Archiv für das Tag 'Rollstuhlfahrer'

Michael Heil

Wo ist der Fisch???

Ok, Byron Beach ist ein Surferparadies. So wie nebenan Surfers Paradise. Und eben nicht oder nicht mehr das Reef. Das ist etwa 100 km noerdlich. Aber Riffe hat es da auch und eben Achmeds Appartementhochhaus. Und so suchen wir uns eine Tauchstation und machen einen Termin aus am nachsten Morgen. Aber Massoud darf nicht mit. Kein Schein, kein Tauchgang, auch kein Schnuppertauchen. Er ist betruebt, will aber wenigstens aufs Schaukelboot und uns beim Tauchen zuschauen. Michael Heil in Australien Wir also dahin und obwohl leicht vorbereitet, dass da ein Rollstuhlfahrer kommt, zieht sich die Versicherungsfalte des Tauchstationisten ziemlich zusammen. Ob ich nicht vielleicht erst am Montag kommen wollte, da waer das Wasser etwas ruhiger, ausserdem ist die Sicht nicht so gut. Und ueberhaupt, mein Tauchschein ist in deutsch und das kann er nicht lesen. Und weil Jule die Eintraege immer nur bei sich hat machen lassen, steht bei mir im Logbuch auch nix drin. Also kein Aegypten, kein Kuba, kein Tuerkeitauchgang. Hawaii hab ich dann auch verschwiegen. Das war eh nur ein Schnuppertauchgang und ohne Schein damals. Er ziert sich. Michael Heil in Australien Ich nicht. Ich will mit und das jetzt. Er gibt auf. Zum Schluss sitzen 2 Anfaenger, Solveigh und ich sowie 4 Tauchguards mit im Boot und so hat quasi jeder seinen Aufpasser dabei. Schlimmer wie in China vor 20 Jahren. Was solls. Immerhin ist das Equipment ok und das Boot im Wasser. Allerdings ein etwas groesseres Schlauchboot mit noch etwas groesseren Motoren. Die Wellen sind in der Tat heftig und dann auch noch Gegenwind. Wir stechen mit 35 Milen in See und die Gischt ist so stark, dass wir eigentlich zum Tauchen nicht mehr ins Wasser springen muessen.Massoud schaut etwas betroeppelt. Schliesslich hat er nur normale Klamotten an. Und als Rollstuhlfahrer mit fast keinen Beinfunktionen ist das Festhalten fuer ihn an Bord so eine Sache. Die Wellen haben gut und gerne 3-4 m Hoehe und der Bootsfuehrer hat alle Ruder voll zu tun, dass wir nicht kentern. Es geht raus zur Cook-Island. Einem winzigen Inselchen vor der Kueste, eher ein Felsen. Dort gehts ab ins recht kuehle Wasser, wir haben ja erst Anfang Fruehling fuer die Aussies und nach etwa 5 Jahren Pause zwischen meinem letzten Tauchgang bin ich doch noch etwas unbeholfen. Solveigh macht sich schon sehr gut. Keine Spur von Angst oder Nervositaet. Schliesslich hat es hier in der Gegend auch Haie. Vom grossen Weissen ueber den Bullenhai und den Tigerhai sind alle aggressiven Sorten vertreten und jedes Jahr faellt ihnen auch ein Surfer oder zwei zum Opfer. Auch aus Solveighs Clique hat es einen Freund letztes Jahr erwischt. Wir gehen auf 12 m runter und schauen uns das prachtvoll Nichts an. Was ist hier los. Keine Fische. Kaum Korallen und nur Seegurken, Seeigel und -sternchen. Ich bin reichlich enttaeuscht. Einen kleinen Clownsfisch, so was wie einen Steinbeisser und das wars. Ach ja, Schildkroeten waren auch da. Grosse sogar. Solveigh ist es in der Pause so uebel, dass Sie sich zum Fischfuettern entschliesst. Vielleicht kommen dann ja welche. Ich muss allerdings zugeben, das die Stroemung unter Wasser grade als Brandung auf den etwas groesseren Felsen nicht so ohne war. Ohne Flossen, die mir ja nichts bringen und nur mit Armpaddeln ist mit Vortrieb nicht viel und teilweise treib ich sogar ab. Dabei hau ich mir dauernd die Sauerstoffflasche an den Kopf und hab spaeter ne regelrechte Platzwunde. Mit meinen 8 Kilo Blei um die Huefte hab ich auch so meine Probleme. Die rutschen mir dauernd runter und ich hab meine liebe Mueh und Not, die nicht zu verlieren. Der Rueckweg war dann noch mal Australienabenteuer pur. Massoud hatte sich so verkrampft festhalten muessen, dass er noch tagelang Muskelkater hat. Aber manchmal hab ich echt gedacht, jetzt zerlegts das Boot. Wir sind in Wellentaeler reingekracht, dass es erstaunlich war, was so ein Boot aushaelt. Aber die Aussies hatten ihren Spass dabei.

Michael Heil

Die Mauer steht noch!!

