Otto Bock Rolli-Kids-Trophy 2009

Tag 1

Das Abenteuer fing eigentlich schon 2 Tage vor der Trophy an. Der Anhänger, schon zur Hälfte beladen, stand bei Rehability im Hof. Doch bei der kleinen Probefahrt stellte sich heraus, dass die Bremslichter nicht taten. Zum Glück gibt`s gelbe Engel, die Freitag abends nach solch einem Problem schauen. Aber der Engel war auch etwas ratlos. Kontaktspray, Verteilerbuchsensicherungen, Kabelkontakte, alles schien in Ordnung. Doch da war so ein Adapterstecker, den der Engel einfach mal so aus seinem Köfferchen zog und probieren wollte – und es ward Bremslicht. Leider wollte der Engel sein himmlisches Steckerchen uns nicht überlassen, aber Öffnungszeiten sei Dank, in Weinheim um 21.00 Uhr einen Anhängerkupplungsstecker zu kaufen, ist ja mit etwas Glück von oben kein Problem.Dass besagter Stecker später auch im Türfach des Busses zu finden war, bleibe wohl besser unerwähnt. Naja- 2 können sicher nicht schaden.

Am Sonntag konnte es dann so richtig losgehen. Pünktlich um 8.00 Uhr morgens waren alle in Weinheim und die große Tour konnte beginnen. 3 Rolli-Kids, 4 Fußgänger-Kids und 6 Betreuer (im folgenden nur noch als Maskottchen bezeichnet) fuhren gen Süden, wohin die restlichen Trophy-Teilnehmer direkt gebracht wurden.

Zum ersten Mal unter den Maskottchen auch Conny, eine Berufsfeuerwehrfrau – ein Omen?

Bei Pforzheim war dann klar, was anfänglich als leichter Schmorgeruch nur von erfahrenen Nasen wahrgenommen wurde, entwickelte sich rasch zu einer überaus deutlichen Beeinträchtigung des Geruchssinnes bis unter dem Sitz der Feuerwehrfrau die Diagnose zu Tage kam: Rauchentwicklung im Fahrzeug. Wo`s schmort und qualmt, da kann es brennen, also stoppte hier erst einmal die Fahrt. Und wieder wurde ein gelber Engel alarmiert, der zum Glück schon wie von himmlischen Kräften geschickt am Parkplatz stand. Doch außer teuflischer Hitze konnte auch der Engel nichts erkennen. Und wo Engel hilflos, da müssen höhere Wesen ans Werk: Das VW-Sonder-Sonntags-Einsatz-Kommando.

In der Werkstatt angekommen musste der Patient (=Bus) erst mal auf die Hebebühne, und weil`s schneller und bequemer, natürlich gleich mit allen Kids. Ein wenig Freude darf ja schon sein bei solch einem verpatzten Start sein. Doch auch diese Diagnose ließ keine schnelle Medikation und Heilung zu: zu starke Hitzeentwicklung mit Rauchausstoß machen eine Weiterfahrt nicht ratsam.

Die Autovermietung am Stuttgarter Flughafen wird wohl lange über den Witz lachen, dass da eine Truppe mal eben sofort einen 7-Sitzer mit Anhängerkupplung benötigt: „…und wenn Sie uns das Fahrzeug nach Pforzheim bringen könnten…“ Niederschreiben der Antwort erübrigt sich.

Die letzte Rettung war Anja – Mitarbeiterin von Rehability und privat im Besitz eines 7-sitzigen VW-Busses mit Anhängerkupplung, da mit eigenen Pferden so was ja nötig. Jule startete das Gespräch mit der blumigen Beschreibung der wohl von der Unterwelt geschickten viel zu großen Hitze unter dem Auto, die auch Engel nicht in den Griff bekämen… „ Du willst über mein Auto reden?“, unterbricht Anja geistesklar. Das Schlucken muss sie in der Leitung hören: „Nun ja,…“ Und da stellt sich heraus, wo die wahren Engel sind, denn Anja stimmt zu, ihr privates Auto den Kids mit auf die Trophy zu schicken. Nach 1,5 Stunden war der himmlische Bus in Pforzheim und konnte gegen den teuflischen Qualmer getauscht werden.

