Hunger treibt. Nach einem anstrengendem Besuch der Chengdoer Innenstadt taucht die Stadt mit ihren ca. 10 Mio. Einwohnern in eine farbenfrohe Metropole, die von Werbeflaechen und Lampions ueberflutet ist und geradezu Lust auf ein ausgedehntes Dinner machen. Ich such also ein mir moeglichst vertrauenswuerdiges Lokal, das mir auch die hygienische und ich gebs zu, auch etwas gewohnte chinesische Kueche garantiert. Die ersten Moeglichkeiten lass ich aus. Kommt ja sicher noch was besseres. Allerdings ist es durchaus nicht einfach, ueberhaupt irgendwo reinzukommen, wo keine Stufen oder sonstigen Hindernisse aufgebaut sind, um boese und schlechte Geister (wie mich) aussen vor zu halten. Die Unsitte hat Methode und ist traditionell sogar in der “Verbotenen Stadt” Standard. So langsam werd ich ungeduldig. Sind schon 1 km und noch immer kein Lokal, das mir zusagt. Ich komm zum Wenshu Tempel. Ein touristisch wirklich sehr ansprechendes und traditionelles Ensemble von Buergerhaeusern des 18. Jhd., das neben einem grossen Kloster mit beruehmten Buddhas natuerlich besetzt ist, Balken vor der Tuer hat und leider mehr Fastfood anbieten. Das wollt ich ja grade nicht. Also weiter. Nach 2 km dann haengt mein Magen und meine Lust auf Suche an einem Drachengiebel und so langsam ist es mir egal, was die anbieten, ich hab Kohldampf. 5 Stufen sind ja auch machbar und wer ist da schon waehlerisch. Dass da nur Einheimische sitzen, ist mir auch egal. Wenn die Touris nicht wissen, wo’s gut ist – deren Problem. Ich also rein. 5 Mann haben mich die paar Stufen wie auf einer Saenfte waehrend eines Erdbebens der Staerke 7 raufgehievt und ich bekomme einen Platz zugewiesen. Essen und Reden ist international. Man bracht nur mit dem Kopf nicken und versteht sich. Bloed nur, dass alle Tische ein Loch in der Mitte haben. Alle Plaetze sind mit mindestens 4-5 Leuten besetzt. Aber die Chinesen haengen ja auch sonst in Grossgruppen aufeinander. Aber irgendwas stimmt da was nicht. Ueberall haben die grosse Wok-Toepfe im Tischloch versengt und der wird offensichtlich von der Leuten selbst bekocht. Und wer mich kennt, der weiss – das wird nix. Aber ich bin schon 1 1/2 Stunden unterwegs, es ist 21.45 Uhr und ich will nicht noch mal auf die Strasse. Also Menue her. – Der naechste Mist. – Die Menues sind ueberall mit bebilderten Gerichten versehen, damit man als Touri sieht, was man bestellt, wenn man schon nicht weiss, was es ist. Fehlanzeige eben. Und dazu noch eine Menge englischer Uebersetzungen mit Worten, die ich noch nie gehoert habe. Bleibt also zu vermerken: alles anders, als ich es mir vorgenommen habe. Aber wir sind ja nicht zum Spass hier. Wollten ja nicht in die Pizzabude und eben neues kennenlernen. Sonst koennen wir ja auch gleich zuhause bleiben. Was soll ich denn sonst hier reinschreiben.
Ich leg los. Nr. 5, 8, 19, 25 und 33. Das muesste reichen und wenn was dabei ist, was nicht schmeckt, dann lass ich es eben. Hab ja genug Auswahl. Jeder Anflug von Zweifel mit dem Hauch des Versuches zu fragen, was das ist, lass ich recht schnell bleiben. Denn keiner spricht hier englisch. Ich red also zu mir selbst. wenn ich frage: ist das fett oder mariniert? Ist das von der Ente Brust oder Keule? usw.
Ich bekomme also auch so einen Topf mit einer Bruehe, in der allerlei Gemuese und sonstiges undefinierbares drin rumschwimmt. Durchaus nicht unappetittlich. Aber dann kommts: in Chilly eingelegtes Schweinefleisch, Pulpos, Rueben, und zuletzt Gaensemagen, Algenblaetter und als einzig bekanntes Dumpings, das sind Maultaschen gefuellt mit schmackhafter Fuellung. Und weil ich so gar nichts mit dem Zeug weiss, wie und vor allem wie lange das gekocht werden soll, erbarmt sich einer der Kellner, und schmeisst die Zutaten in die Bruehe. Und weil ich das auch nicht richtig hinkriege, die einzelnen Zutaten rechtzeitig wieder rauszuholen, bleibt er gleich ganz bei mir. Gut so. Allerdings ist das Schweinefleisch so scharf, dass es kaum geniessbar ist. Die Entenmagenstreifen schmecken nach nix, sehen aber umso furchtbarer aus. Es bleiben ja aber noch die Algenblaetter und die Dumpings. Kurz: ich geh hungrig wieder aus dem Lokal um eine Erfahrung reicher. Immerhin, ich bekomm relativ schnell ein Taxi….