Balancieren, wenden, kippen – und alles, was man sonst noch für den Alltag braucht

Ein Erfahrungsbericht vom Mobilitäts- und Rollstuhltrainingskurs für Erwachsene in Schönau-Heilsberg vom 19. – 21.10.2012. Von Hans-Otto Schmank

Am Freitag, den 19. Oktober 2012, begann für zehn Rollstuhlfahrer und ihre Begleitpersonen der Mobilitätskurs in der Bildungsstätte Heilsberg. Meine mich begleitende Ehefrau und ich waren neugierig, was der Kurs beinhaltete und mit welchen Fähigkeiten wir nach Hause zurückkehren würden.

Das erste Zusammentreffen fand in der Sporthalle mit einer kurzen Vorstellungsrunde statt. Die Behinderungen und Rollstuhlerfahrungen waren sehr unterschiedlich. Überraschend für mich war, dass danach alle Begleitpersonen in Rollstühle gesetzt wurden. Hierdurch war gesichert, dass sie einmal ihre Umgebung aus dem Blickwinkel eines Rollstuhlfahrers sahen und selbst Erfahrungen im Umgang mit dem Rollstuhl machen konnten. Zunächst wurde durch verschiedene Fahrübungen (geradeaus, rückwärts, Kurven- und Slalomfahren) eine Bestandsaufnahme der Fähigkeiten jedes Teilnehmers gemacht. Es wurde auch immer darauf geachtet, dass die unerfahrenen Begleitpersonen einen Rollstuhl mit Kippschutz verwendeten.

Wie der Rollstuhl reagiert

Danach begann die Arbeit: Es wurde gezeigt, wie der Rollstuhl auf Verlagerung des Körpergewichts und Veränderung der Sitzhaltung reagiert. Das Ankippen wurde zunächst auf Matten geübt, was meine Angst davor schwinden ließ. Auf einem Parcours ließ sich das Überwinden von Hindernissen trainieren. Das Balancieren und angekippte Fahren auf zwei Rädern wurde ebenfalls gezeigt, was mir leider behinderungsbedingt nur bedingt gelang. In der Halle wurde auch das Schieben eines anderen Fahrers (wichtig im Alltag: der Einkaufswagen) und das Fahren mit einer Hand (eine Verletzung an einer Hand oder Arm kann immer auftreten) realisiert.

Eine hervorragende Idee war, mit uns Basketball zu spielen, denn dabei sind alle Elemente des Rollstuhlfahrens wie das schnelle Anfahren, das Bremsen und Wenden enthalten. Spielerisch wurden diese Fähigkeiten vermittelt. Bei einer Spazierfahrt zeigten sich die Tücken des unebenen Geländes, die wir aber gemeinsam überwanden. Auf dem Freigelände des Bildungswerkes lernten wir, Rampen zu überwinden. Eine wichtige Erfahrung war auch, wie sich mit Hilfe von zwei Personen Treppen bewältigt lassen, ohne dass es Stress bei allen Beteiligten auslöst.

Dank an die Kursleiter

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Nach dem Abendessen traf man sich nochmals in der Halle zu einem kurzen Spiel oder einer anderen Aktivität, danach folgte im benachbarten Kaminzimmer in lockerer Atmosphäre ein Gedankenaustausch unter den Teilnehmern und Kursleitern.

Diesen gebührt besonderer Dank für ihre sorgsame Art und Weise, wie sie mit den Kursteilnehmern umgingen. Als wir uns nach dem Mittagessen am Sonntag verabschiedeten, waren wir um bedeutende Erfahrungen reicher. Für mich war es wichtig, neben dem Erlernen der Fahrtechniken, zu erleben, welche Möglichkeiten es für jemanden gibt, der plötzlich auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Es bedeutete für mich auch, meine Grenzen kennenzulernen.

Insgesamt verlief das Training in einer sehr harmonischen Art und eine Wiederholung steht bei mir auf dem Terminkalender. Nochmals Danke an Anja, Thomas, Viktor und alle anderen Helfer.

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