24.09.2008
Begegnung der heimlichen Art – der Panda und ich
Dass er ein lebendes Fossil sei, hab ich so noch nicht gesehen. Sieht doch putzig aus und gar nicht praehistorisch. Ein Gummibaerchen oder vielmehr Bambuslutscher. Aber er hat doch schon 6 Mio Jahre auf dem Buckel und ausgerechnet in China und das vor den Toren Chengdus (12 Mio Einw.) will man das Wappentier (den Chinesen ist nichts besserers, bissigeres eingefallen als ein ziemlich verspielter und vor allem fauler Baer. Der als reiner Vegetarier von den ca. 270 Sorten Bambus auch noch waehlerisch 70 als geniessbar haelt. Na denn.)
Ich bin in der Pandaaufzuchtstation nicht weit von Chengdo gelandet und das schon recht frue. Pandas sind morgens munter und den Rest des Tages lassen Sie sich nicht sehen. Und seit dem Verschwinden der Bambuswaelder rund um Chengdu ist da mittlerweile auch ein Umdenken im Gange. Wenn China es nicht schafft, Ihr Wappentier zu retten, heisst das gleichwohl, ihre Umweltprobleme nicht im Griff zu haben. Und China will so sehr sein angegriffenes Image nach der weltweiten Aufregung des Dreischluchtenstaudamms, den Dunstwolken in den Grossstaedten durch ein Gegenstueck wie der Rettung eines Symphatietraegers eines Besseren ueberzeugen. Hier in der Station, das sehr schoen hergerichtet ist und mittlerweile ne Menge wissenschaftliche Gebaeude und Museen enthaelt, ist recht huegelig und so wird es zum leichten Fruehsport, die etwa 10 Gehege in natuerlicher Umgebung aufzusuchen und die einzelnen Entwicklungsstufen eines Pandabaeren zu erleben. Also die Kleinen sind gar nicht mehr so klein, Klettern, fressen und schlafen. Die etwas Groesseren fressen und schlafen und die Grossen schlafen. Na ja. Fressen werden Sie wohl auch mal.
Interessanter ist da schon eher die Zuchtstation. Und weil die Pandas eher zu kleine ….. hmmmm haben, wirds eh oft nix mit der Zeugung, also muss nachgeholfen werden. Man(n)uel und in Narkose. So was, Spass gibts auch keinen. Aber immerhin Nachwuchs, der wird dann injected. Daraus werden meist Zwillinge und frueher ging eines lieber wieder zu Buddah, als sich mit Wuermern und sonstigen Unannehmlichkeiten dieser Welt auseinander zu setzen. Und weil man so ein Bambusbaerleben erst mit 150 gr. also so viel wie die Fleischeinlage einer Burgerkingbulette beginnt, keine entwickelten Augen fuer die Schoenheiten eines Bambuswaldes und noch nicht mal von der Stelle kriechen kann, wundert es einen nicht, warum die Nachzucht dieser Tiere meist nicht gelungen ist. Das ist jetzt einfacher. In der Babystation liegen alleine 3 Babys in Brutkaesten, von Infusionskabeln und Schwestern umgeben, die jedes Windchen der Kleinen registrieren. Daneben gibt es einen Krabbelgarten fuer die Groesseren. Die krabbeln schon nach Sage und Schreibe 3-4 Monaten auf dem Bauch durch den Laufkaefig und als eines an einem Gitterstab haengen bleibt, schreit es so laut und durchdringend wie ein Kleinkind, dass die Schwester gleich gerannt kommt und es aus seiner misslichen Lage befreit. Na denne. Wieder alles gut.
Es gibt uebrigens noch ca. 5000 Rote Pandas, sehen aus wie Pandas in Waschbaergroesse und sind durchaus sehr aufgeweckte aber auch aggressive Tierchen, die sich staendig ihren Rang in Frage stellen. Allerdings durchaus nicht freundlich.
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