Wheelable3 -die Unab-hängigkeitserklärung

Pünktlich zur Reisezeit, wird in der aktuellen Ausgabe des Reha-Treffs der Wheelable3 vorgestellt und als Reisebegleiter auf Herz und Nieren geprüft.

Hier der ganze Artikel:

Rehatreff Ausgabe 02/2018 ,S.46-48

Die Unabhängigkeitserklärung
Der in Israel entwickelte Dusch- und Toilettenrollstuhl Wheelable 3 löst gleich mehrere der Probleme, mit denen reisende Rollstuhlnutzer häufig zu kämpfen haben.

Wer als Rollstuhlnutzer tage- oder gar wochenweise die schützende Umgebung der eigenen vier Wände verlässt, nimmt meistens Komforteinbußen in Kauf. Dass eine Mobilitätseinschränkung mit besonderen Anforderungen an die (Wohn-)Umgebung einhergeht, liegt auf der Hand. Natürlich richten sich Rollstuhlfahrer so ein, dass das traute Heim maximale Selbstständigkeit ermöglicht. Nichts steht im Weg umher, das Bett hat die richtige Höhe zum Umsitzen, in der Küche sind alle Gerätschaften im Greifradius zugänglich und im Bad sorgt ein Badewannenlift oder eine barrierefrei gestaltete Dusche für ungetrübten Badespaß. Theoretisch muss man auf diese Bequemlichkeit auch auf Reisen nicht verzichten. Ferienunterkünfte werben damit, rollstuhltauglich zu sein. Die Suchmasken einschlägiger Internetportale weisen ein Rollstuhlsymbol auf, um die Auswahl entsprechend eingrenzen zu können. Spezialreiseveranstalter bieten Reisen für Rollstuhlfahrer in jeden Winkel der Welt an, vom Poolurlaub für Faulenzer bis zur Safari für Unternehmungslustige. Alles gut und schön – aber will ich als ganz durchschnittlicher Paraplegiker und Aktivrollstuhlnutzer, der weder ein Pflegebett noch extrabreite Türen benötigt, „die schönsten Wochen des Jahres“ in einem Ambiente verbringen, dessen ästhetische Anmutung irgendwo zwischen Altenheim und Pflegestation einzuordnen ist? Will ich den Aufpreis zahlen, den Wohnungsanbieter für die Amortisation ihrer Investitionen in Sonderausstattung fordern? Will ich in Kauf nehmen, dass die Zahl der infrage kommenden Quartiere mit dem Klick auf das Rollstuhlsymbol in der Such-maske auf ein Zehntel des ursprünglichen Angebots schrumpft?

Ich habe die Frage für mich persönlich mit einem klaren Nein beantwortet. Benötige ich eine Ferienwohnung, sondiere ich zunächst einmal das „normale“ Angebot. Da Internetportale ihre Angebote in der Regel gut ins Bild setzen, ist das nicht so schwer. Natürlich gibt es Ausschlusskriterien in Form von Treppen und Stufen, aber zum einen gibt es reichlich ebenerdige Ferienwohnungen und -häuser und zum anderen sind nach meiner Erfahrung Vermieter in der Regel sehr hilfsbereit, wenn es darum geht, kleinere Hindernisse mit improvisierten Rampen zu überbrücken.

Schwachstelle Badezimmer
Mit normalen Wohnungsgrundrissen komme ich dank sechzig Zentimeter breitem Rollstuhl ganz gut klar, und so manches Doppelbett habe ich schon mit ein paar soliden Ziegelsteinen aus dem nächsten Baumarkt auf eine komfortable Höhe gebracht. Tückisch sind indes Bäder und Toiletten. Wer ohne wenn und aber einen Rollstuhl benötigt, also keinerlei Geh- oder Steh-vermögen hat, ist notgedrungen auf regelmäßige Turnübungen angewiesen, wenn es um die Nutzung der Toilette geht. Verständlicherweise trägt dem der Grundriss eines für Fußgänger gebauten Bades oft nicht Rechnung. Hilfreich ist, wenn man fit genug ist, von jeder Seite überwechseln zu können, aber spätestens bei allseitig beengten Platzverhältnissen sind die Grenzen des Möglichen irgendwann erreicht. Erst recht, wenn die Sitzhöhe der Toilette auch noch die Überwindung eines veritablen Höhenunterschiedes erforderlich macht.
Ähnlich problematisch ist es mit dem Duschen. Zwar ist in vielen Ländern ein mit Gefälle gefliester Boden statt der in Deutschland noch häufig anzutreffenden Duschwanne üblich, so dass man auch in normalen Bädern barrierefrei unter die Brause kommt, aber wer’s mit seinem Rollstuhl bis dahin schafft, braucht einen Duschsitz. Ein Plastikstuhl ist meist zur Hand, aber das Umsitzen gerät zu einer wackeligen und mithin gefährlichen Angelegenheit.

