Nachbericht: Mobilitätstraining in Schönau März 2017

 
Es ist Freitag früh gegen 8.15 Uhr kurz vor der Ausfahrt Landau/Pfalz. Vor mir liegt noch eine gute Stunde Fahrt über einsame Landstraßen und neben mir sitzt Vigdis aus Norwegen, die schon kurz nach der Abfahrt in Frankfurt eingeschlafen ist und nix mitkriegt. Wir haben uns beim Mobikurs vor zwei Jahren kennengelernt, sind also beide „Wiederholungstäter“. Sie das zweite und ich sogar das dritte Mal. Warum eigentlich?
Wir kommen rechtzeitig in Schönau an. Prima, genug Zeit um noch einzuchecken und das Gepäck abzustellen. Aber die Zimmer sind noch gar nicht fertig und so sind wir schon kurz darauf vor dem Eingang zur Sporthalle, wo bereits einige Teilnehmerinnen und die Kursleiterin zusammenstehen. Ach so, der Thomas Weinsheimer ist krank und deshalb macht die Karin den Kurs und ja, es sind ausschließlich Frauen angemeldet. Ich mag Frauen sehr, aber ein bisschen mulmig ist mir schon. Aber da sind ja zum Glück noch Günther, der Mann von Barbara, und der Thorsten von Rehability – gemeinsam schaffen wir das!
Die übliche Vorstellungsrunde fällt relativ kurz aus. Ich bin der Markus, habe seit dann und dann MS und sitze seit dann und dann im Rollstuhl und bin deshalb das dritte Mal da, weil ich endlich lernen will, wie man auf den Hinterrädern eine steile Rampe runter fährt. Alles andere kann ich ja schon ganz gut, denke ich, aber ich merke schnell, dass es da eine im giftgrünen Rolli gibt, die das auch kann und eigentlich viel besser als ich. Sie hat auch MS (wie die Mehrzahl übrigens) und ist zudem noch ziemlich vorlaut – das kann ja heiter werden.
Die Zeit vergeht schnell. Am Nachmittag fahre ich schon gekippt die Rampe und bis Samstag sind auch die blutigen Anfängerinnen schon so weit, dass die Gruppe gemeinsam am Parcours trainiert. Alle (ich auch) mit viel Spaß und mit raschem Erfolg. Nur der grüne Rolli ist irgendwie immer schneller und geschickter, aber daran habe auch ich mich langsam gewöhnt und sehe großzügig darüber hinweg. Der Kurs ist auch sonst ziemlich harmonisch und zwischen den Übungen und an den Abenden (leider nur zwei) gibt es angeregte Gespräche, bei denen sich schnell zeigt, dass uns noch viel mehr interessiert und verbindet, als Krankheit, Behinderung und Probleme mit dem Rollstuhl.
Schon ist es Sonntag und trotz Regen geht es heute nach draußen, wo in realer Umgebung geübt werden soll. Erst die „Todesrampe“ am Hotel, also jenes Stück Straße, bei dem man schon im Auto das Gefühl hat, man würde sich gleich rückwärts überschlagen. Aber ich schaffe es, wenn auch mit Unterstützung von Karin und ganz sicher auch nicht lächelnd (man muss eigentlich immer lächeln). Aber das merkt zum Glück keine, denn die stehen alle oben und sehen mich nur von hinten. Die Treppe am Geländer runter? Das kenn ich schon, das ist easy. Doch dann fragt die Karin allen Ernstes, wer auch vorwärts und frei da runter fahren will. Ich tue zunächst unbeteiligt, aber neben mir fängt der giftgrüne Rolli schon wieder an zu frotzeln. Hat sie Schisser gesagt? Egal. Jedenfalls stehe ich kurz darauf an der obersten Stufe, denke an mein Leben zurück und ehe ich es selbst glaube, habe ich die beiden ersten Stufen geschafft. Auf der dritten rettet mich Karin und die letzte ist dann eigentlich wieder ganz einfach.
Zwei Stunden später sitzen wir wieder im Auto und während Vigdis die Augen zufallen, fällt mir ein, warum ich zum Dritten mal nach Schönau gefahren bin und warum ich das vielleicht auch ein weiteres Mal tun würde. Weil man hier Menschen trifft, die nicht aufgeben wollen. Menschen, die ihr Leben trotz einer Behinderung aktiv gestalten und nicht durch eine Krankheit vermiesen lassen wollen. Schon ihnen dabei zuzuschauen, tut einfach gut. Danke an alle.

Ein Bericht von Markus Grossbach

 

Weitere Termine am :

09.06.17 Fit im Rolli in Frankfurt (Tageskurs)

27.- 29.10.17 Mobilitätstraining in Schönau

Am besten gleich anmelden, bei Fragen meldet euch unter event@rehability.de

Über den Autor

Alexa Heinzmann

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