitlich waren Christian und Thomas in Oslo angekommen und fuhren in die Nacht hinein, in unsere Richtung.

 

Mittwoch, 21.06.2006

 

Das gesamte Team traf sich, nach einer unruhigen Nacht, die nicht zuletzt auf die Tatsache zurückzuführen war, dass es um diese Jahreszeit in Norwegen gar nicht dunkel wird, zum gemeinsamen Frühstück und zur Lage Besprechung. Das Wetter hatte sich passabel gemacht und so konnten wir die ersten Sonnenstrahlen und blauen Himmel genießen. Gepaart mit unserer Stimmung, die unschlagbar schien, machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Dort verwöhnten wir uns mit leckerem Essen und einem noch köstlicheren Kaffee. Gedanken an das Rennen flogen immer wieder an uns vorbei, doch wir waren alle sehr entspannt und in freudiger Erwartung, auf das was da kommen mag. Noch zwei Tage bis zum Start.

 

Donnerstag, 22.06.2006

 

Heute sollte letztmalig vor dem Rennen ein Material Check stattfinden, zu dem wir uns auf dem Parkplatz vor unserer Unterkunft nach dem Frühstück trafen. Den Sitz meines Handbikes hatte ich vor unserem Trainingstart letztes Jahr in eine Liegeposition gebracht, um die vielen Stunden im Bike aushalten zu können. Auch wenn durch diese Position Antritt und Kraft verloren gingen, so musste es doch eine entspannte Haltung sein um nicht gleich nach 200 Kilometern aufgrund von Rücken oder Po Problemen aufgeben zu müssen. Wenn überhaupt, sollte es hier einen Ausfall unserer Kräfte geben, nicht jedoch so wie 2004 in Athen, den Materialschaden mit dem das Vorhaben scheiterte.

 

Jeder von uns wollte zwei Getränkeflaschen mitnehmen um zwischen den Stop´s mit dem Team ausreichend versorgt zu sein. Stefans Bike war in der Vergangenheit schon immer unproblematisch. Beim Handbike waren die Bowdenzüge ein großes Problem. Diese waren im Heimtraining schon nach 350 Kilometern Reibung defekt. Und so feilten wir an einer neuen Aufnahme- Technik, die sich hier bewähren sollte. Nach 3 Stunden war alles geprüft, geputzt und Christans geschultes Auge segnete das Werk ab. So verschwanden die Bikes für die letzte Nacht vor ihrem Einsatz im Transporter.

 

Freitag, 23.06.2006-Rennstart

 

Alles oder Nichts. Passend zum Rennstart, zog sich der Himmel zu und es war den ganzen Tag stark bewölkt. Ab Nachmittags fing es dann pünktlich an zu regnen. Da wir auf das Schlimmste vorbereitet waren, blieben wir ruhig und ruhten uns aus. Allmählich wollten wir endlich auf die Piste. Dieses Ewige Warten war uns allen zu langweilig geworden. Wir wollen jetzt zeigen was in uns steckt. Gegen 16.30 Uhr kam das SWR Filmteam, das uns schon bei unseren Vorbereitungen begleitet hatte. Ein paar schnell Einstellungen, ein kurzes Statement in die Linse und dann ging es los. Mit Sack und Pack fuhren wir in die Stadt um unsere Startnummern abzuholen. Jetzt waren es nur noch 4 Stunden bis zum Start, der um 21.00 Uhr erfolgen sollte. Unser Puls bewegte sich in Richtung Betriebstemperatur.

 

20.00 Uhr, wir luden unter Beobachtung der Kamera und mit Hilfe unseres Team die Bikes aus. Der Regen hatte uns frieren lassen und die Temperatur lag jetzt bei 17 Grad. Noch einen letzten Biss ins Käsebrot und einen Schluck aus der Karamalzpulle, dann rollten wir zum Start.

 

Punkt 21.00 Uhr ertönte dann, nach der kurzen Rede des trondheimer Bürgermeisters, der Startschuss und die Traube setzte sich auf die erste große Etappe, die 170 Kilometer den Berg hochführen sollte, in Bewegung. Wir hatten uns vorgenommen, schnellstens unser eigenes Tempo zu finden und dieses durchzufahren, was schwieriger war als gedacht. Gleich am Anfang wurden wir von vielen Fahrern überholt, doch der Gedanke an einen scheinbar erleichternden Windschatten war schnell verworfen als der Puls nach oben ging.