Noch Stunden später ruft der VW-Werkstatt-Engel an und erkundigt sich besorgt, ob alles gut ist und die Tour weitergeht. Mit soviel Widerstand der Schatzgeister hätte ja auch wirklich keiner gerechnet. Das verlangt ja schon einiges im Voraus.

Tag 2 – Abenteuerwaldgefahren

OttoBockRolliKidsTrophy2009_2OttoBockRolliKidsTrophy2009_3Die Verantwortung über das Wetter wurde kompromisslos und vollständig an Bergführer Pauli übertragen. Und der erstickte jeden kleinsten Wolkenanflug im Keim, so dass gleich der erste Tag bei strahlendem Sonnenschein die Schatzsucher in Teams in den Wald lockte. Die Schlachtrufe der „Dachsteinmafia“ und der „Allstar-Racers“ schallten durchs Unterholz. Bei den rasenden Rollis gab`s vor lauter Enthusiasmus gleich einen Radbruch. So über Stock und Stein, auf und ab, das war wirklich nicht so leicht, zumal alle Kids diesen Abenteuerwald im Rolli durchqueren mussten. 25 Rollis kämpften sich über Wurzeln und Steine und kaum ein Fuß berührte den Boden. Nach einem Zwischensnack wartete die nächste Herausforderung. Mit Helm und Gurt musste die Traun überwunden werden. Gegenseitig Mut zusprechend zogen sich die Teams mit dem Flying Fox über die reißenden Fluten.

 

Der Magen hing tief, als die erste Truppe auf der Koppenalm ankam. Doch statt einem gedeckten Tisch hatten die Schatzgeister nur ein Lawinen-Verschütteten-Suchgerät hinterlassen, das zu den verstecken Lunchpaketen führte.

Nach ausgiebiger Rast warteten die Fahrräder und Handbikes auf die Schatzsucher und fröhlich radelte die ganze Truppe zurück.

 

Tag 3 – Tipitonnenfloßgeplansche

OttoBockRolliKidsTrophy2009_4Eigentlich sollte es Regen geben an diesem so sonnenwichtigen Tag. Schließlich wollten wir den ganzen Tag am See verbringen, Indianer-Tipis aufbauen und dort übernachten. Pauli musste die ganze Nacht gegen die Regengeister gekämpft haben, denn der letzte Regentropfen fiel bei Sonnenaufgang.

 

Mit Handbike und Fahrrad ging es zum See, und dort wartete nicht nur die Aufgabe für die All-Star-Racer und das komplett weibliche Team der Rolli-Flitzer, ein 5,5 Meter großes Tipi aufzustellen, sondern die rasenden Rollis mussten Schutzdämone basteln und die Mafiosis sollten aus 25 leeren Kanistern , Latten und Schnur ein seetaugliches Floß bauen. Durch David war die Knotentechnik optimal besetzt, denn was Seilbasteleien, Flaschenzüge und Seiltechnik angeht, ist er unschlagbar. Erstaunlich nur, dass am Abend vorher die Maskottchen viel länger diskutiert hatten, wie viele Kanister wie zusammen zu schnüren sind und wie viele Latten in welchem Winkel das Auseinanderrutschen der Kanister verhindern würden. Große erstaunte Augen, ein offener Mund, das Schlucken und Kopf-Schütteln machten in Paulis Gesicht dann einem fassungslosen Lächeln Platz, als Jule locker erklärt, dass das freilich noch niemals vorher wirklich erprobt wurde. Schließlich sind wir ja hier auf Abenteuerkurs und die Kids OttoBockRolliKidsTrophy2009_5dürfen die Floßpremiere schon selbst übernehmen. Uns wenn`s nicht hält – alle haben Neoprenanzüge und Schwimmwesten an, also kein Problem. Die Neoprens waren dann doch für den einen oder anderen ein größeres Problem, denn als Rolli-Kid in einen hautengen Anzug „gefüllt“ zu werden, ist doch eine wahre Herausforderung.

 

Alle Floßbedenken waren weit gefehlt, denn die „BLACK PEARL“ entpuppte sich als nahezu hochseetauglich, und nach der Taufe stiegen alle 6 Mafiosis + 3 Maskottchen zur Jungfernfahrt auf.