Eine professionelle Lösung muss her
Also doch lieber die Suche auf explizit rollstuhltaugliche Unterkünfte beschränken? Vor meiner letzten Winterflucht, die mich einmal mehr auf die Kanareninsel La Palma führen sollte, suchte ich per Internet nach einer Bleibe. Ich war etwas spät dran, schon das normale Angebot war rar, die wenigen barrierefreien Angebote, die ich schon kannte, allesamt belegt. Ein Ferienhaus war im Wunschzeitraum noch zu haben, ich sagte zu. Bei nochmaliger sorgfältiger Durchsicht aller Fotos, die ins Netz gestellt waren, stellte ich fest: Das nagelneue Bad war zwar sehr schick, die Toilette aber stand eingeklemmt zwischen Duschkabine und Wand. Kein Problem für einen Fußgänger, für mich indes quasi unerreichbar. Zeit, das Problem grundsätzlich zu lösen. Bei meiner Suche unter dem Stichwort „Dusch- und Toilettenstuhl“ stieß ich im Netz auf einen Videoclip, der mich neugierig machte. Weitere Recherche führte mich zu der israelischen Firma Seatara und zu der Information, dass deren Produkt Wheelable 3 in Deutschland über Rehability in Heidelberg zu beziehen ist. Einige Anrufe und wenige Tage später stand ein großer Karton in meiner Wohnung und wiederum einige Tage später trat ich die Flugreise nach La Palma mit einem zusätzlichen Gepäckstück an. Problemlos wurde – nach vorheriger Anmeldung bei der Fluggesellschaft –
der „Zweitrollstuhl“ kostenfrei als Sperrgut transportiert.

Durchdacht, gut verarbeitet und funktional
Natürlich hatte ich das Möbel schon zu Hause auf seine Tauglichkeit geprüft. Vor Ort erwies sich meine Entscheidung nun als absolut richtig. Der Wheelable 3 ist auf den ersten Blick ein ganz unspektakulärer, faltbarer Kunststoff-Rollstuhl mit wahlweise einer gepolsterten Sitzfläche zum Duschen oder einer ebenfalls gepolsterten Klobrille für die Nutzung als Toilettenstuhl. Für letztere ist eine unter der Klobrille einklinkbare Schüssel erhält- lich. Auf den zweiten Blick offenbart er eine in allen Details durchdachte Konstruktion und punktet mit ausgezeichneter Verarbeitung. Keine Frage – bei der technischen Entwicklung dieses Produktes waren Profis am Werk, die wussten, worauf es ankommt. Tatsächlich ist das israelische Unternehmen Seatara Mitglied einer Firmengruppe, die auf die Fertigung von hochwertigen Kunststoffkomponenten spezialisiert ist und in die Entwicklung von Wheelable floss die Expertise zahlreicher Betroffener ein. Das Ergebnis überzeugt. Sowohl der Faltmecha- nismus des Rollstuhls an sich als auch einzelne Komponenten wie die abklappbaren Armlehnen funktionieren leichtgängig und präzise, nichts klappert oder wackelt, alles rastet sauber ein. Die Feststellbremse arretiert das Gefährt zuverlässig, so dass ein Überwechseln vom Bett oder dem eigenen Rollstuhl sicher möglich ist. Weil der Wheelable gerade einmal 50 Zentimeter breit und sehr wendig ist, gestattet er das Manövrieren unter beengten Verhältnissen, wo normale Rollstühle an ihre Grenzen kommen– etwa in Bad- und Toilettenräumen. Der Faltmechanismus ist so konstruiert, dass unter der Sitzfläche zwischen den Rädern keinerlei Streben erforderlich sind. Man kann deshalb mit dem Wheelable über die meisten Toiletten fahren und sich das Umsitzen ersparen. Wer mehr Bewegungsspielraum braucht als eine allseitig von Wänden begrenzte Toilette bietet, kann den Rollstuhl aber auch beliebig anderweitig platzieren. Nicht für Roll- stuhlnutzer geplante Bäder verlieren so ihren Schrecken.
Von ähnlichem Nutzen ist Wheelable unter der Dusche. Er ist dank des verwendeten Materials wasserfest und schnell trocknend. Wo man auf wackligen Plastikstühlen oder unterdimensionierten Klappsitzen normalerweise nicht genug Hände hat, um sich festzuhalten und zudem noch den eigenen Rollstuhl irgendwie ins Trockene befördern muss, sitzt man im Wheelable sicher und kann ungehindert das Wasser genießen.

In vielen Situationen hilfreich
Nicht nur im Urlaub, sondern auch zum Beispiel beim Übernachtungsbesuch bei nicht perfekt rollstuhlgerecht wohnenden Freunden, im Campingurlaub und überall da, wo normalerweise unbefriedigende Kompromisse gemacht werden müssen, ist der Wheelable 3 eine komfortable Lösung des Problems. In seiner neuesten Version ist er zudem laut Herstellerangabe saunatauglich, was weitere Einsatzmöglichkeiten erschließt. In meinem Fall hat er die stressfreie Nutzung eines Ferienhauses ermöglicht und meinen Urlaub gerettet. Bei künftigen Reisen werde ich ihn gleich einplanen und habe mithin eine deutlich größere Auswahl an Quartieren. Da er gefaltet gerade mal dreiundzwanzig Zenti- meter breit und nur 12 Kilo schwer ist, ist er nicht nur flugge- päcktauglich, er findet auch im Kofferraum leicht einen Platz.
Mit einem Kaufpreis von knapp 1.000 Euro ist der Wheelable 3 vielleicht nicht gerade ein Schnäppchen, aber die durchdachte Ausführung, die gute Verarbeitung, die tadellose Funktionalität und vor allem der praktische Nutzen, den er bietet, sind meines Erachtens das Geld wert. Wer es ganz komfortabel haben möchte, kann eine maßgeschneiderte Transporthülle mit Rollen zum allerdings ziemlich stolzen Preis von 299 Euro dazu ordern.
Werner Pohl

 

Weitere Infos dazu erhaltet ihr unter info@rehability.de oder Tel.: 06221 70 54 0

Über den Autor

Alexa Heinzmann

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