Michael Heil bei den Paralympics in Peking Ich glaubs gar nicht. Zum ersten Mal, seit ich hier bin, seh ich den Himmel. Blau. Himmelblau. Ich dachte echt, hier gibt es nur Dauernebel. Smog und kein bisschen Sonne. Aber gestern warn wir noch zum Abhaengen auf einer Partymeile in der Naehe der Altstadt und haben leider Pech, da es dauerregnet. Das hat aber wohl die Luft gereinigt und so haben wir heute dieses einzigartige Vergnuegen. Also rauf auf die Mauer. Unser Fotograph hat hierzu eine Uniform eines Wachsoldaten besorgt und zusammen mit Gamaschen, Maomuetze und einer Wasserflasche, ne Flinte war leider nicht drin, machen wir uns auf den Weg an die grosse Mauer. Vor 20 Jahren war ich schon mal hier und das auch noch an Weihnachten. Etwa 1 Stunde von Beijing entfernt hatte es nicht weniger als -20 Grad im Wind. Nicht zum Aushalten und ausserdem kaum etwas gesehen. Zum Teil ist die Mauer so steil, dass selbst Leute gut zu Fuss Probleme haben, nicht abzurutschen, Treppen gibts nur an den Tuermen. Aber wohl zu den Olympischen Spielen haben sie einige Abschnitte vollkommen renoviert, gut sortierte und nett aussehende Verkaufshaeuschen gebaut und fuer Rollstuhlfahrer sogar am ersten Stueck Rampen gebaut, so dass man an Stellen kam, bei denen die ganze Region eingesehen werden kann. Und das ist echt spektakulaer. Man kann sich nicht vorstellen, wie die Menschen damals auf mehr als 4000 km Laenge in teilweise absolut gebirgigem Gelaende Mauern und Tuerme errichten konnten. Es sind aber auch viele Tausend Arbeiter dabei ums Leben gekommen. Und hier wollte ich ein Foto.

Als Rollstuhlfahrer die Mauer bewachen, in Uniform und auch noch als Auslaender, mehr Widerspruch geht nicht. Aber darum geht es ja. Und abgesprochen ist es auch noch. Unsere Mittelsleute von der Regierung fanden die Idee so absurd, dass sie schon wieder gut war. Jetzt muss die Umsetzung aber auch 100% stimmen. Wir suchen uns also bei bestem Wetter einen geeigneten Platz, wo die Szene authentisch und mit einem gehoerigen Stueck Mauerverlauf aufs Bild kommt. Dabei laufen oder vielmehr stehen immer mehr Touris um uns rum und gerade die Chinesen finden die Szene offenbar so gelungen, dass sie sich dauernd mit mir ablichten lassen wollen. Wenn ich nen Hut haette rumgehen lassen, waer meine Reise bezahlt.

Den Rest des Tages verbringe ich wieder auf dem Olympiagelaende und schau mir mal die Ausstellungen an. Die Expo waere hier auch gut repraesentiert. Es ist unglaublich, mit welchem Aufwand die Firmen selbst fuer die Paralympics hier praesent sind. Aber bei den Massen an Besuchern ist jedes Stadion ausgebucht. Die Stimmung gigantisch. Deutsche Beteiligung mal wieder Mangelware.

Leider trenne ich mich von Qian qian. Sie moechte lieber noch eine Woche in Beijing bleiben und ausserdem ist die ganze Sache etwas organisatorisch aus dem Ruder gelaufen. So aufwaendig war vor allem die Fototour nicht geplant und Erfahrung sind dazu halt Mangelware. Aber besser so eine Entscheidung jetzt als zu einer Zeit, wo wir gemeinsam irgendwo in China stehen. Ich muss also jetzt ohne Dolmetscherin auskommen und das in einem Land, bei dem ein Taxifahrer noch nicht einmal die romanische Schriftsprache lesen kann geschweige denn verstehen. Das wird lustig, oder vielmehr eben nicht. Aber man waechst ja bekanntlich an seinen Herausforderungen…

Michael Heil

Eröffnungsfeier

Michael Heil bei den Paralympics in Peking Der Tag der Tage. Es sollte die spektakulaerste Show sein, die es jemals gegeben hat und die Atmosphaere sei unbeschreiblich. So im Fernsehen und von vielen geschildert, die dabei gewesen waren bei den Olympischen Spielen. Ich wollte ja auch hin, aber meine Akkreditierung hatte leider eine Ausnahme> die Eroeffungsfeier! Natuerlich ist sie ausverkauft. Klar. Schwarzmarkt, vielleicht. Ok, aber zuerst muss ich meine Akkreditierung umstaendlich aktivieren. Dazu muss man zum Paralympischen Family Hotel und durch allerlei Sicherheitsschleusen. Eine Chinesin spricht mich an auf englisch. Wunderbar und dann fragt sie mich auf deutsch, ob wir auch so sprechen koennen. Mit oesterreichischem Akzent! Na ja. Aber immerhin und so schildere ich ihr mein Problem mit den Karten und siehe da. Sie zieht 2 Karten aus dem Aermel und ich bin Happy. Jetzt kann Qianqian auch mit. Meine chinesische Studentin, die mich auf meiner Reise durch China zusammen mit Wei begleiten wird.

