Archiv für das Tag 'Mao'

Michael Heil

May Lin lässt mich im Stich….

Nach Qianqian und May Lin bin ich nun frau- und ein wenig hilflos den Chinesen ausgeliefert. Taxis und Restaurants, normale Leute auf der Strasse, keiner versteht mich. Das geht mir zwar zuhause manchmal auch so, aber da kann man wenigstens noch diskutieren. Hier helfen keine noch so weit her geholten franzoesisch- oder italienisch Brocken. Aber immerhin werde ich vom Sim’s Cozy Hostel abgeholt. Mit den Jugendherbergen ist es in der Tat einfacher zu reisen, da sich hier alle moeglichen Touris treffen und die Moeglichkeit, sich anzuschliessen, am groessten ist. Ausserdem kann man sicher sein, dass die “Amtssprache” englisch ist. Und der Service ist am Rucksacktouristen ausgerichtet und beginnt oft eben schon am Flughafen. Der Service kostete uebrigens grade mal 50 Yuan. Das sind 5 Euro und zum Vergleich: um von Frankfurt nach Heidelberg gefahren zu werden, wollen die Taxis ganze 160 Euros. Auch ne einfache Fahrt in die Stadt kostet hier grade mal 7 – 10 Yuan. Also nicht mal einen Euro. Da ist nicht nur handeln sinnlos. Bussuche entfaellt. Die verstehen einen ja noch weniger. Kostet dafuer aber auch oft nur einen Yuan oder 2 oder 3. Also May Lin hat mich noch um 6 Uhr morgens zum Flughafen begleitet aber mit etwas glasigem Blick good bye gesagt. Reisen ist manchmal halt auch menschlich. Und Chengdo eine Stadt mit etwa 7-8 Mio Einwohnern. Wie sich herausstellt, ist die Stadt alles andere als provinziell. Was sich da an Fussgängerzonen und Konsumtempeln ballt, ist atemberaubend. Mir faellt als Vergleich eigentlich nur Kaufrausch ein. In seiner aggressivsten Form. So viele junge Maedels sind auf dem Trip, alles nachholen zu wollen, was die Eltern und Grosseltern versaeumt haben. Kommunismus Fehlanzeige. Michael Heil bei den Paralympics in Peking Ich hab zwar hier die erste Maostatue gesehen, dafuer aber auch 20 m hoch. Die KP, also die Kommunistische Partei braucht den Alten noch, um sich am Leben zu halten. Und wie krotesk das aussieht, wird hier am besten deutlich. “Werdet reich”, hat ja Deng Xiao Ping seinen Landsleuten vor 20 Jahren mit auf den Weg gegeben und die haben sich das nicht 2xmal sagen lassen und losgelegt. Dabei hat er wohl Feuer an die groesste Lunte der Menschheit gelegt. Denn dass einige es drauf haben, Kohle zu machen, sieht man ja. Aber es wird eben mit der Zeit immer mehr geben, die es nicht schaffen und die werden zum sozialen Sprengstoff. Da ist Dynamit nix dagegen.

Michael Heil bei den Paralympics in Peking Um 7.30 Uhr geht es gleich los zur Pandafarm. Etwa eine halbe Stunde Fahrt zum etwa 15 Hektar grossen Aufzuchtgebiet, sozusagen dem Umweltschutzvorzeigeprojekt Chinas. Denn schliesslich sind die Pandabären zwar schon seit ca. 6 Mio. auf der Erde, aber durch Abholzung, Industriealisierung und genetisch sowie verhaltenstechnisch bedingten Schwierigkeiten vom Aussterben bedroht.