 

Nach viel Floß- und Badespaß schlägt der Hunger ein und Pauli wird zum Grillmeister ernannt, während die Rolli-Flitzer sich noch beim Stockbrotteigkneten die harzigen Finger vom Tipi-Bau reinigen – beinahe!! Gefahr erkannt – Gefahr gebannt – wenn was auf dieser Tour ausreichend immer dabei ist, dann Feuchttücher und Händedesinfektion und schnell gibs`s noch eine kleine Lektion in der chirurgischen OttoBockRolliKidsTrophy2009_6Händereinigung.

Bevor Pauli zur Grillzange greift wehrt er noch lässig eine kleine Haufenwolke ab, die mit einer Windboe daherkommt und sich wohl zu einem Gewitter aufbäumen wollte.Die Tipis können mit Schlafsack und Isomatte eingerichtet werden, dem nächtlichen Abenteuer am See steht nichts mehr im Wege.

 

OttoBockRolliKidsTrophy2009_7Aber was kann einen hartgesottenen und kampferprobten Bergführer so wirklich aus der Fassung bringen? Wenn 25 hungrige Schatzsucher ihre Stockbrotstecken immer wieder über die zu drehenden Steaks halten. Kaum die Wurst mit der Zange gehoben – Schwups – hängt ein Stockbrot im Weg. In einer Kampfpause überlässt Pauli den weiblichen Maskottchen den Grill, um die immer noch hungrig nach Wurst und Steaks rufenden Abenteurer satt zu bekommen. Entzündet haben die Schatzsucher das Feuer übrigens ganz alleine und das nur mit einem Funkenstein, Blättern und etwas Puste. Wie wir fachmännisch gelernt haben : Initialzündung, Brenngut, Sauerstoff – das reicht.

Doch Feuerwehrmaskottchen Conny bemüht sich vergeblich in Paulis Grillpause um den Erhalt der Glut. Jule wendet hektisch die Würste im Qualm. Dass dieses Feuer jetzt ausgeht, das darf nicht sein – diese Blöße will man sich wirklich nicht geben. Also Rollentausch: nach 2-3 maligem Blasen von Jule züngeln die ersten Flammen wieder empor – man hätte ja auch wahrlich wissen können, dass eine Feuerwehrfrau wohl zu viel CO2 in der Puste hat.

 

Da bei den Trophy-Kids dieses Jahr eine männliche Überzahl herrscht, müssen ein paar Jungs sogar in Kuppelzelte ausquartiert werden, während die 10 Mädels im „Frauen-Tipi“ geräumig schlafen können.

Die Maskottchen finden spät in der Nacht noch wie die 7 Zwerge im Hänger in Reih und Glied ein Schlafplätzchen.

 

 

Tag 4 – Gondelgaudihüttenfreude

OttoBockRolliKidsTrophy2009_10Tautropfen glänzen im Sonnenlicht auf der Wiese, der See ist glasklar und spiegelt die von der Morgensonne beschienenen Berge wider. In den Zelten raschelt´s leise und jeder schält sich aus dem Schlafsack. Die frische Luft macht munter und so geht´s gleich auf und hinter die Bikes zum Frühstück. Bevor es jedoch am Mittag von ganz unten nach ganz oben geht, ist ausführliche Körperreinigung geboten und erst nach der Schnüffelprobe dürfen alle zur Gondel starten. Traditionell laut singend geht es 1500 Meter aufwärts, wo eine Traumaussicht auf den Hallstädter Gletscher mit dem Dachstein bei gleißendem Sonnenschein wartet. Eine kleine Stärkung auf der Lodge – ebenfalls traditionsgemäß Kaiserschmarrn- sollte uns empfangen. Leider wegen vieler Tagesgäste kein Schmarrn möglich – so ein Schmarrn aber auch. Stattdessen gibt´s bei heißem Wetter für alle schöne Nudelsuppe. Wahrlich vielleicht nicht die beste Idee, wenn man bedenkt, dass so manches Rolli-Kid ja auch mal ein bisschen Schwierigkeiten in der Feinmotorik der Hände haben könnte. Peinlich berührt windet sich Jule mit der eigenen Suppenschüssel durch die tapfer schlürfenden Kids.

 

Ohne Murren wird jede schlüpfrige Nudel geduldig aus der Schüssel geangelt.

Doch die Schatzgeister haben noch eine harte Probefahrt mit den Paramounties, den Berg-Bobs, auf das Programm gestellt. Jedes Rolli-Kid sitzt bald in seinem Trekking-Gefährt, da werden Neoprengurte zu gezurrt, Polster verklebt, Beine und Füße fest getaped, so dass jeder ohne Druckstelle und Verletzung durchs Geröll und über die Felsen kommt.

