Is mal wieder so weit. Mein naechstes Ziel ist Shanghai. Ich wollte mal die Grossstadt von naeher betrachten, meine Einkaeufe fuer Zuhause erledigen und ein wenig Nightlife erleben. Schliesslich war davon die letzte Zeit eher wenig moeglich. Ich also wieder zum Flughafen und mittlerweile geht es auch ganz gut. Dass ich den Rollstuhl mit zur Flugzeugtuer nehmen und als erstes am Ziel wieder empfangen kann, ist mittlerweile kein Thema mehr. Aber auf dem Weg zum Flieger muss ich leider ein Stockwerk tiefer, und der Aufzug ist ausgefallen. Also haengen am Ende 5 Chinesen am Rollstuhl und schauckeln mich wie bei einem Erdbeben die Treppen runter.
Wenn ich jetzt aufstehen wuerde, denken die womoeglich, ich mach die zum Narren, also bleib ich schoen sitzen. Unter angekommen stromern dauernd welche um mich rum und fragen mich nach meinem Pass, meinem Ticket und dem Visa. Alle 5 Minuten. Es geht langsam echt auf den Senkel. Ausserdem geht der Flieger ohne Finger. D.h. ich muss wieder die Treppen rauf (laufen). Geht ja, daher mach ich mir auch keine Sorgen. Aber eine Hostess schaut sich mein Visa etwas genauer an und laeuft dann etwas aufgeregt zu den anderen. Die kommen auch noch mal und schauen sich mein Visa an. Darauf ist meine Teilnahme an den Paralympics als Gast des IPC, also des intern. paralymp. Commitees zu sehen. Gast eben nur aber die haben das irgendwie nicht verstanden. Auf jeden Fall wird das Gate geschlossen und kurz vor dem Einchecken werden alle Passagiere gebeten, ein Stockwerk hoeher zu gehen. Mist – haben die zuwenig Passagiere fuer den Flug und legen den mit dem naechsten zusammen? Also die 5 Jungs muessen wieder ran und mit Richterscala 5-7 gehts wieder hoch. Jetzt kann ich noch weniger aus dem Rollstuhl und hochlaufen. Und nach ner halben Stunde warten geht es endlich weiter und ich frag ne Hostess, was denn der Grund der Verzoegerung war:
>Na, wir haben den Flieger vom anderen Terminal geholt und extra zum Fingerterminal umgelegt. Wir koennen doch Olympiateilnehmern nicht zumuten, ueber die Treppe in den Flieger zu steigen. !?!<
Aeh, dass ich dafuer aber erst mal das Stockwerk wieder raufgehievt worden bin, macht da keinen Unterschied und dass die dann auch noch mein Ticket abgegrated haben von Econmy auf First Class, ist eher Nebensache. Auch, wenn dafuer die Leute auf meinem Platz nach hinten beordert wurden. Mein Gott, wie peinlich…..
Ein grosser Rucksack, ein kleiner Rucksack, ein Rollstuhl und ein Crosswheel fuer Offroud Touren. So steh ich am morgen wie schon am Flughafen in Frankfurt abfahrtbereit im Hotel. Das ist noch nicht das Problem. Aber als ich nach 3 Stunden in Xian am Flughafen stehe und keinen Transportservice, ja nicht mal ein Hotel hab, an dem ich absteigen kann, wird mir doch etwas mulmig. Ich dachte, ich kann mich am Flughafen an der Information fuer ein geeignetes Hotel entscheiden und dann mit dem Bus reinfahren. Denkste, die haben zwar einen Service, aber nur wenige Hotels, mit denen die einen Vertrag haben und das sind nur Geschaeftshotels. Aber da treff ich keine Touristen und da Kommunikation hier grundsaetzlich schwierig ist, waer das mein Grab. Keine Infos, keine Hilfe, keine Tipps, nix. So gehts nicht. Ich also auf gut Glueck mit dem naechsten Bus in die Stadt und hoffe, dass ich am Busterminal auf ein paar Rucksacktouris stosse. Da kann ich mich vielleicht anschliessen.
War ja klar. Keine Info und keine Touris. No english und jetzt bin ich ziemlich aufgeschmissen. 40 kg Gepaeck, keine Bleibe und kein Ziel. Keiner der mich versteht und wenn ich so in ein Taxi steig, glotzt der mich nur an. Also such ich ein Internet/Cafe. Ist in Asien eigentlich keine grosse Sache. Denkste. Nix. Gar nix. Und als ich nach 1 Stunde endlich an einer Spielhoelle mit internetaehnlichem Charakter ankomme, fluechtet der Besitzer ziemlich kopflos ins Off. Ich muss ihm vorkommen wie ein grosses Problem und da haut man halt ab. Also weiter schweissgebadet mittlerweile ins naechste Hotel. Dort kann ich endlich ins Internet und mir eine Bleibe suchen.
