16.09.2008
Die Terracotta-Armee in der Tangmetropole
Xian ist eine 4 Mio Stadt mitten in China. Dass sie einmal eine Kaiserstadt gewesen ist, zeigt man demonstrativ mit einer Mauer, die den ganzen Stadtkern umkreist. Allerdings ist die nachgebaut. So gross wie sie ist mit ca. 3 km Kantenlaenge. Es reicht nicht. Die echte war mehr als 10 km lang. Unvorstellbar. Und dieser Kaiser kann sich auch ruehmen, vor ca. 2600 Jahren die grosse Mauer zum grossen Teil gebaut zu haben. Mehrere Feldzuege haben dazu gefuehrt, dass sein Reich zum Imperium wurde. Aber wo viel Ehr ist, da ist der Feind nicht weit weg und weil der Gernegross ja auch irgendwann mal ins Grab steigen muss, wollte er das wohl nicht ohne Rueckendeckung tun. Also liess er sich noch zu Lebzeiten aus Ton eine Armee bauen, die ihm gefaelligst im Reich der Toten Schutz vor den geschlagenen Feinden geben sollte. Und weil die so viele waren, mussten jede Menge Soldaten her. Also an die 10.000 Tonkrieger in Originalgroesse und in jeder erdenklichen Funktion vom Bogenschuetzen, Fusssoldaten bis zur berittenen Kavallerie mit Pferden und Kutschen, Streitwagen und Marketender, General und was sonst noch so zur Armee gehoert, wurde unter die Erde verbuddelt und sollte dort bis ans Ende der Tage Schutz bieten. Aber wer schuetzt die Armee von oben? Ein Bauer hatte wohl 1975 ein wenig zu tief nach Wasser gebohrt und den Kopf eines Tonsoldaten zutage gefoerdert. Man kann sich die Grossbuddelstelle nur schwer vorstellen, denn was da raus kam, war fuer jeden Archaeologen wohl ein dauererregendes Erlebnis. Jeder Soldat war anders. Jedes Gesicht verschieden. Selbst die Handlinien waren individuell, und daran glauben ja heute noch viele dran, dass eine lange Handlinie auch eine lange Lebensdauer hat. So viel zu dem Thema. Aber oh Schreck. Die Soldaten kamen mit Farbe ins Grab und wieder raus. Aber die viel von der Sonne beschienen sofort in Wohlgefallen ab. Und da man noch keine Sonnencreme fuer Tonsoldaten erfunden hat, muss der Rest der mehr als 4000 noch in der Erde steckenden Kumpels auch noch ne Weile dort bleiben.
Vor 20 Jahren war ich das erste Mal da. Ja, so alt bin ich schon. Verdammt lang her. Und da waren die schon fast so vollzaehlig ausgebuddelt. Was jetzt noch gezeigt wird, sind Bronzewagen und Geschichten, die man aus den Inschriften und der Art der Aufstellung der Armee herauslesen konnte. Die Gebaeude haben mittlerweile Museumscharakter und Filme gibts auch zu sehen. Sehr informativ. Leider gibt es in der grossen Pit (Grabungsstelle) als Rollstuhlfahrer nur einen Balkon zum Draufschauen, die anderen koennen an den Soldaten nach einem Treppenabgang vorbeidefilieren. Ich bin ein wenig veraergert, denn bezahlt hab ich schliesslich den vollen Preis.
Mai Lin kam nicht mit. Die hatte Freunde in der Stadt besucht und die Armee ohnehin schon ein paar mal gesehen. Ich also mit dem Bus ins ca. 50 km entfernte Grabungsgelaende. D.h. ich wollte. Aber am Busbahnhof angekommen warteten ca. 25000 Menschen und auf einer Laenge von ca. 400 m waren jede Menge Buse und davor noch mehr Ticketstaende. Und ihr werdets nicht glauben, alle in chinesisch. Nur in chinesisch. Eines der wichtigsten Touriziele in China und kein Wort englisch. Aber man lernt langsam die Zeichensprache und jetzt sollte jeder mal sich ein Zeichen fuer Terrakottasoldat ueberlegen. Wer das gut macht, dem sag ich auch die Busnummer, mit der er dann direkt dort ankommt…..