 

OttoBockRolliKidsTrophy2009_11OttoBockRolliKidsTrophy2009_12Sinne schärfen, Natur erleben heißt es heute. Zuerst müssen die Himmelsrichtungen gepeilt und mit Kompass ermittelt werden, wohin die Route läuft. Dann geht´s los. Das steile Geröll lässt die Fußgänger-Kids wie auf Rollsplit zuweilen ganz schön ins Schlingern kommen. Kommunikation und Teamarbeit sind jetzt gefragt. Ein solches Zusammenspiel wäre vor 2 Tagen noch nicht denkbar gewesen. 500 Meter Luftlinie sind abzuschätzen, gar nicht so leicht, vor allem wenn´s steil bergab geht. Dann bekommt jedes Team noch eine Tüte und soll diese mit 1,5 kg Steinen füllen. Oje, da ist von 950 g bis 2030 g alles dabei. Wann hat hier jemand zuletzt für Mutti einen Liter Milch gekauft? Zu guter Letzt kommt der Riechsinn: Glucose liegt in der Luft und da das Orten mit degenerierten Näschen kaum möglich ist, ist wohl Ausschwärmen die beste Wahl, um den Gummibärchen-Snack zu finden.

Auffi geht´s wieder zur Hütte, wo der Kohlenhydratspeicher mit Spaghetti gefüllt wird. Das Abendprogramm gestaltet sich als phantastisches interaktives Theater. Theaterpädagogin Sonja hat´s raus, Schatzsucher zu spielenden Bäumen, Jägern, Steinen zu machen. Das „Happy End“, bei dem Jakob die holde Maid Lena vor dem Ding von Obertraun rettet, schließt den Abend. Und fast wären alle ganz brav ins Bett, wenn Maskottchen Denny den armen Dominik nicht einfach ins Mädchenzimmer geschoben hätte (natürlich mit Stufe!). – Kreisch – „ was machst Du denn hier?“ Domme: „ na ich soll hier schlafen (grinst sich eins)“ – nein , nein, das Mädchenzimmer ist besetzt und Dominik muss eine Tür weiter.

 

Tag 5 – Unheimliches Bergsonnennachtgeknister

OttoBockRolliKidsTrophy2009_13Wer würde ahnen, was bei diesem sonnigen und friedvollen Bergmorgen noch so alles lauern könnte an diesem Tag? Eine fröhliche Bergtour zu den „Five-Fingers“ steht auf dem Plan. Auf der gläsernen Aussichtplattform kann man hunderte Meter in die Tiefe schauen, doch das sollte nicht die größte Herausforderung an diesem Tage bleiben. Aber alle sind noch fröhlich und guter Dinge, die Gruppen haben ihre einzelnen Schatzaufgaben bereits erhalten – Die Rolli-Flitzer müssen für den letzten Abend eine Tanz- Jonglier-Show auf die Beine und Räder bringen, während andere sich an einer Luftballon-Kollage schon das Hirn zermarten. Oder gar die rasenden Rollis, die einen Krimi schreiben und aufführen müssen, Kostüme und Requisiten wurden gestellt, aber wie soll denn eine Schwimmflosse darin vorkommen? Und was hat es mit der Schatzkarte der Dachstein-Mafiosis auf sich? Viel Zeit zum Grübeln gibt´s bei der Bergtour nicht, denn hier müssen alle nochmal schwer zusammen arbeiten.

 

Und endlich wieder auf der Hütte gibt´s doch noch den ersehnten Kaiserschmarrn, bevor es mit der Gondel wieder talwärts geht. Puh – diese Temperaturen hat es in Obertraun vermutlich auch selten bisher gegeben. Heiße Luft schlägt allen entgegen, als sie aus der Gondel steigen. Pauli hat sich wahrlich angestrengt – aber wer will sich denn schon beschweren, zumal es im Sportzentrum ja einen Swimming-Pool gibt.

