25 Jahre Marathon Heil & Wiedkamp

1984 lernten wir uns beim Berlin Marathon kennen. Michael Heil und Peter Wiedkamp, beide schon seit mehr als 25 Jahren im Rollstuhlsport, damals vor allem in der Leichtathletik zuhause, wollten einfach auch einmal das besondere Feeling erleben, was es heißt, als Sprinter oder Werfer die Marathonstrecke zu bewältigen. Damals waren die Bedingungen aber ganz andere. Die Rennrollstühle würden heute den Begriff nicht verdienen und trotzdem waren sie dem technischen Stand der Zeit entsprechend. Die Lenkräder 16 Zoll groß und mit einer Querstange miteinander verbunden, um zu verhindern, dass sie ab 10 km/h anfangen zu flattern. Die Greifreifen mit dicken Wasserschlauchgummis überzogen, die Beine nach vorne gestellt und die Handschuhtechnik musste erst noch erfunden werden. Der Stuhl wog dann auch ca. 12 kg und war natürlich – aus Stahl.

Heinz Frei kloppte sich damals schon mit Marklein, Foppe, Geider, Gregor Golombeck und mit den Schweden, Dänen und Franzosen. Heini Köberle war schon der deutsche Marathonkönig bei den Teddys, allerdings gehörte die absolute Krone noch einem Schweden namens Jan Owe Mattson, später sollte der dann auch das Rollstuhlrugby bei den Schweden dominieren.

Es regnete 1984, auch noch saukalt dazu und etliche hatten nur schmale Trägerhemdchen an. So z.B. auch Hermann Nortmann, der dann auch später wegen Unterkühlung aufgeben musste, wie etliche andere auch. Kein Wunder, die Bestzeit war damals noch bei 2.05 Std. und die Anfänger wie wir hatten da noch 15 km vor uns. Als Novize wusste ich noch nicht, wie ich mir ein Rennen einteilen sollte, Regen auf den Gummigreifreifen führte unweigerlich zu einer einzigen Rutschpartie auf dem Gummi, an Grip nicht zu denken. Wie wenn man einen 5000 m Lauf mit Schuhen auf der Eisbahn absolvieren sollte. Aber je länger es nass war, die Fontänen der Vorderleute und der Regen von oben die Handschuhe durchweichte, desto besser griff endlich auch der Tape auf den Langlaufhandschuhen. Aber da hatte man schon 30 min verplempert und war schon arg von der Kälte angegriffen.

Aber wir wollten auf keinen Fall aufgeben. Unseren ersten Marathon wegen dem sch…. Wetter nicht zu Ende fahren? Das kam gar nicht in Frage. Und so näherten wir uns dem Ziel. Das ist wohl so richtig beschrieben. Schnell wars nicht. Aber als mich etwa 2 km vor dem Ziel ein etwas Übergewichtiger mit einer seltsamen Technik überholte, versuchte ich dann doch noch die steifen und müden Arme zu motivieren, noch einen Zahn zuzulegen. 5 mal in den Gummi hauen und dann ne Pause einlegen. Das sah nicht sehr effektiv aus. Aber immerhin hat der mich grade überholt. So hängte ich mich in seinen großzügigen Windschatten um festzustellen, das machte keinen Sinn, der bringt mich ja völlig aus dem Rhythmus. Dann eben wieder raus und so konnte ich in seinen Pausen wieder Boden gut machen. Der Endspurt, der eigentlich keiner mehr war, weil wir kaum noch die Arme hoch bekamen, war denn auch ganz knapp zu meinen Gunsten. Ich hatte meine erstes Einlauffinish gewonnen. Unsere Zeit: 2.41 Std. Gott!!!

Am 19.09.2009, also 25 Jahre danach und etliche Marathons später sollten die beiden Kontrahenten, die mittlerweile die besten Freunde geworden sind, diesen Marathon noch einmal gemeinsam erleben. Diesmal nicht als Konkurrenten, dazu waren die Voraussetzungen denn doch zu unterschiedlich, aber dafür mit einem besonderen Gefühl der Befriedigung, noch mit Ende 40 fit und ehrgeizig genug zu sein, zumindest eine Bestzeit zu schaffen. Und so fuhren wir beide, Peter und ich, über den Kudamm, Unter den Linden, dem Reichstagsgebäude vorbei, den verschiedenen Stadtbezirken durch zurück zum Brandenburger Tor. Erstmals erlebten wir den Marathon weniger als Wettkampf, dafür rückten die Eindrücke neben der Rennstrecke mehr ins Bewußtsein. Die vielen Musikgruppen, Mädels, die als Cheerleaders die Läufer oder Fahrer anfeuerten, viele Helfer mit Wasser und Bananen, und die vielen Cafe´s, die wir noch nicht kannten und einen späteren Besuch lohnenswert erscheinen ließen.

Mit der Fahne in der Hand und einarmig reingekurbelt, die Zeit vergessend und die Tribünenaufmerksamkeit für uns alleine rollten wir durchs Tor, das so viel Geschichte schrieb und auch unsere eigene in sich tragen sollte. Wunderbar. Unsere gemeinsame Zeit denn auch eine Bestzeit für Peter und Motivation, sie weiter zu steigern: 1.33 Std. Wären wir durchfahren, hätten wir vielleicht die 1.30 Std. geknackt. Aber so war es viel schöner. Peter, es hat Spaß gemacht. Hoffentlich wieder.

Über den Autor

David Stähle

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