Viel Zeit ist ja nicht mehr. Die Eroeffnungsfeier fangen um 20 Uhr an und Abfahrt vom Hotel ist 17 Uhr. Ziemlich frueh, aber meckern waere ja jetzt voellig ueberzogen.

Schon beim Anblick des Vogelnestes wird einem bewusst, welches Potential in einem Land stecken muss, das neben dem wohl groessten Schwimmkomplex der Welt auch noch das wohl aufwaendigste und teuerste Sportstadion bauen kann. Der Stahl, der hier drin steckt, hat wohl ein halbes Grad Erderwaermung alleine zu verantworten. Kommt man in den Innenraum, verschlaegt es einem fast den Atem. Riesig, vollgestopft mit Technik und die Vorbereitungen unten auf dem Rasen lassen vermuten, dass etwas grossartiges passieren muss. Und so ist es auch. Schon 4 Stunden vor Beginn um 20 Uhr wird das Publikum eingeschworen auf allerlei Beifallvarianten und ausgestattet mit Lampen, Klingeln, beleuchteten Windraedern usw. Ohrenbetaeubender Laerm und eine phantastische Illumination sind die Folge, wenn 69 Tausend Menschen nicht nur Laola-Wellen schlagen sondern alle gleichzeitig Laerm machen.

Die Show beginnt und gleich wird deutlich, dass sich diese Eroeffnung ganz erheblich von der der Olympischen Spiele abheben wird. Vor allem behinderte Kuenstler,  chinesische Saenger und ein Pianist, und ein Opernsaenger  bringen u.a. die Vierjahreszeiten von Vivaldi aeusserts stimmungsvoll rueber. Ganz besonders in Erinnerung bleibt der “Tanz” von ca. 40 Balletttaenzerinnen, die statt mit den Fuessen mit verkleideten Haenden die Beinbewegungen knieend nachvollziehend, so taeuschend echt und exakt zur Musik und choreographisch einwandfrei tanzen, sehr beeindruckend. Allerdings scheint es wiederum einfach. Davor steht eine Einweiserin, die ihren Maedels den Takt angibt und mit Armbewegungen wie bei einem Dirigenten den Takt vorgibt. Bis klar wird an der Anzeige, dass das nicht nur Balletttaenzerinnen sind. Nein, sie sind alle taub!!!Von der Musik hoeren die gar nichts sondern sehen eben nur die “Dirigentin” und keiner hats gemerkt. …

Dann kommen ca. 3000 Kinder und was dann abgeht, ist unvorstellbar. In einem Kreis in 6 Reihen mit einem Durchmesser von mindestens 50 m bewegen sich die Kids so synchron und exakt zur Choreography, dass man sich nicht vorstellen kann, wie das ueberhaupt trainiert werden kann. Dieser Aufwand ist Wahnsinn und die  Kids eine Augenweide. So kann es weitergehen. Dann kommt der Einlauf der Athleten. Fast 150 Laender und ueber 2000 Teilnehmer marschieren ein mit leider etwas einfallsloser Musik und gedaempfter Stimmung. Schade. Allerdings fragt man sich bei einigen Laendern, welche Behinderung da eigentlich vorherrscht. Offensichtlich ist die Gicht manchmal allzu ueberzaehlig und Funktionaere zahlreicher als die Athleten selbst. Aber das war schon in Athen so.

Danach wurde die Fackel ins Stadion gebracht und von erfolgreichen Sportlern der chinesischen Mannschaft alle 100 m uebergeben. Sehr anruehrend, bis der Letzte die eigentliche Fackel anzuenden sollte. Da wurde ja vorher ein Athlet mit einem Seil quer durch das Stadion quasi schwebend bis zum 60 m hohen Dach gezogen. Diesmal wurde ein Rollstuhl an einem Seil festgebunden und der Rollstuhlfahrer zog sich mit dem Seil, unterstuetzt durch eine Flaschenzug, selbst die 60 m hoch. Was anfaenglich einfach aussah, wurde zusehends muehsamer und die Zuschauer starrten gebannt zum Fackeltraeger. Was, wenn der schlapp macht? Ueber Video wurde in Grossaufnahme gezeigt, wie sich langsam schon auf der Haelfte der Strecke der Arme sichtbar quaelte. Zudem war der selber gar nicht fixiert. Eben nur der Rollstuhl. Und als der dann endlich doch mit letzter Kraft oben ankam, war noch lange nicht die Fackel am etwa 2 m entfernten Entzuendungspunkt. Die musste der bei ausgestrecktem Arm erstmal erreichen und sich dabei ziemlich aus dem Koerpermittelpunkt bewegen. In dieser Hoehe eine absolute Selbstueberwindung und zirkusreif. Ein Blamasche, wenn das jetzt in die Hose ginge und der Kerle vor lauter Angst wieder abgestiegen waere. Ich haette Verstaendnis gehabt aber die Bude ist voll und der Praesident ist da, das ist Antrieb genug und nach einer kurzen Verzoegerung schafft er es, die Fackel brennt und die Spiele koennen los gehen.