Archiv für das Tag 'Australien'

Massoud will mich noch länger mit seiner Gastfreundschaft erfreuen. Das heißt, er hat noch ne Menge Freunde, Verwandte und nen vollen Kühlschrank. Aber Australien ist so groß und ich wollte unbedingt noch Sydney sehen.  Dafür bleibt mir leider jetzt aber nur noch ein Nachmittag und ein Vormittag, bevor ich auf dem Rückflug nach Deutschland nochmal kurz in Malaysia Zwischenstation mache.

So ein Flug von Brisbane nach Sydney kostet so ungefähr 70 Euro, wenn man auf die Uhrzeit schaut, keinen Stau hat und seinen Flieger nicht verpaßt. Ok, 30 Euro sind extra fällig für die nächste Maschine und schon beim Anflug freu ich mich auf eine Stadt, die ich nur vom Fernsehen her kenne. Australien fehlte mir ja bisher auf meiner Reiseliste und hier fühle ich mich gleich wie zuhause. Das gesamte Flair der Stadt wirkt nicht nur sehr nach englischem Stil. Sydney selbst als größte Metropole Austaliens macht eher den Eindruck einer größeren Kleinstadt mit ein paar Hochhäusern aber kurzen Strecken zu den wichtigen Plätzen und Straßen. Zum The Rock, Sydneys altem “Viertel” und der Miniaturausgabe der Golden Gate Brigde von 1910 sind es vom Central Station gerade mal 10 Minuten zu “Fuß”. Die Oper liegt nebenan und der Dampferanlegeplatz genau dazwischen. Dampfen tuts wie blöd und wenn da nicht die australischen Alphornbläser wären, die echt gute Mucke machen und das mit funky Beat im Hintergrund, würde wohl mancher nur eilig rüber rennen zur Muschel oder Salatschüssel oder wie das Ding mit konzertivem Inhalt oft genannt wird. Dabei fallen die kleinen Bögen von nah erst richtig auf und so erscheint das Gebäude noch viel filigraner und architektonisch interessanter als von den Bildern im Fernsehen. Dass die Aussis da 14 Jahre nach einem Entwurf eines Holländers gebaut haben und das Gebäude mehr als das 3 fache des ursprünglichen Bugdets verschlang, verzeihen die Bürger wohl gerne. Schließlich ist das ausnahmsweise mal eine gute Investition  gewesen, Touris ins Land zu bringen. Wirklich gute Galerien und Shops runden das pitoreske Ambiente am Hafen ab. Gegenüber auf der anderen Buchtseite liegt die wohl begehrteste Wohngegend Australiens. Auf einem Hügelanstieg ähnlich wie in Heidelberg sind viele zum Teil noch “alte” Häuser, die renoviert und oft mit Bootsanleger Postkartenansichten zum Frühstückstisch bieten. Leider reicht meine Zeit nicht, um dahin zu kommen. Mit einem Schnipps steht schon mein Taxi und bringt mich zurück ins Hotel. Das ist echt schreibenswert. Kein abschätziger Blick. Kein Gedanke an Kofferraumstreß. Die halten sofort, sind zuvorkommend und ich bin Gast. Aaah…

Michael Heil

In Byron Bay

Michael Heil in Australien Massoud hat auf mich gewartet. Die ganze Zeit schon. Er wollte mit mir tauchen gehen. Alleine hat er sich noch nicht dazu aufraffen koennen und so bin ich ihm ein willkommener Tritt in den Hintern, endlich mal auch diese Welt kennenzulernen. Denn einen Tauchschein hat er noch nicht. Ich aber. Und Solveigh, mein Patenkind aus Hamburg, die gerade in Australien und ausgerechnet grade mal 2 Stunden von Massoud weg in der Naehe von Brisbane als Austauschschuelerin 1 Jahr Auszeit von zuhause nimmt, hat ihn auch grade gemacht. Wir treffen uns in Byron Beach und ich erkenn die Kleine kaum wieder. Ein wenig proper, aber auch ziemlich fraulich schon fuer ihre 16 Jahre und kann schon fliessend australisch. Das ist so eine Art englisch, die meinereiner kaum versteht. Bin ja schon einiges Kauderwelsch gewoehnt, vor allem von den Amis, aber die Australier sind schon ne Klasse fuer sich. Nun, weil Perser halt ein sehr soziales Voelkchen sind, haben Sie ueberall ihre Aussenposten aufgestellt, getarnt als Ex und Importlaeden, oder als Hochhausbauer und was sonst noch wenig auffaellt. Massouds Freund in Byron ist Achmed, Name getarnt, und hat grade ein 12 stoeckiges Appartmenthaus gebaut, in das er uns kostenlos einlaedt. Und weil alles so schoen beachig ist und man auf Familie ja viel haelt, kommen Toechter und Sohn und Freunde und Verwandte auch gleich mit. Knapp 2 Stunden von Brisbane wohlgemerkt. Aber da es schon abend ist und um 21.30 Uhr wird es Zeit, an die Beachpromenade zu gehen und noch einen Happen zu essen. So laufen wir denn dann und muessen feststellen, dass die Geschaefte schon lange zu haben. So um 17 Uhr wird geschlossen. Damit die Familien der Angestellten auch noch was vom Tag haben. Aber die Restaurants….. Alle auch schon am Schliessen. 21.30 Uhr ist zappe. Nix mehr. Letzte Chance KFC, Kentacky ….. Huehnchenbrutzler. Das ist alles. Die haben sie ja nicht alle, die Aussies.

