Erfahrungsbericht: Rollstuhltrainingskurs für Erwachsene

Wenn ihr glaubt, ich hätte mich am Anfang so unbehend angestellt, um nach eurer Aufmerksamkeit zu heischen, so darf ich euch sagen, dass es nicht meinem Ego entspricht, mit mangelnder Leistungsfähigkeit aufzufallen. Vielmehr habe ich mich den Folgen und Tücken einer mir nahezu unbekannten Fortbewegungsart gebeugt und selbst verzweifelt festgestellt, was es heißt einen Aktivrollstuhl aktiv zu bewegen. Dass alle Teilnehmer mir in dieser Hinsicht meilenweit voraus waren und sind, und ihr beiden das Gerät geradezu akrobatisch beherrscht, trug natürlich auch nicht dazu bei, mein ansonsten sehr ausgeprägtes Selbstbewusstsein zu übermütigen Freudensprüngen anfeuern zu können.

 

So waren die ersten Stunden am Freitag für mich nicht gerade dazu geeignet, die ehemals selbst getroffene Entscheidung zur Teilnahme überzeugend zu bestätigen.

 

Aber im Verlaufe des Nachmittags fiel sogar mir auf, dass es in eurem Event nicht darum ging positiv zu punkten, sondern dass ihr in eurer lobenswerten Art sehr darauf geachtet habt, jeden dort abzuholen, wo er/sie eingestuft werden konnte. Eure aufmerksame Hilfestellung und eure einfühlsame Ansprache vermittelte – zumindest mir – das Gefühl dann doch gut “aufgehoben” zu sein.

 

Als man mir dann sicherlich angesehen hat wie ich mich beim Kippe(l)n anstellte, hat sich Anja sehr bemüht mir wieder ein bisschen Mut zuzusprechen, was dann auch zu einem Teilerfolg führte. Ich kam zumindest mit den Vorderrädern auf die Matte. Sicher war es meiner leider lädierten Sprache zuzuschreiben, dass es recht lange dauerte bis ich klar machen konnte, warum ich nicht vollständig auf die Matte kam. Ein überstehendes Plastikteil an der Fußraste war die Spaßbremse. Als dieses Hindernis beseitigt war, ging’s dann leicht aufwärts. Selbst auf der hölzernen “Himmelsleiter” konnte ich dann – dank Anjas Hilfe – erfolgreich 2 Stufen bewältigen und den vorgesehenen “Kreislauf” mehrfach erfolgreich absolvieren.

 

So ging’s Schrittchen für Schrittchen weiter bergauf, was mich animierte abends in der ausgesprochen fröhlichen Runde mehrere Gläschen von dem ausgezeichneten Rotwein als Grundlage einer ausgeprägten Bettschwere in mich reinzuschlürfen.

 

Wie von Thomas angekündigt, war der Freitag nur das Vorspiel für die Höhepunkte des nächsten Tages. Und von denen gab’s dann genug: Die steile Rampe zwischen den Häusern auf zwei Rädern für Experten, dann vier Stufen runter und rauf – auch für Ängstliche wie mich. Die nachhaltige Überredungskunst von Anja kann ich nur bewundern. Sie schaffte es mich, der ich als ziemlich risikogebremster Zeitgenosse eingestuft werde, vom Mitmachen zu überzeugen.

 

Nachmittags dann die Waage mit der aufschreckenden Erkenntnis eines hohen Gesamtgewichtes, das mich endlich mal an die Spitze der Wertungsskala aller Beteiligten brachte.

Die alle begeisternde Volleyballschlacht, parallel dazu meine Wurfübungen und dann abends der freie Tanz im Rollstuhl zu heißen Rhythmen aus einem bassgewaltigen Tonerzeuger.

Meine Spaßobergrenze erreichte ich dann am Kletterseil – nein, nicht mit dem Rollstuhl aufwärts – sondern im Kreislauf ohne den geringsten Respekt vor einem möglicherweise folgenschweren “Schleudergang”.

 

Der Ausklang des Abend war dann wieder von sehr guter Stimmung und von köstlichem Wein und Salzgebäck geprägt. Einfach toll wie ihr, Anja und Thomas, die abgekämpften Rollstuhlfahrer und Fußgänger sowohl tagsüber als auch abends begeistern konntet mit Freude bist spät in die Nacht mitzumachen.

 

Und so habt ihr beiden nach einer lockeren Übungssession am Sonntag Morgen in einer abschließenden Beurteilungsrunde auch zurecht von den 19 Teilnehmern vielfaches Lob entgegennehmen dürfen. Es war euch gelungen die Altersstufen von 20 bis 73 Jahren, vom Rollstuhlanfänger bis zum Rollstuhlfahrer mit 50 Jahren Erfahrung zu einer Interessensgemeinschaft zusammenzuführen. GRATULIERE !!!

 

Karin und ich (besonders) haben viele neue Erkenntnisse gewonnen. Ich habe den Rollstuhl ein bisschen mehr als ein Gerät zur Steigerung der Mobilität kennen gelernt und meine Vorbehalte gegenüber dem “Hilfsmittel für Behinderte” in den Hintergrund verdrängen können. Und das verdanke ich ausschließlich euch als gut geschulte Trainer und liebenswerten Menschen und eurem wirklich bewundernswerten Engagement.

 

Vielen herzlichen Dank euch beiden!

 

Liebe Grüße

Volker

Über den Autor

David Stähle

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