7 Sages heisst das Hostel und das war das Beste, was mir passieren konnte. Eine ansprechende internationale Herberge, bei der nach ca. 1/2 Stunde meiner Ankunft die gesamte Belegschaft zum Mittagessen und Begruessung ihrer Chefin zusammenkommt und mich zusammen mit anderen Gaesten zum Essen einlaedt. Eine Chinesin, die aeusserst selten mit Trekkingschuhen und professioneller Kamerausruestung alles aufnimmt, ist auch dabei. May Lin heisst sie. Und ab jetzt macht es wieder Spass!!
Alle haben vor den Olympischen Spielen von Smog geredet und dafuer wurden sogar die Fabriken rund um Peking abgeschaltet. Die Fahrzeuge duerfen angeblich immer noch nicht alle fahren. Abwechselnd die mit geraden und ungeraden Nummernschildern. Aber trotzdem ist der Himmel immer so verhangen, als ob dauernd Hochnebel waere. Dabei fahren sogar alle Mofas und Mopeds nur mit Elektromotor. Kein Gestank, kein Krach, so sollte es eigentlich ueberall sein. Trotzdem Smog. Nun ja. Bin mit Qianqian losgezogen, das erste Foto vorzubereiten. Schon vergessen? Ich hatte die Schnapsidee, eine kleine Fotoserie zu schiessen, bei dem ich im Rollstuhl einige Szenen typischer chinesischer Kultur oder Figuren nachstelle. Also ein Westler in der guten Stube der Chinesen und das auch noch im Rollstuhl. Das erste Bild soll der Kaiser oder ein kaiserlicher Beamter sein. Und wo? Natuerlich in der VERBOTENEN STADT. Da, wo Jahrhunderte lang nix erlaubt war. Schon gar nicht den Kaiser kopieren. Sogar die Farbe gelb fuer Gold war Tabu fuer das Volk ebenso wie die Zahl 9. Eine Zahl, die gerade hier in dieser Kaiserstadt ueberall vorkommt. Sogar die Figuren auf dem Dach, immer 9. 9 Saeulen, 9999 Raeume, ebenso viele Bedienstete und so weiter.
Wir kaufen also typische Schuhe, sogar mit Seidensocken und einem Kaeppchen, die Robe wird vom Fotographen mitgebracht. Dann werde ich abgeholt. Wu, der “Onkel” von Qianqian faehrt uns zur verbotenen Stadt, wo wir auch schon erwartet werden von einem passionierten Volunteer, der ein Freund des Staatssekretaers ist und uns die Stellen zeigen soll, wo das Fotographieren (erlaubt?) moeglich sein soll. Er ist zunaechst etwas irritiert und kann wohl mit mir nicht so viel anfangen. Wie denn auch. Aber mit der Zeit wird er neugierig. Fahren auf 2 Raedern, die Treppen vom Kaiserpalast alleine runterhupsen findet er toll und bald finden wir eine Stelle, wo sowohl der Blick auf die Kaiserstadt als auch die Figur mit entsprechendem Licht geeignet erscheint. Natuerlich bin ich schon beim Umziehen in der Oeffentlichkeit die Attraktion der Touristen, die neugierig und vor allem fotographierend alles registrieren, was wir tun. Mehrere Lokations werden ausprobiert und schliesslich haben wir an die 100 Bilder. Dauernd kommen Touris, vornehmlich Chinesen und wollen mit mir auf dem Foto verewigt werden. Also von Majestaetsbeleidigung kann hier keine Rede sein. Eher Belustigung. Mal sehen, was wirklich bei raus kommt. Die Negative werden ja erst noch entwickelt….
Anschliessend gehts wieder zurueck zum Stadion. Die Schwimmer sind so ziemlich jeden Tag dran und auch die Leichtathleten sind nie einsam. Ganze 65000 Zuschauer sind da und was da abgeht ist zuweilen echt irre. Nix busweise Armeesoldaten zum Auffuellen. Die Leute sind aus wirklichem Interesse da. Schon draussen auf dem Expo-aehnlichen Gelaende tummeln sich die Massen. Deutsche Beteiligung bei den Wettkaempfen ist indes rar. Ob beim Schwimmen oder Laufen, dauernd ertoent nur die amerikanische oder chinesische Hymne. Ab und zu dann noch die englische und die australische. Dann kommt lang nix und nach noch mehr nix die deutsche. Hab ich aber noch nicht gehoert. Die Frau Buggenhagen hat es in ihrer exklusiven Sportart Kugelstossen dann doch noch mal geschafft. Mit 55 noch ne Goldmedaille. Beim Blick aber auf die Konkurrenz sowohl zuhause als auch international laesst mich allerdings frieren. Da wird klar, warum wir Damen wie Frau Buggenhagen in der deutschen Mannschaft brauchen. Wenn wirklich Konkurrenz da ist, haben wir sowieso keine Chance auf ein Treppchen. Dann lieber halt die. In der Statistik zaehlt ja alles. So langsam sollten da einige Leute mal aufwachen und in punkto Nachwuchs sich an England oder USA orientieren.