 

Wir passierten die Stadtgrenze von Trondheim und der Regen verschwand. Besser noch, der Himmel öffnete sich und vor uns offenbarte sich einer der wohl schönsten Sonnenuntergänge die ich je gesehen hatte. Wenn das keine Motivation war, dort hinein zu fahren. Das Fernsehteam begleitete uns noch einige Kilometer und verschwand dann im Abendrot.

 

Den ersten Stop machten wir nach Kilometer 44 Nahe der Ortschaft Kwal, in einer Parkbucht neben der Strasse. Es war 23.00 Uhr und die Temperatur lag bei 15 Grad. Unser Team stand mit „gedecktem Tisch“ bereit und versorgte uns vorbildlich. Schnell die Flaschen auffüllen, ein Küsschen von Eveline (allerdings nur für mich) und nach 15 Minuten ging es weiter. Da es hier nicht dunkel wurde, sondern eher nur leicht dämmerte, konnten wir die Uhrzeit nur schlecht einschätzen. Wir fühlten uns sehr gut und waren hoch motiviert.

 

Nun ging es weiter den Berg hinauf. An den Ortschaften Loklie und Hallse vorbei. In Drivstua machten wir kurz Halt. Es war Kilometer 130 und 10 Grad warm. Als wir zum Treffpunkt einbogen, hatten unsere drei Supporter einen Mann dazu bekommen. Wir fragten „wer das sei“ und bekamen von Christian die Antwort: „er hat einen Materialschaden und wir nehmen in bis zur nächsten Raststelle mit“. Was wir nach dem Rennen erfuhren war, dass dieser Bursche und scheinbare Superathlet schon nach Kilometer 80 aufgegeben hatte und eine günstige Mitfahrgelegenheit suchte. Was mag wohl in ihm vorgegangen sein als er uns sah?

 

Meine Muskelansätze waren zu diesem Zeitpunkt alles andere als frisch und locker. Der Berg hatte seine Spuren hinterlassen, jedoch gab ich in diesem Moment nichts von meinem Schmerz bekannt. Es würde jetzt sowieso nichts ändern. Es hieß, durchdrücken um sich dann oben wieder etwas ausruhen zu können. Der Gipfel war ganz nah.

 

Einen weiteren Stop machten wir dann in Gautaseter. Wir hatten Kilometer 170 erreicht und den Berg mit 1000 Höhenmetern bezwungen. Das erste Etappenziel war erreicht. Freude strahlend blickten wir umher und fühlten uns kurz mal wie der König der Welt.

 

Es war mittlerweile 6.50 Uhr morgens und der Tag war schon lange angebrochen. Hier oben bei flauschigen 0 Grad und ein paar Schneefeldern, machten wir eine Pause von 20 Minuten, in der Stefan und ich, unsere Bekleidung komplett wechselten. Ich wurde von Eveline abgewaschen und mit wärmenden und entspannenden Ölen eingeschmiert. Wie frisch geduscht, einfach herrlich!

 

Der Ausblick auf dieser Hochebene war wunderschön und entschädigte ein wenig für den anstrengenden Aufstieg. Das Fernsehteam war nach seiner Nachtruhe nun auch wieder bei uns und interviewte uns gleich zum Frühstück mal eben auf leeren Magen. Außerdem wurde eine Kamera an meinem Handbike installiert um die bevorstehende Abfahrt zu filmen die nach weiteren 22 Kilometern auf uns wartete. Bei dieser Abfahrt wollte ich unbedingt die 100 km/h Marke knacken, da sie zumindest auf dem Höhenprofil wie ein freier Fall aussah und meiner Meinung prädestiniert dafür war.

 

Nach ein paar Wellen ging es dann Berg ab. Der Tacho bewegte sich genau bis 79km/h dann war Schluss. Etwas enttäuscht war ich schon, doch das verwandelte sich nach der Durchfahrt des Ortes Dombas morgens um 8.30 Uhr bei Kilometern 200, in einen super Lauf und wir rasten „leicht gestört“ mit einem 34 Schnitt förmlich in Richtung Ziel. Es lief einfach super und machte großen Spaß. Nun mussten wir gezwungen noch einmal kurz anhalten, denn die montierte Kamera, die mit Befestigungsgestänge ca. 8 Kilo wog, machte sich bemerkbar und musste schnellstmöglich runter. Außerdem war es so warm geworden, dass Stefan und ich in der Sonne schwitzten und auch noch ein wenig Kleidung abwerfen wollten.

