Spielbericht USC – HSV

HeimSieg Verspielt – USC kämpft, aber verliert verdient
USC München unterliegt nach engagiertem Auftritt zuhause gegen favorisierte Gäste aus Hamburg, kann nun aber nicht mehr vom fünften Platz verdrängt werden.
Der Bundesliga-Rekordmeister aus München empfängt den HSV – doch nicht nur in der Allianz-Arena durften sich die Anhänger auf hochklassigen Spitzensport freuen, auch in der Säbenerhalle gaben sich die Hansestädter am letzten Samstag die Ehre. Dabei konnten die Konstellationen nicht unterschiedlicher sein: Während Carlo Ancelottis Elf seit Wochen von Sieg zu Sieg eilt und sich anschickt, die Meisterschale zum vierten Mal in Folge zu verteidigen, sind die Five seines Rollstuhlbasketball-Pendants Taz Capasso derzeit weit von einstigen Erfolgen entfernt. Auch die Playoff-Plätze wurden bei der bitteren 78:72-Auswärtsniederlage gegen die Rhine River Rhinos verspielt, doch der vorzeitige Tiefpunkt sollte in der Folgewoche erreicht werden. Nach einer völlig desolaten Leistung ging man zuhause gegen indisponierte Köln 99ers mit 56:61 (23:30) baden.
Taz Capasso fordert Wiedergutmachung – und bekommt sie (teilweise)
Capasso forderte also völlig unmissverständlich Wiedergutmachung von seinem Team beim Heimspiel gegen die BG Baskets Hamburg, die nach spektakulären Verstärkungen vor der Saison einen ungefährdeten dritten Platz belegen und folglich als klare Favoriten ins Aufeinandertreffen gingen. Doch die Hausherren schienen dem Willen ihres Spielertrainers gerecht werden zu wollen und starteten überraschend gut – doch letztlich war die individuelle Qualität der Gäste beim 72:86 (36:42) zu groß. Dennoch: Die Wiedergutmachung ist (teilweise) gelungen.
USC überrumpelt HSV.
Keine Überraschung bot die personelle Besetzung der Starting Five (Taz Capasso, Sebastian Magenheim, Kim Robins, Wayne Boardman, Suad Sutic), die Capasso in das anspruchsvolle Aufeinandertreffen schickte – diese jedoch den Gästen aus dem hohen Norden die Stirn: Bestens eingestellt und hochmotivierte überrumpelte der USC verdutzte Hansestädter, die von der Rasanz des Auftritts der zuletzt so enttäuschenden Münchner sichtlich überrascht waren. Allen voran Capasso selbst, Sebastian Magenheim und Kim Robins zeigten sich bestens aufgelegt, hatten die Lethargie des Köln-Spiels abgeschüttelt und kamen mit schönen Kombinationen regelmäßig und auch effizient zum Abschluss – die 26:22-Führung zum Ende des ersten Viertels war überraschend, aber mindestens ebenso verdient.
Nordlichter blenden USC vor Seitenwechsel
Doch nun zeigten die Nordlichter, dass die beiden Großstädte nicht nur gut 612 km Luftlinie trennt, sondern in Bezug auf Rollstuhlbasketball auch ein individuelles Qualitätsgefälle. Denn nun drehten die topbesetzten HSVler, allen voran Reo Fujimoto (insgesamt 29 Punkte) und Jake Williams (21), auf und das Spiel um. Nun unter beiden Körben präsenter und vor allem defensiv deutlich aggressiver und kompakter, übernahmen sie bald die Führung, während beim USC nach der spektakulären Anfangsphase das Quäntchen Glück im Abschluss fehlte und scheinbar bereits die ersten Kräfte nachließen. Da kam die Halbzeitpause, die beim durchaus noch einholbaren Stand von 36:42 eingeläutet wurde, gerade recht.
Drittes Viertel auf Augenhöhe
Die Pause tat den Hausherren denn auch sichtlich gut, die fortan wieder ein physisch betontes Spiel auf Augenhöhe zeigten, wenn auch mit leichten spielerischen Vorteilen für die Gegenseite. Entsprechend gleichwertig scorten beide Teams, wodurch die Gäste ihren Vorsprung nur geringfügig ausbauen konnten (20:22 im dritten Viertel, 56:64 gesamt) – doch eine Tendenz war erkennbar: Wollte der USC die Punkte doch noch behalten, musste ein spektakulärer Kraftakt her. Ein solcher sollte nicht mehr zustande kommen: Zwar spielten die Münchner weiter mit hohem Aufwand und waren sichtlich bemüht, dem Spiel eine Wende zu geben.

 


HSV-Qualität und Spielintensität zu hoch
Aber nun musste man den Bemühungen der ersten Spielabschnitte Tribut zollen – und dem Leistungsvermögen der Gäste Respekt, schließlich konnte man bei zahlreichen kreativen und bestens abgestimmten Spielzügen erkennen, warum der Norden zumindest im Rollstuhlbasketball momentan die Nase vorne hat. So stand letztlich eine verdiente 72:86-Niederlage auf dem Score-Sheet. Schade, aber angesichts der individuellen wie mannschaftlichen Leistungssteigerung (Punkteverteilung: Kim Robins 25, Sebastian Magenheim 18, Taz Capasso 16, Suad Sutic 13) im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Spielen hinnehmbar – zumal die sportliche Gesamtbilanz zwischen Hamburg und München nach dem 8:0-Kantersieg der Bayern für diesen Tag ausgeglichen war.
Vor USC-Auswärtsspiel in Trier: Letzte Hoffnung auf zwei Punkte
Im vorletzten Spiel der Saison geht es am kommenden Samstag ab 18 Uhr gegen die sechstplatzierten Doneck Dolphins Trier, die den USC nach fünf Niederlagen in Folge nicht mehr vom undankbaren fünften Platz verdrängen können. Der sportliche Reiz ist also überschaubar, jedoch sollte das Team von Taz Capasso gegen das Team um Dauerbrenner Dirk Passiwan genügend Ehrgeiz aufbringen können, den voraussichtlich letzten Sieg dieser Saison einzufahren. Am letzten Spieltag, genauer am 18.03.17 um 17.00 Uhr, geht es zum Abschluss einer von Schwankungen geprägten RBBL-Spielzeit zuhause nämlich gegen das Top-Team vom RSV Lahn-Dill, das beim 88:72 (46:29) im Giganten-Duell gegen die RSB Thuringia Bulls zuletzt zwar eine Auswärtsniederlage einstecken musste. Dennoch ist der aktuelle Champions League-Viertelfinalist glasklarer Favorit und wird dem Münchner Publikum im letzten Spiel sicherlich noch einmal eine Kostprobe von der europäischen Crème de la Crème des deutschen und europäischen Rollstuhlbasketballs bieten.

Über den Autor

Alexa Heinzmann

Keine Kommentare.

Hinterlasse eine Nachricht

Du musst angemeldet sein um eine Kommentar zu verfassen

WP-Backgrounds Lite by InoPlugs Web Design and Juwelier Schönmann 1010 Wien