Spielbericht: Rhine River Rhinos vs. USC München

Playoff-Chance verpasst

USC gerät beim Showdown in Wiesbaden früh deutlich in Rückstand, kämpft sich dann bis auf zwei Punkte heran, zieht aber letztlich den Kürzeren – das war’s wohl mit den Playoff-Hoffnungen.

Sie lebten noch, die Playoff-Hoffnungen im USC-Lager; schließlich spürte man nach dem jüngsten Rekord-Sieg gegen den ASV Bonn und mit dem brasilianischen Top-Forward Gelson da Silva Junior verstärkt zuletzt deutlichen Rückenwind. Um jedoch tatsächlich noch unter den ersten Vier zu landen, musste ein Auswärtssieg beim starken Aufsteiger Rhine River Rhinos her, die den fünftplatzierten Münchnern am ersten Spieltag mit einem überraschenden Auswärtssieg den Saison-Auftakt vermiesten (69:76). Und auch diesmal gaben die Rhinos, die einen der Plätze an der Sonne belegen, den Spielverderber: Früh zogen sie gegen indisponierte USCler davon, führten zwischenzeitlich mit satten 16 Punkten Vorsprung. Doch die Münchner zeigten Herz, kämpften sich gegen Spielende auf zwei Punkte heran, mussten dem Kraftakt letztlich aber Tribut zollen und sich mit 78:72 (43:27) geschlagen geben. Damit ist das Thema Playoffs vorerst erledigt.

USC-Motor startet stottrig

Das Vorhaben, Revanche an den Rhinos zu üben und damit gleichzeitig das Rennen um die Playoffs nochmal richtig spannend zu gestalten, stand von Beginn an unter keinem guten Stern: Zwei wichtige USC-Spieler, Wayne Boardman und Top-Scorer Suad Sutic, konnten aus privaten Gründen zuletzt kaum bzw. gar nicht am Training teilnehmen – schlechter hätte das Timing angesichts des Show-Downs in Hessen nicht sein können. Entsprechend stottrig startete der USC-Motor ins Spiel – die Gastgeber, die dem USC mit diszipliniertem Umschaltspiel zusetzten und immer wieder schnell unter den USC-Korb kamen, starteten mit einem 7:0-Lauf, der Capasso früh dazu veranlasste, eine Auszeit zu nehmen; die erhoffte Wirkung blieb jedoch zunächst aus, der Abstand wurde von den Rhinos erst gehalten (9:2), bis zum Ende des ersten Viertels gar weiter ausgebaut (19:9). Die Münchner zeigten sich in der Offense bemüht, ließen jedoch jegliche Effizienz vermissen. Wollte sich der USC im Playoff-Rennen halten, musste eine Wende her.

Rhinos trampeln löchrige USC-Defense nieder

Doch eine Wende fand auch in den zweiten zehn Minuten nicht statt – im Gegenteil, die Rhinos kamen immer mehr ins Rollen und zogen weiter davon. Die Münchner schafften es kaum, Suad „Braco“ Sutic unter dem Korb in Szene zu setzen, der folgerichtig gegen gut verteidigende Rhinos kaum in aussichtsreiche Abschlusssituationen kam; vorübergehend sprangen seine Team-Kollegen Sebastian Magenheim und Kim Robins mit jeweils einem Dreier zwar in die Bresche. Doch die Defensive gelang nicht mit der für ein Spitzenspiel notwendigen Konsequenz und Konstanz. So konnte den weiterhin mutig auftretenden Rhinos nicht Paroli geboten werden; da nun auch vorne Freiwürfe und einfache Korbleger verschenkt wurden, wuchs der Rückstand auf satte 16 Punkte an – 43:27 zur Halbzeit. Nun musste ein kleines Wunder her, wollte man das Spiel drehen.

Drittes Viertel: Leistung besser, Rückstand gleich

Und nun lief es tatsächlich besser: Der USC zeigte sich nach vorne deutlich verbessert und scorte nach der Einwechslung von Gelson da Silva Junior für den merklich angeschlagenen Sutic regelmäßig; da die Unsicherheiten in der Defense aber nicht abgestellt werden konnten, blieb der Abstand, mit kleinen Schwankungen, gleich, sodass das Spiel vor den letzten zehn Minuten beim Stand von 45:59 entschieden schien – nur die wenigsten trauten den Gästen aus der bayerischen Landeshauptstadt noch ein Comeback zu. Doch diejenigen, die es taten, sollten Recht behalten – zumindest mit Einschränkungen.

Herzschlagfinale beendet USC-Aufholjagd

Der USC wollte sich mit der Niederlage nämlich alles andere als abfinden und bäumte sich noch einmal mächtig auf; die Gastgeber wirkten ob des Kraftakts der Münchner überrascht und mussten zusehen, wie ihr komfortabler Vorsprung nach 35 Minuten auf sieben Punkte (66:59), wenig später auf magere zwei (73:71) abschmolz – das Monster-Comeback schien in greifbarer Nähe, das Momentum auf USC-Seite. Doch die Rhinos zeigten mit ihrer Reaktion, dass sie mehr als nur ein gewöhnlicher Aufsteiger sind: Während viele Liga-Neulinge in dieser Situation das Spiel wohl aus der Hand gegeben hätten, trotzten die Hausherren den wütenden Angriffswellen und zogen wieder auf vier Punkte davon. Nachdem Capasso 47 Sekunden vor Spielschluss nach einem Foul nur einen seiner zwei Freiwürfe verwandeln konnte, im Gegenzug der zusammen mit John McPhail stärkste Rhino André Hopp einen Schnellangriff zum 77:72 abschloss und Kim Robins anschließend einen Dreier-Versuch vergab, war das Spiel entschieden. Ein weiterer Freiwurf-Treffer für die Gastgeber besiegelte den 78:72-Endstand – eine extrem bittere Niederlage für den USC, der den Rest der Saison wohl im tabellarischen Niemandsland verbringen wird. Beste Scorer auf Münchner Seite waren Suad Sutic (18), Sebastian Magenheim (17, ein Dreier), Kim Robins (17, ein Dreier) und Gelson da Silva Junior (15) – alles ordentliche Werte, jedoch nicht ausreichend, um die so dringend benötigten Punkte zu entführen.

Nächstes Heimspiel gegen Köln 99ers: Ziel Wiedergutmachung!

Das nächste Heimspiel, am 11.02. (Tip-Off wie immer um 17:00 Uhr) gegen die Köln 99ers, verspricht zumindest teilweise Wiedergutmachung: Die Domstädter, ambitioniert in die Saison gestartet, laufen den Erwartungen seit Saisonbeginn hinterher und belegen nach nur zwei Saisonsiegen einen enttäuschenden siebten Tabellenplatz. Will der USC einen Mini-Funken Hoffnung auf die Playoffs und vor den eigenen Fans das Gesicht wahren, muss eine Trotzreaktion, verbunden mit zwei Punkten, her.

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Marcus Merz

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