 

OttoBockRolliKidsTrophy2009_14Allmählich ist auch ausgiebigeres Freizeitprogramm angesagt. Nachdem die ersten Tage eher voll gepackt sind mit Team-Aufgaben und Programm, um ein bisschen Gruppenzwang auch zu erreichen, können die Zügel nun auch lockerer gelassen werden. „Ihr könnt die nächsten zwei Stunden machen was Ihr wollt,“ Schwimmbetreuung und Toben im Wasser ist durch die Maskottchen gesichert. Aber das Gruppengefühl hat um sich gegriffen und die Kids kommen sogar teamweise zum Schwimmen. Außerdem gibt´s dann so Fragen: „Dürfen wir in unserem Team für die Schatzaufgabe proben?“ Mannomann – wer hätte das gedacht. Doch dieser Tag wird dem einen oder anderen das Lächeln noch nehmen. Denn so ganz geklärt ist das mit der Mafiosi-Schatzkarte ja noch nicht.

 

Am Abend berät der Schatzrat wieder mal die Punkte-Verteilung und der zu anfangs so hässliche „Dachstein“, der wie ein Pappmachee-Gespenst da stand, ist mittlerweile mit Gipfelkreuz, Hütten, Kletterrouten, Flüssen Aussichtstürmen etc. geschmückt. Das gibt mächtig Punkte… Nach solch einem Tag ist heute mal früher Bettruhe – „9.00 Uhr ab in die Flohkiste – und zwar zack-zack!“ Und da macht sich doch laut mal so richtig Widerstand breit. Der friedvolle Nicolas protestiert laut und nach bundestagstauglicher Debatte werden entscheidende Kompromisse gemacht: 5 Minuten nach 9.Uhr kommt Paula zum Gute-Nacht-Sagen.. jaja.. Wir haben auch eine Paula. Die Handpuppe, die auf keiner Trophy fehlen darf und immer für viel Freude und Lacher sorgt. Paula hat schnell die Herzen der Kleinen und Großen erobert, und abends erzählt sie den Jüngeren noch so manche Geschichte…

Die Mafiosis, die alle ein wenig älter sind, müssen allerdings nochmals ran: Ihr geht nach Eurer Schatzkarte (die wurde nur ein klein wenig verändert von den Maskottchen), ab in Richtung Wald.

 

OttoBockRolliKidsTrophy2009_15Um 21.30 Uhr bei stockfinsterer Nacht geht es los – und diesmal gibt´s keine Maskottchen-Begleitung. Mutig gehen die 6 Schatzsucher in den Wald, finden dort aber nur ein kleines Windlicht und einen Brief mit Worten, die wohl auch jedem Erwachsenen das Blut in den Adern stocken lassen. Ab hier geht Ihr alleine weiter – und zwar im Abstand von 3 Minuten….“Nein, das kann doch nicht der Ernst sein“. „ wer macht das schon“ „Ich geh da nicht weiter“. Gegenseitig Mut zusprechend, dabei selbst in der Hoffnung, Mut zu finden wird überlegt, wie man mit den 2 Fackeln ein gefahrloses Weitergehen ermöglichen kann. Die 2 Rollis bräuchten die Fackeln, aber wie halten und vor allem sollte doch wohl einer zu Fuß voraus, oder? Was haben die Maskottchen sich ausgedacht? Wartet da etwas auf dem Weg? – Oder sollen einfach alle wieder umdrehen. – Nein, wir schaffen das, wenn etwas passiert, soll derjenige einfach laut rufen – die anderen müssen´s ja hören. Irgendwann steht die Entscheidung – die Mafiosis nehmen es mit der eigenen Angst auf. Und wer glaubt, das sei ja wohl kein Problem, der stelle sich einen Wald vor, in einer mondlosen Nacht, wo es keine Großstädte gibt, die den Himmel erleuchten. Es ist so kuhnacht, dass man ohne Kerze die Füße nicht mehr sieht!

 

 

Fußgänger Simon geht mit Fackel voraus – kein Problem, denn gemeine Hindernisse sind nicht eingebaut. Dominik hat´s da schwer genug, denn es war klar, dass er die andere Lichtquelle bekommen soll, hat er doch sogar einen elektrisch angetriebenen Rolli, der nun wirklich nicht vom Weg abkommen sollte. Mit vereinter Hilfe finden alle eine Handhaltung, wie Fackel und Joystick zu halten sind und mit aufmunternden Worten wird Dominik auf den Weg geschickt. Die anderen meistern den Weg tadellos, Benno gesteht später, dass er wirklich den Weg kaum gesehen hat, dieser aber seitlich rechts und links etwas abfällt. Das hat er im Rollstuhl wahrgenommen und sich immer darauf konzentriert, schön in der Mitte zu bleiben. Jakob schleicht so leise über den Weg, dass man ihn kaum hört, während manch anderer laut die Angst mit Worten bekämpft „ich habe keine Angst, hier ist nichts…“

Selbstverständlich sind die Mafiosis unter ständiger Beobachtung, denn im Wald sitzen die Maskottchen und können jederzeit Hilfestellung leisten.

