Archiv für das Tag 'Chinesische Mauer'

Michael Heil bei den Paralympics in Peking Xian ist eine 4 Mio Stadt mitten in China. Dass sie einmal eine Kaiserstadt gewesen ist, zeigt man demonstrativ mit einer Mauer, die den ganzen Stadtkern umkreist. Allerdings ist die nachgebaut. So gross wie sie ist mit ca. 3 km Kantenlaenge. Es reicht nicht. Die echte war mehr als 10 km lang. Unvorstellbar. Und dieser Kaiser kann sich auch ruehmen, vor ca. 2600 Jahren die grosse Mauer zum grossen Teil gebaut zu haben. Mehrere Feldzuege haben dazu gefuehrt, dass sein Reich zum Imperium wurde. Aber wo viel Ehr ist, da ist der Feind nicht weit weg und weil der Gernegross ja auch irgendwann mal ins Grab steigen muss, wollte er das wohl nicht ohne Rueckendeckung tun. Also liess er sich noch zu Lebzeiten aus Ton eine Armee bauen, die ihm gefaelligst im Reich der Toten Schutz vor den geschlagenen Feinden geben sollte. Und weil die so viele waren, mussten jede Menge Soldaten her. Also an die 10.000 Tonkrieger in Originalgroesse und in jeder erdenklichen Funktion vom Bogenschuetzen, Fusssoldaten bis zur berittenen Kavallerie mit Pferden und Kutschen, Streitwagen und Marketender, General und was sonst noch so zur Armee gehoert, wurde unter die Erde verbuddelt und sollte dort bis ans Ende der Tage Schutz bieten. Aber wer schuetzt die Armee von oben? Ein Bauer hatte wohl 1975 ein wenig zu tief nach Wasser gebohrt und den Kopf eines Tonsoldaten zutage gefoerdert. Man kann sich die Grossbuddelstelle nur schwer vorstellen, denn was da raus kam, war fuer jeden Archaeologen wohl ein dauererregendes Erlebnis. Jeder Soldat war anders. Jedes Gesicht verschieden. Selbst die Handlinien waren individuell, und daran glauben ja heute noch viele dran, dass eine lange Handlinie auch eine lange Lebensdauer hat. So viel zu dem Thema. Aber oh Schreck. Die Soldaten kamen mit Farbe ins Grab und wieder raus. Aber die viel von der Sonne beschienen sofort in Wohlgefallen ab. Und da man noch keine Sonnencreme fuer Tonsoldaten erfunden hat, muss der Rest der mehr als 4000 noch in der Erde steckenden Kumpels auch noch ne Weile dort bleiben.

Vor 20 Jahren war ich das erste Mal da. Ja, so alt bin ich schon. Verdammt lang her. Und da waren die schon fast so vollzaehlig ausgebuddelt. Was jetzt noch gezeigt wird, sind Bronzewagen und Geschichten, die man aus den Inschriften und der Art der Aufstellung der Armee herauslesen konnte. Die Gebaeude haben mittlerweile Museumscharakter und Filme gibts auch zu sehen. Sehr informativ. Leider gibt es in der grossen Pit (Grabungsstelle) als Rollstuhlfahrer nur einen Balkon zum Draufschauen, die anderen koennen an den Soldaten nach einem Treppenabgang vorbeidefilieren. Ich bin ein wenig veraergert, denn bezahlt hab ich schliesslich den vollen Preis.

Mai Lin kam nicht mit. Die hatte Freunde in der Stadt besucht und die Armee ohnehin schon ein paar mal gesehen. Ich also mit dem Bus ins ca. 50 km entfernte Grabungsgelaende. D.h. ich wollte. Aber am Busbahnhof angekommen warteten ca. 25000 Menschen und auf einer Laenge von ca. 400 m waren jede Menge Buse und davor noch mehr Ticketstaende. Und ihr werdets nicht glauben, alle in chinesisch. Nur in chinesisch. Eines der wichtigsten Touriziele in China und kein Wort englisch.  Aber man lernt langsam die Zeichensprache und jetzt sollte jeder mal sich ein Zeichen fuer Terrakottasoldat ueberlegen. Wer das gut macht, dem sag ich auch die Busnummer, mit der er dann direkt dort ankommt…..

