28.10.2009
Michael Heil in Las Vegas (Teil 2) 1. Abend
Hoffe, ich hab die richtigen Klamotten an. Entweder, beim Dinner ist casual angesagt und die Premiere ist mit Frack und Anzug, oder das Dinner ist der Kracher, und zum Kino geht man mit Straßenklamotten, oder …. ach was. Dann eben bei beidem nicht daneben, die Krawatte in de Däsch, und bei Bedarf um den Hals gehängt. Das wird schon. Treffpunkt: im für amerikanische Verhältnisse mindestens 1 Sterne Restaurant, natürlich auch im Hotel, allerdings im Palms II. Das Hotel hat 2 Türme. Kennen tu ich keinen, Cynthia hab ich noch nicht gesehen, sie hatte Verspätung und lässt mich einigermaßen im Regen stehen, Simon ist mit Joe beschäftigt, der wohl als letzter auftaucht und so sitzen Gäste des Restaurants und Eingeladene von Joe Jackson wild durcheinander in der Bar des Hotels, warten entweder auf ihre Plätze oder Joe Jackson. Leider weiß keiner, wer wer ist und man kann sich vorstellen, wie blöd man sich vorkommt, wenn einer keinem vorstellt. Also einfach mal drauflos quatschen und ab und an wird man ja hoffentlich einen erwischen, der zur Party gehört. Weiteres Problem, das ich schon in New York hatte: amerikanische Promis müssen nicht zwangsläufig bei uns in Europa bekannt sein. Wenn man dann doch einen erwischt und nicht erkennt, ist das aber nicht minder peinlich. Was macht man denn sonst hier, wenn man nicht zum Set gehört???? Ich werde beobachtet. Was macht der da? Wer ist das? Woher kenn ich den? Mir geht auf, dass es den Teilnehmern mit mir geht wie mir mit Ihnen. Bloß nichts Falsches sagen, um sich keine Blösse zu geben. Rein gesellschaftsrethorisch eine reife Leistung, zumal alles auch noch in englisch mit den abenteuerlichsten Akzenten bei wenig dezenter Barmusik stattfindet. Kaum hab ich einen interessanten Gesprächspartner gefunden, der natürlich nicht zur Truppe gehört, kommt Joe mit Simon unbemerkt ins Restaurant, setzt sich schon mal in den Nebenraum und lässt bitten. Aha, so geht das. Vorstellung entfällt und da man sich ja kennt, ist das offensichtlich ja auch nicht notwendig. Joe sitzt, nein, er thront am Ende des Raumes am Tischende und keiner geht hin, um ihn zu begrüßen. Eine merkwürdige Situation. Abgehoben? Ehrfürchtig? Unsicherheit ob der sichtlich fehlenden Etikette? Ich geh hin und sag Hallo, er sollte mich zumindest von meinem kurzen New York Auftritt ja noch kennen. Joe ist ja schon 80, gesetztes Alter also und mit der Sonnenbrille wirkt er schon sehr entrückt. Trotzdem begrüßt er mich nicht mit Handshake sondern wie einen Kumpel mit der Faust, Front, Up n´ Down. Holla. Dieses Ritual hab ich fast exklusiv. Dafür setz ich mich ziemlich weit weg an das andere Ende des Tisches. Ich bin ja hier wohl der unwichtigste Gast und da dräng ich mich nicht vor. Das passt Simon gar nicht, er holt mich vom Platz weg und verscheucht den Börsenmakler aus Kanada, damit ich möglichst nahe bei Joe sitzen soll. Mein Gott, ist mir das peinlich. Mit dabei sind, wie ich später feststellen werde, neben Cyn natürlich, eine Lady Thompson, die eine eigene TV Show hat und sich um Charity Veranstaltungen beschäftigt. Für Fotos hat sie auch gleich eine Mitarbeiterin, Kathy, mitgebracht, die sie entsprechend in Szene setzen soll. Der Börsenmakler aus Kanada eben sowie die von Joe Jackson promoteten Künstlerinnen Taina, Zicka und Chrystal, die gerade versuchen, in die Charts zu kommen. Die Opernsängerin Gabriela Pochinki ist ebenso mit von der Party wie die ehemalige Miss Polen, Monika Spruch, die mittlerweile in den USA lebt und als Filmschauspielerin, Model und Sängerin Karriere macht. Dazu gehören die entsprechenden Manager der Mädels, die alle aussehen wie Edelrapper aus Harlem. Ja – und ich. Rollstuhlhändler aus Deutschland, der einem Freund geholfen hat, sich ins finanzielle Unglück zu stürzen, um ein Magazin mit dem Namen Casting auf den Markt zu bringen. So lauf ich denn auch als Scout für zukünftige Stars auf, der nach Talenten sucht und siehe da, jeder will unbedingt mit mir in Kontakt treten. Miss Polen bietet gar ein Interview in Deutschland an, wenn sie in 6 Wochen in Polen ist. Die Opernsängerin Gabriela will unbedingt Fotos haben, die ich so nebenher ganz offiziell schießen darf und so hab ich an dem Abend die Kappe auf. Das Essen ist eher durchschnittlich, die Gespräche dafür umso interessanter und die Stimmung recht schnell auf einem Niveau, das man sich auf einer Geburtstagsparty wünschen würde. Nix steif, nix peinlich. Joe fordere ich zu verschiedenen Posen mit seinen Mädels auf und als ich rufe, „more sexy please, Joe“, sind alle am lachen und Joe macht gerne mit.
Den Abend schließen wir ab mit einem ausgelassenen Tanzabend in der Rooftopbar, die von allen möglichen Leuten, Gästen wie Einheimischen bevölkert wird. Meine Tanzeinlagen mit den Mädels werden zum Dauerthema für die nächsten 2 Tage und Simon ist mit seinen über 60 Jahren so ausgelassen wie ein 25 jähriger. Na denn, das kann morgen ja was werden.
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