 

Die Strecke führte uns an einem lang gezogenen idyllischen See vorbei, den Stefan überhaupt nicht mochte, weil er schon eine Stunde vorher sah welchen Weg er fahren musste. Doch auch das war bald vorüber.

 

Überhaupt war es hier landschaftlich wunderschön und wir kamen uns vor, als ob wir in einem Traum oder besser, wie in Trance fahren würden. Kurz vor Lillehammer machten wir einen weiteren Stop bei Kilometer 340. Der Nachmittag war angebrochen und die Uhr zeigte 14.30 Uhr.

 

Zu diesem Zeitpunkt waren wir seid 29 Stunden auf den Beinen, seid 17,5 Stunden im Rennen und hatten 16 Liter/pro Mann Flüssigkeit zu uns genommen. Mit den Bikes war alles in Ordnung.

 

Die Sonne schien uns bei 16 Grad ins Gesicht, es gab leckere Nudeln von Eveline und als Nachtisch ein Stückchen Kuchen. Wir ließen uns unsere Getränkeflaschen mit einem Kohlenhydrate -Mix und Karamalz auffüllen, dann fuhren wir weiter und Stefan hatte erste Anzeichen von Müdigkeit. Ich forderte ihn auf seine Flasche auszutrinken, denn Christian hatte seid der letzten Füllung auch Red Bull mit im Programm. Er trank im fahren aus und nach 15 Minuten konnte die Fahrt sicher und zügiger weitergehen. Mir ging es bis auf die Schmerzen der Muskelansätze ganz gut. Müde war ich nicht.

 

Wir passierten Lillehammer bei Kilometer 350 und trafen unsere Freunde das Kamerateam wieder, die uns gerne während der Fahrt interviewt hätten, ich mich aber weigerte, da ich keine Kraft zum fahren und reden gleichzeitig mehr hatte. In Lillehammer waren auch einige begeisterte Passanten am Straßenrand die uns zujubelten. Das war hier in Norwegen ganz anders als bei den Citymarathons in Deutschland. Die 17 Stunden hinter uns waren keine Strecken -Fans zu sehen. Gut, es war Nacht, aber trotzdem 😉 hätten sie sich aufstellen können…es war ja hell!

 

Es waren noch 190 Kilometer bis ins Ziel. Wir motivierten uns damit, dass es „nicht mal mehr 200 Kilometer sind“ und dass das ja wohl gut zu schaffen sei. So fuhren wir immer weiter auf dieser scheinbar endlosen Strasse, im Sonnenschein in Richtung Ziel und malten uns das fantastische Gefühl des Sieges aus.

 

Bei Kilometer 410 in Nähe des Örtchens Hamar hatte ich dann meinen ersten starken Leistungsabfall und ich sank in mich zusammen. Ich schloss die Augen für einige Sekunden und dache daran, wie schön es wäre, endlich im Ziel zu sein und endlich ins Bett kriechen zu können. Doch aus diesem kurzen Traum erwachte ich schnell wieder, denn Christian zu meiner linken sagte mir, ich solle trinken und Eveline zu meiner rechten schob mir ein Käsebrot zwischen die Zähne. Ein paar Momente später kehrten zumindest die Lebensgeister zurück, die die Kurbeln in Rotation versetzten und die Fahrt ging weiter.

 

Der Tag neigte sich seinem Ende zu und je näher wir dem südlich gelegenen Oslos kamen, desto dunkler wurde es. Dann nach einigen kleinen Bergen, die sehr viel Kraft kosteten und die ich mit nur 10 km/h hochfahren, dafür 27 km/h runter fahren konnte, sahen wir zum ersten Mal das Ortsschild von Oslo. Und waren verwundert, denn auf unseren Tachos standen 490 Kilometer. ? Zeigt der Tacho falsch an? Waren wir hier richtig?

 

Wir waren es und noch lange nicht im Ziel. Jetzt begann der wohl härteste Teil dieser Tour. 60 Kilometer Berg hoch und ab. Immer wieder im Wechsel. Es schien endlos und ging voll an die Substanz; bis zur allerletzten Reserve.