Michael Heil

Wo ist der Fisch???

Ok, Byron Beach ist ein Surferparadies. So wie nebenan Surfers Paradise. Und eben nicht oder nicht mehr das Reef. Das ist etwa 100 km noerdlich. Aber Riffe hat es da auch und eben Achmeds Appartementhochhaus. Und so suchen wir uns eine Tauchstation und machen einen Termin aus am nachsten Morgen. Aber Massoud darf nicht mit. Kein Schein, kein Tauchgang, auch kein Schnuppertauchen. Er ist betruebt, will aber wenigstens aufs Schaukelboot und uns beim Tauchen zuschauen. Michael Heil in Australien Wir also dahin und obwohl leicht vorbereitet, dass da ein Rollstuhlfahrer kommt, zieht sich die Versicherungsfalte des Tauchstationisten ziemlich zusammen. Ob ich nicht vielleicht erst am Montag kommen wollte, da waer das Wasser etwas ruhiger, ausserdem ist die Sicht nicht so gut. Und ueberhaupt, mein Tauchschein ist in deutsch und das kann er nicht lesen. Und weil Jule die Eintraege immer nur bei sich hat machen lassen, steht bei mir im Logbuch auch nix drin. Also kein Aegypten, kein Kuba, kein Tuerkeitauchgang. Hawaii hab ich dann auch verschwiegen. Das war eh nur ein Schnuppertauchgang und ohne Schein damals. Er ziert sich. Michael Heil in Australien Ich nicht. Ich will mit und das jetzt. Er gibt auf. Zum Schluss sitzen 2 Anfaenger, Solveigh und ich sowie 4 Tauchguards mit im Boot und so hat quasi jeder seinen Aufpasser dabei. Schlimmer wie in China vor 20 Jahren. Was solls. Immerhin ist das Equipment ok und das Boot im Wasser. Allerdings ein etwas groesseres Schlauchboot mit noch etwas groesseren Motoren. Die Wellen sind in der Tat heftig und dann auch noch Gegenwind. Wir stechen mit 35 Milen in See und die Gischt ist so stark, dass wir eigentlich zum Tauchen nicht mehr ins Wasser springen muessen.Massoud schaut etwas betroeppelt. Schliesslich hat er nur normale Klamotten an. Und als Rollstuhlfahrer mit fast keinen Beinfunktionen ist das Festhalten fuer ihn an Bord so eine Sache. Die Wellen haben gut und gerne 3-4 m Hoehe und der Bootsfuehrer hat alle Ruder voll zu tun, dass wir nicht kentern. Es geht raus zur Cook-Island. Einem winzigen Inselchen vor der Kueste, eher ein Felsen. Dort gehts ab ins recht kuehle Wasser, wir haben ja erst Anfang Fruehling fuer die Aussies und nach etwa 5 Jahren Pause zwischen meinem letzten Tauchgang bin ich doch noch etwas unbeholfen. Solveigh macht sich schon sehr gut. Keine Spur von Angst oder Nervositaet. Schliesslich hat es hier in der Gegend auch Haie. Vom grossen Weissen ueber den Bullenhai und den Tigerhai sind alle aggressiven Sorten vertreten und jedes Jahr faellt ihnen auch ein Surfer oder zwei zum Opfer. Auch aus Solveighs Clique hat es einen Freund letztes Jahr erwischt. Wir gehen auf 12 m runter und schauen uns das prachtvoll Nichts an. Was ist hier los. Keine Fische. Kaum Korallen und nur Seegurken, Seeigel und -sternchen. Ich bin reichlich enttaeuscht. Einen kleinen Clownsfisch, so was wie einen Steinbeisser und das wars. Ach ja, Schildkroeten waren auch da. Grosse sogar. Solveigh ist es in der Pause so uebel, dass Sie sich zum Fischfuettern entschliesst. Vielleicht kommen dann ja welche. Ich muss allerdings zugeben, das die Stroemung unter Wasser grade als Brandung auf den etwas groesseren Felsen nicht so ohne war. Ohne Flossen, die mir ja nichts bringen und nur mit Armpaddeln ist mit Vortrieb nicht viel und teilweise treib ich sogar ab. Dabei hau ich mir dauernd die Sauerstoffflasche an den Kopf und hab spaeter ne regelrechte Platzwunde. Mit meinen 8 Kilo Blei um die Huefte hab ich auch so meine Probleme. Die rutschen mir dauernd runter und ich hab meine liebe Mueh und Not, die nicht zu verlieren. Der Rueckweg war dann noch mal Australienabenteuer pur. Massoud hatte sich so verkrampft festhalten muessen, dass er noch tagelang Muskelkater hat. Aber manchmal hab ich echt gedacht, jetzt zerlegts das Boot. Wir sind in Wellentaeler reingekracht, dass es erstaunlich war, was so ein Boot aushaelt. Aber die Aussies hatten ihren Spass dabei.

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