05.09.2008
Ankunft in Beijing (Peking)
Die Reise hat begonnen. Vielmehr schon vorher. Denn ohne Visa geht nix. Dabei wird einem mitgeteilt, wie sensibel China auf etwaige Stoerungen bei den Olympischen oder auch den paralympischen Spielen reagiert. Fuer jeden Tag, jeden Flug, jedes Hotelzimmer wollen die einen vorher eingereichten Nachweis. Wenn man aber wie ich ja gar nicht weiss, wann man wo sein wird, da ich ja eine Rundreise plane, die nicht schon vorher wie bei Pauschaltouristen feststeht, kann man ja auch keine Buchung vorlegen. Klasse. Was tun? Gottlob sind die Kontakte zu den Organisatoren der Paralympics sehr gut und so hat sich Otto Bock als Hauptsponsor der Spiele in Beijing fuer mich eingesetzt, so dass ich zusammen mit meinen chinesischen Studenten zu allen Hallen und Plaetzen der Spiele akkreditiert bin. Und, das als Superservice dazu, gilt dann auch gleich als Pauschalvisa. Also keine Nachweise. Hinfahren und schauen was passiert.
Schon beim Flug faellt auf, wie sich die Chinesen bemuehen, einen aussergewoehnlichen Service zu bieten. Kein Problem beim Einchecken, extrem hoeflich und zuvorkommend, da kann sich so manch eine Fluglinie eine Scheibe abschneiden. Ich erinnere nur an meine Reise mit BA nach London von Hannover – nie wieder!!!
Interessant auch, wie die Gaeste auf die Paralympics schon im Flieger eingestimmt werden. Vor dem Kinofilm (uebrigens ein amerikanischer Antikriegsfilm mit Szenen, die niemals in einem deutschen Flieger gezeigt wuerden) viele Schnipsel aus den Spielen von vor 2 Wochen und eine Story, die wohl eher fuer die Chinesen gedacht ist aber deren Seelenleben beschreiben soll: ein junger etwa 7 jaehriger Junge mit Orthesen im Rollstuhl und seine Mutter spazieren durch den Wald, als ihnen ein Laeufer entgegenkommt und an einem Ast haengenbleibt. Er faellt ziemlich unsanft und bleibt erst mal benommen liegen. Da wird klar, der hat ja ne Prothese. Grosse Betroffenheit und Ratlosigkeit. Da schuettelt und streckt sich der Gefallene etwas auffaellig und linkisch und schliesslich steht er wieder auf. Mutter und Sohn atmen durch und der Laeufer – na was wohl – laeuft wieder. Der gleiche Laeufer im Stadion, Mutter u. Sohn als Zuschauer in der ersten Reihe und nach dem Startschuss fliegt der Waldlaeufer an allen Konkurrenten vorbei als erster durchs Ziel. Alle stehen auf und applaudieren, so auch der Junge und oh Wunder, man muss nur fest an sich glauben und dann kannst Du wieder gehen. Nun ja, die Paralympics schreiben hoffentlich noch andere Geschichten.
