Feriencamp Sport n` Roll bringt Jugendliche mit und ohne Handicap zusammen

Integratives Feriencamp 10.-12. April 2012 Schönau/Pfalz

Was passiert, wenn sich „Anpfiff ins Leben“-Sportler und eine Gruppe Rolli-Kids des Vereins FortSchritt gemeinsam auf ein 3-Tages-Erlebnis in einer Freizeitanlage inmitten des Pfälzer Wald einlassen? Wie muss ein integratives Angebot beschaffen sein, dass sich die Kinder auf Augenhöhe begegnen und dadurch die oftmals getrennten Welten von Behinderten und Gesunden zueinander finden können.

Diese Überlegungen stellten die Vereine Anpfiff ins Leben e. V. und FortSchritt Walldorf e. V. mit Thomas Weinsheimer, Übungsleiter für Kinder-und Rehasport im Hause Rehability und Anja Mayer, einer Physiotherapeutin im Vorfeld der Planung für das Osterferiencamp vom 10. bis 12. April an. Weinsheimer sitzt selbst im Rollstuhl und ist zugleich ein leidenschaftlicher Sportler. Geschnürt wurde ein natur-und erlebnispädagogisches Angebot ergänzt um Mobilitätsübungen, Fahrtrainings und viele Spiele. Besondere Bedeutung kam der gleichberechtigten technischen Ausrüstung zu, Rehability stellte auch für die gesunden Teilnehmer moderne Rollstuhlgeräte zur Verfügung. Finanzielle Unterstützung erfuhr das Projekt durch den Hauptsponsoren, das Recycling-Unternehmen AMIS aus Zuzenhausen sowie der Schreinerei Winnes aus Walldorf.

Das Eis war schnell gebrochen

In der zweiten Osterferienwoche war es soweit. Mit Fahrziel Heilsbach in Schönau, einer behindertengerechten Bildungs-und Freizeitstätte in der Pfalz, brach die 24-köpfige Gruppe auf. Sie umfasste sechs Fußballspieler und -spielerinnen aus den Jugendförderzentren Heidelberg und Walldorf sowie acht behinderte Kinder bzw. Jugendliche und ihre Betreuer. Damit sich die gemischte Gruppe untereinander besser kennenlernen konnte, stand zunächst ein Warm-Up in der Sporthalle der Freizeitstätte auf dem Programm. Thomas Weinsheimer und Anja Mayer hatten ein entsprechendes Programm vorbereitet, machten alle mit den Rollstuhlgeräten vertraut und gaben Tipps für eine kraftschonende und sichere Fahrtechnik. Sogar eine Partie Rollstuhlbasketball wurde dabei ausgetragen – eine ungewohnte Sporterfahrung nicht nur für die Rolli-Kids. Danach stand es den Nachwuchssportlern frei, den Rollstuhl auch weiterhin auf der Anlage zu benutzen, beispielsweise um damit am Abendessen teilzunehmen. Die „Anpfiff-Sportler“ ließen sich das nicht zweimal sagen. Sie begaben sich mit Haut und Haar in die neue Rolle, um möglichst viele Alltagssituationen aus einer Rollstuhlperspektive heraus zu erleben.

Neues entdecken und über sich selbst hinaus wachsen: auf dem Baumwipfelpfad und im Biosphärenhaus

Eine echte Attraktion erwartete die Truppe am darauffolgenden Tag. Mitten durch den Pfälzer Wald schlängelt sich Deutschlands erster Baumwipfelpfad und führt seine Besucher auf bis zu 35 Meter Höhe durch den abwechslungsreichen Mischwald. Besonderer Clou daran: nicht nur höhenerprobte Kletterer,

auch Rollstuhlfahrer können dank spezieller Hängebrücken-Konstruktionen den Pfad größtenteils begehen.

Als die Sports `n` Roll-Truppe den Wanderweg überquerte, kam es zu besonders emotionalen Momenten, die wohl allen Beteiligten lange im Gedächtnis bleiben: Physiotherapeutin Anja Mayer ermutigte und unterstützte die Rollstuhlkinder Charlene, Sabrina, Marco, Alisa und Maris auf eigenen Beinen die schwebenden Holzelemente zu überqueren – eine echte Mutprobe, die den FortSchrittkindern den uneingeschränkten Respekt der anderen sicherte. „Es war schon ein komisches Gefühl, auf diesem wackeligen Untergrund in so großer Höhe zu laufen“, gab Marco Huber später unumwunden zu.

Anschließend ging es spielerisch weiter – mit einer Quiz-Rallye durch das benachbarte Biosphärenhaus. Es beherbergt den gesamten botanischen Reichtum des Pfälzer Waldes und bringt den Besuchern die Tiere und ihre jeweilige Lebenswelt näher. Eine spannende Sache, bei der die einzelnen Teams untereinander mit Wissen aushalfen und fleißig auf Punktejagd gingen. Am Abend zurück in Heilsbach zeigte sich wieder einmal, wie verbindend die Faszination des Sports sein kann. Quer durch Teilnehmerstruktur fanden die Fußballfans zueinander, um bei der TV-Übertragung des Bundesliga-Spitzenduells Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München mitzufiebern.

Projekterfolg soll durch weitere Treffen gestärkt werden

Nahtlos an das bereits aufgekeimte Gruppengefühl anknüpfen konnte dann der 3. Tag, dazu kehrten alle zurück in die Sporthalle. Anja Mayer setzte beim sportlichen Anspruch noch einen drauf, bezog auch Pantomime-Spiele mit ein und konnte dabei beobachten, dass die verbale und körperliche Kommunikation in eine ganz neue Dimension vorgestoßen war.

Nach drei Tagen „Sports `n Roll“ zog Lena Weihe stellvertretend für „Anpfiff ins Leben“ eine durchweg positive Bilanz: „Unser Konzept ging auf: gesunde und behinderte Kinder teilten gleichberechtigt ein Ferienerlebnis. In der neuen Umgebung und durch das nahezu ununterbrochene Zusammensein der Kinder sind Rücksichtnahme und Toleranz gewachsen. Bei den Sponsoren, dem Recyclingunternehmens AMIS sowie der Schreinerei Winnes und Rehability möchten wir uns herzlich bedanken, denn ohne finanzielle Unterstützung wäre dieses Camp nicht möglich gewesen“.

Nach diesem schönen Erlebnis will „Anpfiff ins Leben“ an das Erreichte anknüpfen, ein Nachtreffen ist in Vorbereitung. Ausdrücklich begrüßt wird dies auch von den Eltern der Teilnehmer, wie Helmuth Bischoff aus Heidelberg formulierte: „Diese mehrtägige Begegnung und das Miteinander von behinderten und nicht behinderten Jugendlichen war ein Gewinn für alle Beteiligten. Mein Sohn Philipp (13 Jahre und Kicker bei der SG Heidelberg-Kirchheim C-Jugend) hat nach seiner Rückkehr lange und begeistert erzählt wie wichtig es sei, solche Erfahrungen im Leben zu machen und dadurch leichter persönliche und freundschaftliche Kontakte zu Behinderten aufzubauen. Eine Wiederholung würde er sich sehr wünschen.“

Kontakt:
Anpfiff ins Leben e.V.
Lena Weihe
Schwetzinger Straße 92a 69190 Walldorf
Telefon: 06227 358 16504
E-Mail: lena.weihe@anpfiff-ins-leben.de

 

Über den Autor

Steffen Rupp

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