Monatsarchiv für Oktober 2008

Michael Heil

Kuala Lumpur und der Ramadan

Tja, ruck zuck sitz ich schon wieder im Flieger und komm mir vor, wie ein Businesstouri. Also rein in den Flieger, raus aus dem Flieger, Rucksack und mein extra Wheeler für Offroad-Touren packen und Hotels testen. Dazwischen Freunde besuchen, und ein wenig von Land und Leuten mitbekommen, aber irgendwie im Dauerlauf. Suleiman, genannt Leman wartet auf mich. Hat früher in Heidelberg gewohnt und ich kenn ihn vom Badmintonspielen. Getrennt von Frau und Familie ging er vor 2 Jahren zurück nach Malaysia und arbeitet für seinen Bruder, der einige Boutiquen am Flughafen hat, als Einkäufer. Mit seiner Ausbildung als Sportlehrer und 10 Jahre Koch im Restaurant bringt er natürlich die besten Voraussetzungen mit und versucht, mich ständig von den Vorzügen seiner Mitbringselware zu überzeugen. Dummerweise ist der im Streß, weil heute ist Schluß mit Ramadan und Neujahr für die Moslems und damit darf wieder jeder soviel essen und vor allem wann er will. D.h. seine Freunde warten auf uns mit einem durchgebogenen Tisch und es ist ja erst 22 Uhr. Also…. Sharifa, die ich schon in Deutschland kennengelernt habe, ist die malaysische Leiterin der Herba Life Organisation. Die gibt es dort seit ca. 3 Jahren und weil das so gut läuft, wohnt man in einem bewachten Komplex, bei dem Besucher nur mit Anruf, Parkeinweisung usw. reinkommen. Die Gäste sind natürlich Vertreter von Herba Life, von denen einer mit 29 Jahren der in Asien mit Abstand erfolgreichste Verkäufer seine Aufwartung gibt. Ein Haus hat er schon, einen Sportwagen (BMW) und 60000 Ringit (durch 5 geteilt = Euro) Monatslohn. Schwester von Sharifa ist auch schon um die 50 aber sieht aus wie Ende 30, ehemaliges Fotomodell mit Stationen in Paris und Rom. Malaysia kann so europäisch sein….

Morgens ausschlafen und dann in die unvermeidlichen Shopping-Malls. Leman ist leider kein Kulturfreak und also versuche ich noch, die restlichen Einkäufe für Zuhause zu erledigen. Die Malls sind dort wie in Dubai Rieseneinkaufszentren. ein Vielfaches eines Famila-Centers. Aber ich will lieber nach China-Town. Nicht weil ich nicht genug bekommen kann von China, aber da ist wenigstens noch etwas orientalischer Flair (Blödsinn, nur mehr Krempel) und nicht so durchgestylt.

Michael Heil in Kuala Lumpur Zwischen Tee und Aromashops steht da plötzlich ein Kneippbecken und darin ne Menge kleiner Fische und drumrum ein paar Leute, die ihre Füße ins Wasser hängen. Putzerfische wohl. Die Leute kichern und finden es ganz toll. Wir also Schuhe und Socken aus und ausprobieren. Die Fische, Namen unbekannt und nur genannt “Spafish” haben die Angewohnheit, Schuppen und abgestorbene Haut von den Füßen zu zupfen und daher kichern die Leute dauernd, weil es wohl so kitzelt. Ich also rein mit den Füßen und keine 10 Sekunden und die Leute schauen mich schief an. Ich hab alle Fische angezogen und der Rest schaut blöd ins Wasser. Michael Heil in Kuala Lumpur Meine Füße müssen ein Leckerbissen sein. Ist mir das peinlich…. Es zupft und ruckelt an den Zehen und ich bin froh, nichts zu spüren sonst würde ich wohl einen Lachkrampf bekommen. Michael Heil in Kuala Lumpur

Massoud will mich noch länger mit seiner Gastfreundschaft erfreuen. Das heißt, er hat noch ne Menge Freunde, Verwandte und nen vollen Kühlschrank. Aber Australien ist so groß und ich wollte unbedingt noch Sydney sehen.  Dafür bleibt mir leider jetzt aber nur noch ein Nachmittag und ein Vormittag, bevor ich auf dem Rückflug nach Deutschland nochmal kurz in Malaysia Zwischenstation mache.