 

Unklar nur, wer da weniger Muffensausen hat, denn es ist kein Problem, mit der Stirnlampe in den Wald zu gehen und mit dem starken Bergführer im Dunkeln einen Platz hinterm Baum zu suchen. Aber dann allein gelassen zu werden, Lampe aus und absolute Finsternis erleben, das ist auch für ein Maskottchen hart an der Grenze. Was tun wir den armen Kids nur an. Aber die sind nach der Tour, wo sie alle am Ende einen kleinen Nachtsnack finden derart stolz und aufgekratzt, Angstüberwindung, gegenseitiges Beistehen, gemeinsamer Erfolg, das schweißt derart zusammen und lässt den Adrenalinspiegel steigen. Die Maskottchen sind jedenfalls mächtig stolz auf die Jungs und denken insgeheim – „ich hätt`s nicht gemacht…“ Jule hatte noch eine kleine besondere Tortur erlebt, die zwar wenigstens das Muffensausen eindämmte, aber andere Pein auf den Plan zog. Just als Simon den Weg unterhalb entlang kam, spürte Jule ein kleinen Zwicken hinten in der Hose, – nur nicht bewegen, keinen Laut machen. Einfach ein bisschen jucken – das wird ein kleiner Faden sein. Oje, jetzt piekt`s tiefer und mehr und autsch – es brennt -nicht bewegen! keinen Laut machen! Da keine Brennnessel in der Nähe ist, wird schnell klar: sollte es hier nicht irgendeinen Giftstaub in der Luft haben, ist es wohl nahe liegend, dass sich die eine oder andere Waldameise gestört fühlte. Au backe – die Höllenqualen nehmen ihren Lauf und bis der oder die Übeltäter gefunden und erlegt sind, richten sie mächtig Schaden an. Die Kids berichten noch euphorisch von ihrer Angst-Überwindung, während Jule mit Kühlkompressen und Fenistil vor einem allergischen Schock bewahrt wird. Nein, ganz so schlimm war´s nicht, aber die Folgen sind noch einige Zeit spürbar…

Tag 6 – Höhlengollumschlammgekrabbel

OttoBockRolliKidsTrophy2009_16Früh ruft die Koppenbrüller Höhle die Trophy-Schar in ihre Tiefen. Trotz des schönen Wetters machen sich alle startklar für die Stunden unter Tage. Overall, Gurt und Helm und für die Rolli-Kids noch spezielle Popo-Kissen, die direkt an den Allerwertesten geschnallt werden. Denn das Ziel heute ist wohl kaum für den Rollstuhl geeignet und da hilft nur – Po schützen und runter auf den Boden. Aber zuerst geht es in geübter Teamarbeit viele Treppen auf und nieder. Über uns 1000 Meter Stein, schon eine beklemmende Vorstellung. Und während die Touristen den betonierten Weg weitergehen, müssen die Trophy-Kids ab in die Tiefe. Dort unten lauert in einem Schacht das Höhlenmonster Gollum und grummelt und brabbelt vor sich hin. Doch nach den Erlebnissen der letzten Tage hat hier keiner mehr Angst und da kommen eher Ideen auf, das Wohnzimmer von Gollum mit Dynamit zu füllen. Aber um da erst mal hin zu kommen, steht das Abseilen auf dem Plan. Unten angekommen wartet auf die Teams schon die nächste Aufgabe, direkt von Gollum. Eine Höhlenmalerei soll jedes Team abliefern. Gemalt natürlich nur mit den Fingern.

 

 

Einige Kids erinnern sich noch an das letzte Jahr und suchen den Ureinwohner der Höhle: Acteophoenixangelopenis maixner.- der augenlose Höhlenkäfer. Aber auch dies Jahr lässt sich dieser nicht sehen.