 

Es war Nacht geworden und eine Gruppe von Radler überholte uns. 100 Kilometer zuvor, hatten wir sie noch angefeuert und ihnen zugejubelt, doch jetzt hatten wir nicht einmal mehr Kraft um uns miteinander zu unterhalten.

 

Auf der gesamten Tour sprachen Stefan und ich 40 Minuten miteinander.

 

Eveline, Christian und Thomas waren wieder vorausgefahren um sich ein Bild von der Strecke zu machen. Diese sehr vielen Wellen waren auf dem Profil das wir vom Veranstalter bekommen hatten, nicht verzeichnet. Und so kam es dazu, dass Christian nach jedem Berg sagte, „das ist der letzte Berg“ „gleich habt ihr es geschafft“. Und wir versuchten jedes Mal zügig hinauf zu fahren. Und das kostete noch mehr Kraft. Frustration machte sich breit.

 

Zwischenzeitlich kam das Filmteam wieder zu uns. Was ich dort sagte, weiß ich heute nicht mehr. Das werde ich wohl erst beim betrachten des Films erfahren. Der letzte Stop war Jessheim, bei 497 Kilometern, 8 Grad um 1.00 Uhr Nachts.

 

Wir hatten jetzt keine Lust mehr, wollten endlich „nach Hause“, endlich ins Bett und uns nicht mehr bewegen müssen. Wir holten alle Reserven raus, gaben noch mal alles.

 

Die finalen 43 Kilometer, sind als großer Schmerz in Dunkelheit in mir gespeichert…in denen es nur aufmunternde und liebevolle Worte meiner Frau gab.

 

…nach dem wirklich letzten Berg über die E6, die zwischen zwei Bergkämmen hindurch führte, sollte Oslo liegen. Ich konnte nicht mehr denken, mein Kopf war leer, ausgepowert, ich war total platt geschossen. Meine Muskeln schmerzten, waren festgefahren, eigentlich bewegungsunfähig. Oder doch nicht?

 

Oben angekommen war es dann soweit. In der sich vor mir präsentierenden Senke, lag die wunderschön beleuchtete Weltstadt „Oslo“. Irgendwo dort unten war der Zielstrich, das endgültige Ende dieser Tortur.

 

Ein letztes Mal sagte ich zu Stefan, „bleib jetzt dran, da unten ist das Ziel! wir sind gleich da“…und ich dachte an meine Frau, an all die Menschen in meinem Freundeskreis, in meiner Umgebung, die ich Monate zuvor mit diesem Gefühl angesteckt hatte, die ich für diese Sache als Mitfiebernder oder als großzügigen Sponsor begeistern konnte. An die, die uns viel Glück und Kraft wünschten, uns ein Lächeln oder einen aufmunternden Spruch schenkten. Auch an jene, die es nicht glaubten, das es zu schaffen sei. 540 Kilometer mit dem Handbike fahren und dann auch noch ohne Schlaf?! „Du spinnst ja“ haben Sie gesagt…und?

 

Und an meine Athen Pleite, die mit diesem Sieg nun endgültig aus meinem Kopf gestrichen sein sollte. Und dann wieder an das warme Bett. Es war ein Sprudelbad der Gefühle und ich war total überwältigt. Wuste gar nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Einfach so kraftlos.

 

Wir ließen es rollen, 45 km/h Berg ab. Ein paar Mal rechts und links dann einmal rechts und das aufgeblasene Zieltor stand vor uns. Wir fuhren hindurch bekamen eine Medallie um den Hals und bewegten uns nicht mehr. Eine Zielfreude blieb zu diesem Zeitpunkt aus. Wir hatten einfach keine Kraft mehr und sollten uns eine Woche nach Zielankunft richtig freuen können.

 

Wir waren nach 30 Stunden, 30 Minuten und 36 Sekunden, 540 Kilometer, 4500 Höhenmeter durch Norwegen gefahren und waren jetzt 42,5 Stunden auf den Beinen.

 

Am Tag danach erwachten wir gegen 14.00 Uhr. Die Schmerzen in meinen Armen und Schultern erinnerten mich sofort an die vollbrache Leistung und ich war stolz auf uns alle, das wir die große Kraftprobe bestanden hatten und als kleine Helden heimkehrten.

 

Florian Sitzmann, 2006

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