Mobilitäts-Training für Rollstuhl-Fahrer durch rehability/Weinheim vom 20. -22. Januar 2012 in der Bildungs-und Freizeitstätte Heilsbach

Mein Mann Franz hatte sich bereit erklärt, einen Bericht über diesen Kurs zu schreiben, aber nicht jeder, der des Schreibens mächtig ist, schreibt auch gern. So wurde diese Aufgabe kurzerhand auf mich abgewälzt.

 

11 aktive Teilnehmer, 5 Begleitpersonen und 3 Therapeuten trafen am 20. Januar im Pfälzer Wald ein. Auf einem großen Freigelände befinden sich 3 Gebäudekomplexe: Ein Haus, das vorwiegend aus Schlafräumen besteht, zweckmäßig eingerichtet, mit sehr schönen Nasszellen, die über Duschecken mit Klappsitz, erhöhtem WC, unterfahrbarem Waschbecken mit Kippspiegel und vielen Haltegriffen verfügen, ein Gebäudeteil, der vorwiegend die Küche und den freundlichen, hellen Speiseraum aufnimmt, sowie dem größten Bau, der vor allem die große Sporthalle beherbergt, die den wichtigsten Teil für die Durchführung des Mobilitätstrainings darstellt. Hier befindet sich auch noch ein gemütliches Kaminzimmer, das uns für Kaffeepausen und abends für ein zwangloses Beisammensein zur Verfügung stand.


Zu unserem Therapeuten-Team gehörten Anja und Susi (Ladies first!) sowie -last, but not least –Thomas. Natürlich setzt man bei Menschen, die eine solche Maßnahme leiten, eine gewisse Qualifikation voraus, und diese Kompetenz war absolut gegeben. Aber das allein reicht nicht aus, um mit Menschen, die über ein mehr oder weniger großes Handicap verfügen, umzugehen. Hier ist ein starkes Einfühlungsvermögen erforderlich, um zu. motivieren, zu loben, auch wenn etwas nicht so perfekt klappt. Auch körperlicher Einsatz ist gefragt, um helfend zu unterstützen. Unsere 3 Therapeuten waren unermüdlich im Einsatz. Thomas ist im täglichen Leben auf den Rollstuhl angewiesen, er ist darüber hinaus ein sehr sportlicher Mann, der auch schon an den Paralympics teilnahm, aber auch Anja und Susi gehen mit dem Rollstuhl um, als wären sie darin geboren und aufgewachsen. Alle drei erläuterten immer zuerst, was getan werden sollte, führten es dann vor und ließen die Übungen anschließend von der Gruppe oder einzelnen ausführen, wobei immer Hilfestellung gewährleistet war. Schwierige Übungen wurden mit fröhlichen Wettspielen aufgelockert, und nebenbei wurden auch noch Rollstühle etwas umgerüstet, Schläuche ausgewechselt, Schrauben nachgezogen und was sonst noch erforderlich war. Es war für Anja, Susi und Thomas kein “lockeres” Wochenende; sie waren ununterbrochen im Einsatz. So musste ein Parcours ausgeladen, auf ¬und wieder abgebaut werden, Geräte und Matten von A nach B transportiert werden und noch vieles mehr.


Die Teilnehmer (in alphabetischer Reihenfolge der Vornamen) :

 

Bianca ist sehr sportlich, hat sich zu diesem Kurs nicht zum ersten Male angemeldet. Sie ist eine besonders gute Basketball¬spielerin und spielt -zusammen mit Marco -in einem Verein, was sich natürlich durch eine besondere Wendigkeit im Umgang mit dem Rollstuhl bemerkbar machte.

 

Britta macht alle Übungen öfter als unbedingt notwendig, ist mutig, hat auch keine Angst davor, umzukippen und sagt sich sicher oft: Nun erst recht. Ihre Selbstständigkeit und ihr Umgang mit den Schwierigkeiten des täglichen Lebens geben ihr recht. Sie hat das “know how” und auch das “Köpfchen”, um es umzusetzen.

 

Eva ist die Jüngste im Kreise und hat wohl die größten Probleme, wird aber mit ihrem Fleiß und ihrer Ausdauer, aber auch mit der Hilfe ihrer Begleiterin und lieben Mutter (immer aktiv, ständig hilfsbereit, auch für andere Kursteilnehmer) alles lernen und anwenden können, was ihr das Leben künftig erleichtern kann.

