18.09.2008
May Lin lässt mich im Stich….
Nach Qianqian und May Lin bin ich nun frau- und ein wenig hilflos den Chinesen ausgeliefert. Taxis und Restaurants, normale Leute auf der Strasse, keiner versteht mich. Das geht mir zwar zuhause manchmal auch so, aber da kann man wenigstens noch diskutieren. Hier helfen keine noch so weit her geholten franzoesisch- oder italienisch Brocken. Aber immerhin werde ich vom Sim’s Cozy Hostel abgeholt. Mit den Jugendherbergen ist es in der Tat einfacher zu reisen, da sich hier alle moeglichen Touris treffen und die Moeglichkeit, sich anzuschliessen, am groessten ist. Ausserdem kann man sicher sein, dass die “Amtssprache” englisch ist. Und der Service ist am Rucksacktouristen ausgerichtet und beginnt oft eben schon am Flughafen. Der Service kostete uebrigens grade mal 50 Yuan. Das sind 5 Euro und zum Vergleich: um von Frankfurt nach Heidelberg gefahren zu werden, wollen die Taxis ganze 160 Euros. Auch ne einfache Fahrt in die Stadt kostet hier grade mal 7 – 10 Yuan. Also nicht mal einen Euro. Da ist nicht nur handeln sinnlos. Bussuche entfaellt. Die verstehen einen ja noch weniger. Kostet dafuer aber auch oft nur einen Yuan oder 2 oder 3. Also May Lin hat mich noch um 6 Uhr morgens zum Flughafen begleitet aber mit etwas glasigem Blick good bye gesagt. Reisen ist manchmal halt auch menschlich. Und Chengdo eine Stadt mit etwa 7-8 Mio Einwohnern. Wie sich herausstellt, ist die Stadt alles andere als provinziell. Was sich da an Fussgängerzonen und Konsumtempeln ballt, ist atemberaubend. Mir faellt als Vergleich eigentlich nur Kaufrausch ein. In seiner aggressivsten Form. So viele junge Maedels sind auf dem Trip, alles nachholen zu wollen, was die Eltern und Grosseltern versaeumt haben. Kommunismus Fehlanzeige.
Ich hab zwar hier die erste Maostatue gesehen, dafuer aber auch 20 m hoch. Die KP, also die Kommunistische Partei braucht den Alten noch, um sich am Leben zu halten. Und wie krotesk das aussieht, wird hier am besten deutlich. “Werdet reich”, hat ja Deng Xiao Ping seinen Landsleuten vor 20 Jahren mit auf den Weg gegeben und die haben sich das nicht 2xmal sagen lassen und losgelegt. Dabei hat er wohl Feuer an die groesste Lunte der Menschheit gelegt. Denn dass einige es drauf haben, Kohle zu machen, sieht man ja. Aber es wird eben mit der Zeit immer mehr geben, die es nicht schaffen und die werden zum sozialen Sprengstoff. Da ist Dynamit nix dagegen.
Um 7.30 Uhr geht es gleich los zur Pandafarm. Etwa eine halbe Stunde Fahrt zum etwa 15 Hektar grossen Aufzuchtgebiet, sozusagen dem Umweltschutzvorzeigeprojekt Chinas. Denn schliesslich sind die Pandabären zwar schon seit ca. 6 Mio. auf der Erde, aber durch Abholzung, Industriealisierung und genetisch sowie verhaltenstechnisch bedingten Schwierigkeiten vom Aussterben bedroht.
Zum einen sind die einen Geschlechtsteile zu kurz und die anderen zu lang. Ihr koennt ja selber entscheiden, was zu wem gehoert. Zum anderen koennen die Pandamuetter mit der Erstgeburt oft nix anfangen. Da liegt da ploetzlich ein quaekendes Etwas auf dem Boden und nervt bloss. Ausserdem wiegen die Kleinen i.d.R. nur ca. 120 gr. bei der Geburt und haben noch nicht mal ausgebildete Augen oder Ohren. Also extrem gefährdet. In der freien Wildbahn waeren die Pandas wohl schon lange ausgestorben. Aber weil die Teddies so putzig sind, hat China mit dem Baerchen einen Sympathietraeger , den es unter allen Umstaenden zu erhalten gilt. Es gibt auch noch ca. 5000 rote, kleine Pandas, aber die sind lange nicht so niedlich, weil extrem aggressiv, im Gegensatz zu den Riesenpandas. Die liegen oft nur faul rum und spielen bestenfalls ein wenig miteinander.
Am Abend dann noch einen echten Lama aus Tibet kennengelernt, aber dazu mehr morgen….
