1. Internationale Reha- und Mobilitätsmesse für Alle (IRMA) in Bremen

Noch eine Messe. Noch mehr Werbe- und Marketingaufwand für die eh schon bebeutelte Rehabranche?! Brauchen wir das?

Bremen ist bekanntlich nicht der Nabel der Welt. Liegt auch nicht auf der Durchfahrtsstrasse zu den Zentren der Republik. Von daher ist der Ansatz, gerade im norddeutschen Bereich eine Mobilitätsmesse zu organisieren, gar nicht so abwegig. Ivo Escales, seit über 25 Jahren vor allem in der Reisebranche für Behinderte, speziell im Medienbereich engagiert, ging das Wagnis ein und dem Ruf folgend, endlich auch etwas für die stiefmütterlich behandelte Region der Friesen und Niedersachsen zu tun, war ein voller Erfolg. Auch wenn bei der Durchsicht der Aussteller vor allem eines auffiel: die Rollstuhlhersteller glänzten genauso mit Abwesenheit wie viele Dienstleister und Rehafachhändler vor Ort, die ja eigentlich ihre Kunden vor der Haustüre in großer Zahl betreuen sollten.

 

Stattdessen Autoumbauer, Reiseanbieter, Freizeitgeräte-Hersteller wie Handbiker und Caravans, Segways für Rollstuhlfahrer und ne kleine Kartstrecke für Rennsportler. Hier hat Ivo Escales unter der Mithilfe seiner gesamten Familie eine Sysiphusarbeit gegen den Strom geschafft, die nur einem alten Hasen wie ihm gelingen konnte. Nicht so umfangreich, wie man sich eine etablierte Rehamesse vorstellt, aber zu groß, um im nächsten Jahr nicht dabei zu sein. Durchweg zufriedene Gesichter bei den ca. 60 Ausstellern, und die Besucher, gefühlte 1000 Betroffene, alle kostenfreien Eintritt genießend, waren denn auch verteilt auf Berlin, Rostock, Kiel bis nach Aurich einhellig der Meinung – endlich auch mal ein Angebot in unserer Region, statt hunderte Kilometer nach Düsseldorf oder Karlsruhe fahren zu müssen.

 

Ebenfalls sehr auffallend: Fast jeder Aussteller mit großer Messeerfahrung wie Paravan, Grabovski oder Reha + Sport aus Hannover wunderten sich über das offensichtlich mangelnde Versorgungsniveau der hiesigen Betroffenen mit schlecht angepassten Rollstühlen, fehlerhaften Abmaßen und Einstellungen, die oft mehr behinderen als helfen. So gesehen hat die Messe voll ins Schwarze getroffen und von der gekonnten Moderation von Horst und Petra Rosenberger aus Berlin bis zur Messeparty mit einer 15 köpfigen Salsaband hatte die Show alles, was einer größeren zur Ehre gereicht hätte.

 

Das hat denn auch am meisten überrascht! Aus dem Stand eine Messe mit Niveau und Wiederholungscharakter in der Peripherie der Republik. Vielleicht sollte uns das zu denken geben.

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David Stähle

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