 

Franz, der Senior der Runde, gilt in seiner Familie als ausgesprochen ungeschickt, konnte aber wohl am meisten profitieren, sozusagen von 0 auf 100 in 5 Sekunden. Er hat sich, um seine Perfektion noch zu steigern und die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vertiefen, bereits für den Kurs im August wieder angemeldet. Ich, seine inaktive Ehefrau, war faul. Aber ist es nicht so, dass einer immer von außen den großen Überblick behalten muss? (Sonst wäre dieser Bericht vielleicht nicht zustande gekommen).

 

Katja ist eine Perfektionistin: nie mit sich und ihren Leistungen zufrieden, immer sollte und musste es noch besser sein. Vielleicht muss man die Anforderungen an sich selbst manchmal ein wenig zurückschrauben, was ihr auch ihr netter und freundlicher Begleiter Michael immer wieder klarmachen wollte, ihr half, wo er konnte, sie lobte und sie sogar am Tisch bediente.

 

Marco ist jung, sportlich und unternehmungslustig, nichts ist ihm zu schwierig oder gar zu viel. Besonders beim Basketball ist er, vor allem im Zusammenspiel mit Bianca, kaum zu schlagen, außer vielleicht von Thomas, der ebenso schnell und sportlich ist -mit einem minimalen Nachteil: er hat einige Lenze mehr auf dem Buckel.

 

Miriam hat die weiteste Anreise hinter sich und kam bereits am Vortag an. Da fällt mir der böse Spruch ein: Nördlich der Mainlinie hört Deutschland auf, da beginnt die Wildnis. Die andere Version lautet: Südlich der Mainlinie hört Deutschland auf, da beginnt der Balkan. Miriam kann sich nun aussuchen: kam sie aus der Wildnis oder fuhr sie in die Wildnis (der Pfalz)?

 

Sandra ist ein Energiebündel und obendrein schnell wie der Blitz, sie wirkt so fit, dass ich sie für ein Mitglied des rehability-Teams hielt. Sie brachte uns ein Album mit den schönen Bildern ihrer Hochzeit mit, das wir uns gern in den gemütlichen Abendstunden an Kamin anschauten. Danke!

 

Silke ist die Sportkanone schlechthin, was einmal an ihrer Energie, ihrem Willen und ihrer Ausdauer liegt, andererseits wohl auch daran, dass sie -so ganz “nebenbei” -auch noch andere Sportarten betreibt. Silke muss für alle ein Vorbild sein: Wenn man manches nicht oder nicht mehr kann, dann muss man etwas Anderes tun. Toll! So wird Silke eines nie wissen: Was “Langeweile” ist. (Aber muss man denn alles wissen?)

 

Uschi ist eine Power-Frau, die zwar immer behauptete, fix und fertig zu sein, aber bei der nächsten Übung wieder als Erste antrat. Sie lachte immer, freute sich über alles, was ihr gelang, konnte aber ebenso herzlich lachen, wenn ihr etwas danebenging. Sie wurde von ihrer Freundin Marita begleitet, die genauso viel Fröhlichkeit und Optimismus ausstrahlte. Da haben sich die beiden Richtigen gefunden.

 

Wolf, zwar alphabetisch der Letzte, nicht aber hinsichtlich der Einsatzfreude, der Hilfsbereitschaft (Handschuhverleih), der Spielübersicht beim Basketball sowie der Lautstärke der Anfeuerungsrufe bei den Wettspielen. Er kam mit seinem Freund Anton, über den man eigentlich ein ganzes Kapitel schreiben müsste, so etwa nach der Arie des Figaro im “Barbier von Sevilla” (Titel muss man sich nicht merken): Anton war überall, machte alles, half jedem, benutzte den Rollstuhl, als hätte er nie etwas Anderes gemacht, war so schnell, dass er einige Male umkippte, worüber er selbst am meisten lachte, kurzum ein Kumpel zum “Pferdestehlen”.


Wir, Franz und Brigitte, haben uns mit euch allen sehr wohl gefühlt und danken dafür.

Der Dank gilt auch dem Personal in der Küche und im Speisesaal!

 

Nun denkt sicher jemand: So viel Dank, viel Lob – keine Kritik – da kann doch etwas nicht stimmen! Richtig!

Und nun die Kritik, die dem rehability-Team gilt: Ihr habt einen ganz schlechten Draht zu Petrus, denn sonst hätte es nicht nahezu ununterbrochen geregnet. An der Kommunikation mit Petrus müsst ihr unbedingt noch arbeiten, da ist einiges zu verbessern. Bei unserer nächsten Kursteilnahme erwarten wir eine Vollzugsmeldung (was im August ja nicht so schwierig sein dürfte).

 

Alles Gute für euch alle!

Brigitte (als brave Ehefrau habe ich mir den Bericht von Franz natürlich ausdrücklich genehmigen lassen)

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