Zum einen sind die einen Geschlechtsteile zu kurz und die anderen zu lang. Ihr koennt ja selber entscheiden, was zu wem gehoert. Zum anderen koennen die Pandamuetter mit der Erstgeburt oft nix anfangen. Da liegt da ploetzlich ein quaekendes Etwas auf dem Boden und nervt bloss. Ausserdem wiegen die Kleinen i.d.R. nur ca. 120 gr. bei der Geburt und haben noch nicht mal ausgebildete Augen oder Ohren. Also extrem gefährdet. In der freien Wildbahn waeren die Pandas wohl schon lange ausgestorben. Aber weil die Teddies so putzig sind, hat China mit dem Baerchen einen Sympathietraeger , den es unter allen Umstaenden zu erhalten gilt. Es gibt auch noch ca. 5000 rote, kleine Pandas, aber die sind lange nicht so niedlich, weil extrem aggressiv, im Gegensatz zu den Riesenpandas. Die liegen oft nur faul rum und spielen bestenfalls ein wenig miteinander.

Am Abend dann noch einen echten Lama aus Tibet kennengelernt, aber dazu mehr morgen….

Michael Heil

Eine Schnappsidee??

Michael Heil bei den Paralympics in Peking Irgendwie hatte ich schon in Deutschland die Idee, eine kleine Rundreise an die Paralympics dran zu haengen und an den Orten, wo ich bin, ein Foto zu machen, das Erinnerungswert haben sollte. Nicht bloss oede vor nem Haus oder ner Mauer zu stehen und doof zu grinsen sondern eben etwas besonderes.  Man sollte bloss nicht so viel drueber reden, drum schreib ich’ s ja hier rein, damit nicht schon vorher jeder Wind davon kriegt….

Na ja, aber wenn keiner was weiss, dann kann mir auch keiner helfen dabei. Ich brauch naemlich ein “wenig” Vorbereitung dafuer und ohne offizielle Hilfe geht es nicht. Qianqian, meine Begleiterin, soweit sie nicht fuer Radio Handicapped arbeitet und Wei, mein chinesischer Freund, der in Heidelberg studiert hat, bringen mich denn auch mit einer Familie zusammen, die eng mit der Familie Qianqian’s befreundet ist, sowie deren engen Bekannten BaoLin Zhang. Der ist kein geringerer als General Director des China Disabled Persons’s Federation, 2. Mann von ganz oben. Also so was wie ein Staatssekretaer. Dann ist da noch ein Kameramann, der viele Jahre Erfahrung mit der Gestaltung von Imageplakaten fuer Touristische Ziele in China ist und jetzt hab ich ein Problem. Eigentlich wollte ich doch bloss ein paar harmlose Fotos……

Wir treffen uns also in einem chinesischen Lokal zum Mittagessen. Nicht in irgendeinem, nein. Sondern in dem Peking-Ente Restaurant, das von Mao als einzigem betriebswirtschaftlichen Betrieb von den kommunistischen Beschraenkungen ausgenommen bleiben sollte, und das nur, damit die Peking-Ente auch in alle Zukunft so gut schmecken soll. Sagt der Volksmund. Aber wenn man da hin kommt, glaubt man das auch sofort. Nicht nur, weil es eingebettet in einer zukuenftig wohl der edelsten Einkaufsstrassen der Welt liegt. Die ist zur Zeit allerdings noch eine Geisterstadt ganz in der Naehe der Verbotenen. Fehlt nur noch der Strohbueschel wie im Western. Die Laeden sind auf der ca. 500 m langen Strasse noch gar nicht bezogen und trotzdem tummeln sich so viele Menschen dort, dass mir Angst und Bange wird, wenn die auch noch was kaufen koennte. Staedteplaner, so eine Strasse, die schon ohne Laeden so gefragt ist, sollte Vorbild sein fuer so manche triste Grossstadt-Einkaufsmeile.

Jedenfalls wird das Projekt Foto in China im Rollstuhl diskutiert und allgemein fuer gut gefunden. Gerade zu den Paralympics soll die Lage der Behinderten im Land nicht wieder in der Versenkung verschwinden und da waeren Fotos wie diese ein phantastische Gelegenheit. Bloss wie und welche???