Da war einer mächtig sauer. Kaum 18 Jahre und den Thron von seinem Vater übernommen, der von seinem Leibwächter ermordet wurde, machte sich Alexander erst mal dran, Griechenland zu Einen und dann den Persern einen gehörigen Denkzettel zu verpassen, der sich gewaschen haben sollte. Die haben  bei einem ihrer Überfälle auf Athen die Akropolis so durcheinander gerüttelt, dass die EU sich gemüßigt sah, 2400 Jahre später über 1 Mrd Euro in deren Restaurierung zu stecken. Leider ist sie immer noch so kaputt wie sie Ataxerxes, der Perserkönig damals zugerichtet hatte. Und Alexander, später der Große und überhaupt nicht ängstlich, stellte sich mit 30000 Mann auf dem Weg nach Persepolis Darius III entgegen und schlug ihn trotz 10facher Übermacht in die Flucht. Nun, bei aller Großmachttat ist offenbar Tapferkeit nicht so unbedingt des Persers Ding und so konnte Alex auch den Rest Persiens erobern, also auch die damalige Kaiserstadt Persepolis. Und mit ihr hat der Grünschnabel genau das getan, was die Perser zuvor mit Athen machten. Kleinholz….  Aber mehr dazu später…

 

michael-heil-reisen-teheran-2010-202_0 Michael Heil reist nach Persien und erfährt endlich, warum Treppen erfunden wurden. Für Rollstuhlfahrer gibt es in dem Land aber auch überraschende Erfolgserlebnisse.

 

Der Typ war mein Idol. Oder zumindest einer, dem ich es nachmachen wollte. 1983 treffe ich Massoud zum ersten Mal. Er ist nicht sehr groß, aber männlich. Muskulös und trotz Querschnittlähmung einigermaßen gut zu Fuß unterwegs. Er war der einzige, der einen Bogen mit 28 Kilogramm ziehen konnte, während sich Anfänger wie ich erst einmal mit 16 Kilogramm versuchten. Selbstverständlich traf er regelmäßig ins Schwarze, in die Zehn, während unsereins froh war, wenn der Pfeil nicht zischend in der Decke landete.

 

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Massoud ist Iraner. Er war erst vor einigen Wochen in Deutschland angekommen. Als Angestellter des Energie-unternehmens ABB (das damals BBC hieß) war er in seiner Heimat mit dem Auto verunglückt, kurz bevor er die Pipeline erreichte, die er warten sollte. Schon seit vier Jahren herrscht in seinem Land Ayatollah Chomeini. Die islamische Revolution kennt Kopftuch und Kopfab, aber offensichtlich keine Rehabilitationszentren. Deswegen ist Massoud nun in Heidelberg-Schlierbach, in der Orthopädischen Klinik, wo er mir, einen gerade ausgelernten Polizeibeamten mit einem saublöden Skiunfall, nicht ausweichen kann.

 

Beide haben wir ähnliche Behinderungen, eine inkomplette Querschnittlähmung, die es uns erlaubt, kurze Strecken zu laufen. Er ist schon länger in diesem Krankenhaus und steht kurz vor der Entlassung, während ich das Reha-Programm noch vor mir habe. Als er geht, bleibt eine Freundschaft, die seit nunmehr fast 30 Jahren gehalten hat. Aber ich ahnte damals noch nicht, dass ich Massoud eines Tages die Erkenntnis verdanke, warum es Treppen gibt.

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