Michael Heil

Die Mauer steht noch!!

Michael Heil bei den Paralympics in Peking Ich glaubs gar nicht. Zum ersten Mal, seit ich hier bin, seh ich den Himmel. Blau. Himmelblau. Ich dachte echt, hier gibt es nur Dauernebel. Smog und kein bisschen Sonne. Aber gestern warn wir noch zum Abhaengen auf einer Partymeile in der Naehe der Altstadt und haben leider Pech, da es dauerregnet. Das hat aber wohl die Luft gereinigt und so haben wir heute dieses einzigartige Vergnuegen. Also rauf auf die Mauer. Unser Fotograph hat hierzu eine Uniform eines Wachsoldaten besorgt und zusammen mit Gamaschen, Maomuetze und einer Wasserflasche, ne Flinte war leider nicht drin, machen wir uns auf den Weg an die grosse Mauer. Vor 20 Jahren war ich schon mal hier und das auch noch an Weihnachten. Etwa 1 Stunde von Beijing entfernt hatte es nicht weniger als -20 Grad im Wind. Nicht zum Aushalten und ausserdem kaum etwas gesehen. Zum Teil ist die Mauer so steil, dass selbst Leute gut zu Fuss Probleme haben, nicht abzurutschen, Treppen gibts nur an den Tuermen. Aber wohl zu den Olympischen Spielen haben sie einige Abschnitte vollkommen renoviert, gut sortierte und nett aussehende Verkaufshaeuschen gebaut und fuer Rollstuhlfahrer sogar am ersten Stueck Rampen gebaut, so dass man an Stellen kam, bei denen die ganze Region eingesehen werden kann. Und das ist echt spektakulaer. Man kann sich nicht vorstellen, wie die Menschen damals auf mehr als 4000 km Laenge in teilweise absolut gebirgigem Gelaende Mauern und Tuerme errichten konnten. Es sind aber auch viele Tausend Arbeiter dabei ums Leben gekommen. Und hier wollte ich ein Foto.

Als Rollstuhlfahrer die Mauer bewachen, in Uniform und auch noch als Auslaender, mehr Widerspruch geht nicht. Aber darum geht es ja. Und abgesprochen ist es auch noch. Unsere Mittelsleute von der Regierung fanden die Idee so absurd, dass sie schon wieder gut war. Jetzt muss die Umsetzung aber auch 100% stimmen. Wir suchen uns also bei bestem Wetter einen geeigneten Platz, wo die Szene authentisch und mit einem gehoerigen Stueck Mauerverlauf aufs Bild kommt. Dabei laufen oder vielmehr stehen immer mehr Touris um uns rum und gerade die Chinesen finden die Szene offenbar so gelungen, dass sie sich dauernd mit mir ablichten lassen wollen. Wenn ich nen Hut haette rumgehen lassen, waer meine Reise bezahlt.

Den Rest des Tages verbringe ich wieder auf dem Olympiagelaende und schau mir mal die Ausstellungen an. Die Expo waere hier auch gut repraesentiert. Es ist unglaublich, mit welchem Aufwand die Firmen selbst fuer die Paralympics hier praesent sind. Aber bei den Massen an Besuchern ist jedes Stadion ausgebucht. Die Stimmung gigantisch. Deutsche Beteiligung mal wieder Mangelware.

Leider trenne ich mich von Qian qian. Sie moechte lieber noch eine Woche in Beijing bleiben und ausserdem ist die ganze Sache etwas organisatorisch aus dem Ruder gelaufen. So aufwaendig war vor allem die Fototour nicht geplant und Erfahrung sind dazu halt Mangelware. Aber besser so eine Entscheidung jetzt als zu einer Zeit, wo wir gemeinsam irgendwo in China stehen. Ich muss also jetzt ohne Dolmetscherin auskommen und das in einem Land, bei dem ein Taxifahrer noch nicht einmal die romanische Schriftsprache lesen kann geschweige denn verstehen. Das wird lustig, oder vielmehr eben nicht. Aber man waechst ja bekanntlich an seinen Herausforderungen…