So ein Flug von Brisbane nach Sydney kostet so ungefähr 70 Euro, wenn man auf die Uhrzeit schaut, keinen Stau hat und seinen Flieger nicht verpaßt. Ok, 30 Euro sind extra fällig für die nächste Maschine und schon beim Anflug freu ich mich auf eine Stadt, die ich nur vom Fernsehen her kenne. Australien fehlte mir ja bisher auf meiner Reiseliste und hier fühle ich mich gleich wie zuhause. Das gesamte Flair der Stadt wirkt nicht nur sehr nach englischem Stil. Sydney selbst als größte Metropole Austaliens macht eher den Eindruck einer größeren Kleinstadt mit ein paar Hochhäusern aber kurzen Strecken zu den wichtigen Plätzen und Straßen. Zum The Rock, Sydneys altem “Viertel” und der Miniaturausgabe der Golden Gate Brigde von 1910 sind es vom Central Station gerade mal 10 Minuten zu “Fuß”. Die Oper liegt nebenan und der Dampferanlegeplatz genau dazwischen. Dampfen tuts wie blöd und wenn da nicht die australischen Alphornbläser wären, die echt gute Mucke machen und das mit funky Beat im Hintergrund, würde wohl mancher nur eilig rüber rennen zur Muschel oder Salatschüssel oder wie das Ding mit konzertivem Inhalt oft genannt wird. Dabei fallen die kleinen Bögen von nah erst richtig auf und so erscheint das Gebäude noch viel filigraner und architektonisch interessanter als von den Bildern im Fernsehen. Dass die Aussis da 14 Jahre nach einem Entwurf eines Holländers gebaut haben und das Gebäude mehr als das 3 fache des ursprünglichen Bugdets verschlang, verzeihen die Bürger wohl gerne. Schließlich ist das ausnahmsweise mal eine gute Investition  gewesen, Touris ins Land zu bringen. Wirklich gute Galerien und Shops runden das pitoreske Ambiente am Hafen ab. Gegenüber auf der anderen Buchtseite liegt die wohl begehrteste Wohngegend Australiens. Auf einem Hügelanstieg ähnlich wie in Heidelberg sind viele zum Teil noch “alte” Häuser, die renoviert und oft mit Bootsanleger Postkartenansichten zum Frühstückstisch bieten. Leider reicht meine Zeit nicht, um dahin zu kommen. Mit einem Schnipps steht schon mein Taxi und bringt mich zurück ins Hotel. Das ist echt schreibenswert. Kein abschätziger Blick. Kein Gedanke an Kofferraumstreß. Die halten sofort, sind zuvorkommend und ich bin Gast. Aaah…

Michael Heil

In Byron Bay

Michael Heil in Australien Massoud hat auf mich gewartet. Die ganze Zeit schon. Er wollte mit mir tauchen gehen. Alleine hat er sich noch nicht dazu aufraffen koennen und so bin ich ihm ein willkommener Tritt in den Hintern, endlich mal auch diese Welt kennenzulernen. Denn einen Tauchschein hat er noch nicht. Ich aber. Und Solveigh, mein Patenkind aus Hamburg, die gerade in Australien und ausgerechnet grade mal 2 Stunden von Massoud weg in der Naehe von Brisbane als Austauschschuelerin 1 Jahr Auszeit von zuhause nimmt, hat ihn auch grade gemacht. Wir treffen uns in Byron Beach und ich erkenn die Kleine kaum wieder. Ein wenig proper, aber auch ziemlich fraulich schon fuer ihre 16 Jahre und kann schon fliessend australisch. Das ist so eine Art englisch, die meinereiner kaum versteht. Bin ja schon einiges Kauderwelsch gewoehnt, vor allem von den Amis, aber die Australier sind schon ne Klasse fuer sich. Nun, weil Perser halt ein sehr soziales Voelkchen sind, haben Sie ueberall ihre Aussenposten aufgestellt, getarnt als Ex und Importlaeden, oder als Hochhausbauer und was sonst noch wenig auffaellt. Massouds Freund in Byron ist Achmed, Name getarnt, und hat grade ein 12 stoeckiges Appartmenthaus gebaut, in das er uns kostenlos einlaedt. Und weil alles so schoen beachig ist und man auf Familie ja viel haelt, kommen Toechter und Sohn und Freunde und Verwandte auch gleich mit. Knapp 2 Stunden von Brisbane wohlgemerkt. Aber da es schon abend ist und um 21.30 Uhr wird es Zeit, an die Beachpromenade zu gehen und noch einen Happen zu essen. So laufen wir denn dann und muessen feststellen, dass die Geschaefte schon lange zu haben. So um 17 Uhr wird geschlossen. Damit die Familien der Angestellten auch noch was vom Tag haben. Aber die Restaurants….. Alle auch schon am Schliessen. 21.30 Uhr ist zappe. Nix mehr. Letzte Chance KFC, Kentacky ….. Huehnchenbrutzler. Das ist alles. Die haben sie ja nicht alle, die Aussies.

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