15.08.2008
Island 2001 – Tour mit dem Handybike
Ein Reisebericht von Jule Graetke und Michael Heil
Es ist Juli und saukalt. Schwefelhaltiger Geruch steigt mir in die Nase, der Gestank erinnert sehr an faule Eier. Und doch fühle ich mich wohl und entspannt. Lufttemperatur 10° C, Wassertemperatur 30° C. Ich liege in der blauen Lagune, der wohl berühmtesten Therme Islands und erhole mich von der Handybike-Tour von Keflavik nach Reykjavik. Bis jetzt schlappe 50 km und das mit 20 kg Gepäck, Jule hat einen Fahrradanhänger und mindestens 30 kg Gepäck zu schleppen. Zuhause haben wir nicht sonderlich viel trainiert und so würden wir hier am liebsten übernachten.
Geht nicht. Weit und breit nichts frei oder überhaupt zum Übernachten geeignet. Also müssen wir uns wieder aufraffen und irgendeine Pension suchen, die uns aufnimmt. Gebucht haben wir nichts. Aus Prinzip, denn wir wollen ein Land kennenlernen, das nur wenige als ihr Urlaubsziel aussuchen. Und dabei gibt es hier unglaubliche Naturschönheiten und Menschen, die viel europäischer leben und denken, als wir glauben wollen.
Der Arm wird mir lahm, was sag ich – die Arme. Die Halsmuskulatur ist völlig verspannt. Der Rücken tut unsäglich weh. Vor mir ein etwa 500 m langer steiler Anstieg und Jule fährt schon in Trance fast außer Sichtweite vor mir her. Kein Haus in Sicht, keine Herberge weit und breit. Alle 5 Minuten fährt ein Auto an uns vorbei und so langsam verfluche ich unseren spleenigen Einfall, nach Island zu fahren auf diese gottverlassene Insel, die kein Erbarmen kennt. Nicht für mich jedenfalls. Ich bin fertig. Nur noch 8 km bis Reykjavik. Und dann: Der Bremszug reißt. Der Bowdenzug muß bei jeder Umdrehung der Kurbel Zug- und Druckbelastungen aushalten, wir sind gerade mal 70 km unterwegs und jetzt das. Bergauf ist das ja egal, aber wo es raufgeht, geht es auch wieder runter und Hilfe ist nicht zu erwarten.
Reykjavik ist die größte Stadt auf Island. Mit ca. 80.000 Einwohnern etwa so groß wie Marburg. Nirgendwo Superlative, die haben wir auch gar nicht gesucht. Aber eins steht fest: Reykjavik ist die teuerste Stadt (vielleicht außer Tokio), in der ich bis jetzt gewesen bin. Schlappe 80,- DM für ein Bett ohne Frühstück und Bettdecke. Schlafsack ist mitzubringen. 8,90 DM für einen Hamburger und 6,90 DM für ein paar Informationen von Zuhause sind an der Tagesordnung. Eine Flasche Bier kostet 13,- DM. Oh hab ich Durst.
Der Berg ist geschafft, mit 3 km/h bin ich hinaufgeschlichen und freue mich auf ein Bett, eine heiße Suppe und ein kühles Glas Bier. Die Erholung an der Blauen Lagune ist aufgebraucht. Am 2. Tag auf der Insel muß ich schon alle Energie zusammennehmen und ich wollte doch noch auf den Gletscher, zu den Gysiren und dem berühmten Wasserfall Gullfoss. Noch 6 km und ich hab keine Bremsen mehr. Was soll´s, ich bin froh, daß ich überhaupt rolle. Die Landschaft interessiert mich überhaupt nicht mehr. Ja vorhin, 30 km her, da haben wir sogar noch einen Abstecher gemacht. Von der Landstraße in einen Nebenweg hin zu einem eigentümlichen Ort, wo lauter merkwürdige Gegenstände an langen Leinen hingen und klapperten. Ein endloses Feld mit nackten Stangen auf dem Boden lag vor uns und wie Wäscheleinen mit Holzstangen als Stützen schienen uns die langen Schnüre, an denen – na was – Fischköpfe hingen. Hunderte, Tausende, unzählige Fischköpfe hingen hier zum Trockenen und wurden, wie wir später sahen, mit großen Lkw in die Stadt befördert. Trockenfisch, eine Spezialität auf Island. Aber das war eben vorhin…
Den vollständigen Bericht mit Bildern und viele weitere findet ihr auf www.rehability.de
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