Die neuen Geh-Roboter: Wie viel Hoffnung ist berechtigt?

Geh-Roboter von Ekso Bionics (Foto: Ekso Bionics). Um das ganze Bild zu sehen: anklicken

Die neuen Exsoskelette versprechen Querschnittgelähmten eine neue Mobilität. Doch kann man wirklich darauf setzen?

Seit einigen Monaten wird oft über die neuen Geh-Roboter geschrieben und gesprochen, nicht zuletzt, weil zwei von ihnen nun den Weg nach Deutschland gefunden haben:

Da ist zum einen das Exoskelett des amerikanischen Unternehmens Ekso Bionics (hat Anfang des Jahres ein Büro in Deutschland eröffnet), das hierzulande im Mai seine große Premiere auf der Leipziger Fachmesse „Orthopädie + Reha-Technik“ hatte.

Erste Gehversuche in der BDH-Klinik Greifswald mit dem Re-Walk (Pressefoto)

Da ist zum anderen das Re-Walk-System des israelischen und querschnittgelähmten Ingenieurs Amit Goffer und seiner Firma Argo. Re-Walk wurde vor zwei Wochen im Neurologischen Rehabilitations- und Querschnittgelähmtenzentrum Greifswald des Bundesverbandes Rehabilitation vorgestellt, wo es auch langfristig zum Einsatz kommen soll.

Die Produkte sowohl von Ekso Bionics als auch Argo sind aufgrund ihrer Kosten zunächst nur für den Einsatz in Krankenhäusern und Reha-Centern vorgesehen. Von Argo soll es demnächst eine halb so teure Version – die auch noch mit 55.000 Euro zu Buche schlägt – für den Privatgebrauch geben.

Wie sehen wir das von Rehability?

Grundsätzlich ist das alles eigentlich nichts völlig Neues. Schon in den 1980er Jahren wurden Muskeltrainingsapparate für Querschnittgelähmte als das Nonplusultra angepriesen und sind dann doch langsam wieder verschwunden. Die Mobilität wurde durch sie nicht verbessert. Wer Unterarmgehstützen in der Hand hat, kann schlecht gleichzeitig noch etwas in der Hand halten, das er transportieren muss. Aber offensichtlich wurde das Prinzip wieder ausgegraben und mit etwas mehr Technik aufgehübscht. Oder es ist tatsächlich die Neuentwicklung des Jahrtausends – und wir sind Zeuge eines sprichwörtlich großen Schritts der Menschheit.

Was weniger abschreckt ist die Tatsache, dass das Gerät derzeit noch über 100.000 Euro kostet. Das hat ein von Johnson & Johnson entwickelter E-Rollstuhl einst auch gekostet, und der Erfinder war nicht müde, immer neue Ideen einfließen zu lassen. Zum Schluss wurde dann zwar sein E-Rollstuhl nicht mehr gebaut, aber dafür ein Gerät namens Segway für zirka 12 Tausend Euro, das seinen Siegeszug durch die Touristädte dieser Welt antreten sollte. Wozu doch Rehatechnik alles gut sein kann….

Wir werden die Entwicklung dieser neuen Exsoskelett-Technik sehr genau beobachten und hoffen, dass hier keine Hoffnungen gemacht werden, die die Betroffenen dazu verleiten, sich nur noch anzulehnen und darauf zu warten, dass alles wieder wird, wie es war. Wer so denkt, der verschenkt sehr viel Lebenszeit und erntet Frust ohne Ende.

Michael Heil

Lesetipps auf ROLLINGPLANET:
Wie gut ist das Exoskelett von Ekso Bionics?
Exoskelett: Premiere für das ReWalk-System in Deutschland

Über den Autor

Michael Heil

Keine Kommentare.

Hinterlasse eine Nachricht

Du musst angemeldet sein um eine Kommentar zu verfassen

WP-Backgrounds Lite by InoPlugs Web Design and Juwelier Schönmann 1010 Wien