 

OttoBockRolliKidsTrophy2009_17Nach getaner Aufgabe geht´s – schwupp-di-wupp, da wird nach oben schon der nächste raufgezogen. Wer´s nicht ganz so gut alleine im Gurt am Seil aushält, darf eine Tandemfahrt mit Jule machen, sehr zum Leidwesen von Pauli, der oben am Flaschenzug schon ein wenig ins Schwitzen gerät, und das bei 5 ° Höhlentemperatur.

Und dabei verliert Pauli wohl zu viel Kraft, denn bei der gemütlichen Radl-Tour nach Hause fängt es doch tatsächlich zu grummeln an, aber diesmal am Himmel. Die Kräfte reichen wohl nicht mehr für einen sonnigen Nachmittag am Pool. Ein wenig mehr Druck in die Pedale muss schon sein, damit keiner nass wird und wie auf die Minute schaffen es alle trocken ins Sportzentrum. Die Teams haben noch etwas Zeit fürs Proben,denn beim „Bunten Abend“ steht ja noch der Krimi und die Jonglage-Show aus.

Doch der „bunte Abend“ entpuppt sich diesmal für die Maskottchen als gar nicht so einfach. Wie immer müssen an diesem letzten Abend auch die Eltern, die teilweise ja auch mit durften, beim Tagesprogramm aber nicht dabei sind, ein wenig Programm inszenieren, und die haben sich mal was ganz Fieses ausgedacht. Die Kids dürfen sich als Zuschauer amüsieren und genießen, während die Maskottchen in zwei Gruppen aufgeteilt werden und tatsächlich gegeneinander antreten müssen. Nach all der Spiele-Erfinderei dieser Woche wird der Spieß nun grausam umgedreht. Pauli wird als Joker eingesetzt und kann von beiden Teams „benutzt“ werden. Und das ist beim Dachstein-Kiesel-Weitspucken schon dringend nötig. Andrea hätte das Steinchen ja fast verschluckt, bevor es in hohem Bogen durch die Luft saust.

 

Als nächstes dürfen die Maskottchen beim Traunwasser-Gurgelsong sich mal so richtig einsabbern. Aber der Kühlschrank-Zwerg-Song, der schon Tradition bei der Kids-Trophy hat, wird von den Schatzsuchern erkannt. Na – klar mit so ein bisschen Wasser im Mund kann man doch perfekt Töne gurgeln und dazu noch tanzen, bis irgendwer zu lachen anfängt, natürlich aus dem Zuschauerbereich, denn dort herrscht Stimmung ohne Ende. Tja und beim Lachen war´s das dann mit Gurgeln. Hustend, spuckend und prustend endet auch dieser Kontest. Aber es geht sportlich weiter mit Armdrücken – au Backe. Andrea wird mental trainiert mit dem Mantra: „das ist Pauli`s rechter Arm – das ist Pauli`s rechter Arm…“ gemeint ist natürlich ihr eigener, der gegenüber dem Feuerwehrfrauenarm wohl sonst kaum eine Chance haben würde. Später wird versucht, Pauli-Joker, der leider für die gegnerische Mannschaft antritt, in gleichem Maße zu schwächen: „Pauli, das ist Jules rechter Arm (und nicht etwa Deiner)“. Leider mit wenig Erfolg. Mit ganz knappem Punkte-Vorsprung siegen die Yoghurt-Quark-Nascher und der Abend kann endlich dem Hauptziel zustreben: der Plünderung des ominösen Schatzes von Obertraun. In der Schatztruhe befindet sich ein riesiger Kuchen, darauf direkt das Gruppenbild vom See. Mit Tanzen und Essen klingt der Tag schön aus und die gelungene Woche geht nun dem Ende zu. Denn am nächsten Morgen heißt es nach dem Frühstück noch aufräumen, packen und abfahren. Dicke Kullertränen rollen beim Abschied und nicht nur die Kids sind nahe ans Wasser gebaut, alle fahren mit wundervollen Erinnerungen nach Hause, mit dem Wunsch, die Woche möge nochmals von vorn losgehen oder zumindest möge es bald wieder eine Kids-Trophy geben. Und entgegen ihrem ursprünglichen Vorhaben, dass dies wohl erst mal die letzte Trophy sei, kann auch Jule nicht umhin und muss dies wohl verwerfen. Also freuen wir uns aufs nächste Jahr.

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Über den Autor

David Stähle

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