Archiv für das Tag 'Rundreise'

Michael Heil

Eine Schnappsidee??

Michael Heil bei den Paralympics in Peking Irgendwie hatte ich schon in Deutschland die Idee, eine kleine Rundreise an die Paralympics dran zu haengen und an den Orten, wo ich bin, ein Foto zu machen, das Erinnerungswert haben sollte. Nicht bloss oede vor nem Haus oder ner Mauer zu stehen und doof zu grinsen sondern eben etwas besonderes.  Man sollte bloss nicht so viel drueber reden, drum schreib ich’ s ja hier rein, damit nicht schon vorher jeder Wind davon kriegt….

Na ja, aber wenn keiner was weiss, dann kann mir auch keiner helfen dabei. Ich brauch naemlich ein “wenig” Vorbereitung dafuer und ohne offizielle Hilfe geht es nicht. Qianqian, meine Begleiterin, soweit sie nicht fuer Radio Handicapped arbeitet und Wei, mein chinesischer Freund, der in Heidelberg studiert hat, bringen mich denn auch mit einer Familie zusammen, die eng mit der Familie Qianqian’s befreundet ist, sowie deren engen Bekannten BaoLin Zhang. Der ist kein geringerer als General Director des China Disabled Persons’s Federation, 2. Mann von ganz oben. Also so was wie ein Staatssekretaer. Dann ist da noch ein Kameramann, der viele Jahre Erfahrung mit der Gestaltung von Imageplakaten fuer Touristische Ziele in China ist und jetzt hab ich ein Problem. Eigentlich wollte ich doch bloss ein paar harmlose Fotos……

Wir treffen uns also in einem chinesischen Lokal zum Mittagessen. Nicht in irgendeinem, nein. Sondern in dem Peking-Ente Restaurant, das von Mao als einzigem betriebswirtschaftlichen Betrieb von den kommunistischen Beschraenkungen ausgenommen bleiben sollte, und das nur, damit die Peking-Ente auch in alle Zukunft so gut schmecken soll. Sagt der Volksmund. Aber wenn man da hin kommt, glaubt man das auch sofort. Nicht nur, weil es eingebettet in einer zukuenftig wohl der edelsten Einkaufsstrassen der Welt liegt. Die ist zur Zeit allerdings noch eine Geisterstadt ganz in der Naehe der Verbotenen. Fehlt nur noch der Strohbueschel wie im Western. Die Laeden sind auf der ca. 500 m langen Strasse noch gar nicht bezogen und trotzdem tummeln sich so viele Menschen dort, dass mir Angst und Bange wird, wenn die auch noch was kaufen koennte. Staedteplaner, so eine Strasse, die schon ohne Laeden so gefragt ist, sollte Vorbild sein fuer so manche triste Grossstadt-Einkaufsmeile.

Jedenfalls wird das Projekt Foto in China im Rollstuhl diskutiert und allgemein fuer gut gefunden. Gerade zu den Paralympics soll die Lage der Behinderten im Land nicht wieder in der Versenkung verschwinden und da waeren Fotos wie diese ein phantastische Gelegenheit. Bloss wie und welche???

Michael Heil

Ankunft in Beijing (Peking)

Michael Heil bei den Paralympics in Peking Die Reise hat begonnen. Vielmehr schon vorher. Denn ohne Visa geht nix. Dabei wird einem mitgeteilt, wie sensibel China auf etwaige Stoerungen bei den Olympischen oder auch den paralympischen Spielen reagiert.  Fuer jeden Tag, jeden Flug, jedes Hotelzimmer wollen die einen vorher eingereichten Nachweis. Wenn man aber wie ich ja gar nicht weiss, wann man wo sein wird, da ich ja eine Rundreise plane, die nicht schon vorher wie bei Pauschaltouristen feststeht, kann man ja auch keine Buchung vorlegen. Klasse. Was tun? Gottlob sind die Kontakte zu den Organisatoren der Paralympics sehr gut und so hat sich Otto Bock als Hauptsponsor der Spiele in Beijing fuer mich eingesetzt, so dass ich zusammen mit meinen chinesischen Studenten zu allen Hallen und Plaetzen der Spiele akkreditiert bin. Und, das als Superservice dazu, gilt dann auch gleich als Pauschalvisa. Also keine Nachweise. Hinfahren und schauen was passiert.

Schon beim Flug faellt auf, wie sich die Chinesen bemuehen, einen aussergewoehnlichen Service zu bieten. Kein Problem beim Einchecken, extrem hoeflich und zuvorkommend, da kann sich so manch eine Fluglinie eine Scheibe abschneiden. Ich erinnere nur an meine Reise mit BA nach London von Hannover – nie wieder!!!

Interessant auch, wie die Gaeste auf die Paralympics schon im Flieger eingestimmt werden. Vor dem Kinofilm (uebrigens ein amerikanischer Antikriegsfilm mit Szenen, die niemals in einem deutschen Flieger gezeigt wuerden) viele Schnipsel aus den Spielen von vor 2 Wochen und eine Story, die wohl eher fuer die Chinesen gedacht ist aber deren Seelenleben beschreiben soll: ein junger etwa 7 jaehriger Junge  mit Orthesen im Rollstuhl und seine Mutter spazieren durch den Wald, als ihnen ein Laeufer entgegenkommt und an einem Ast haengenbleibt. Er faellt ziemlich unsanft und bleibt erst mal benommen liegen. Da wird klar, der hat ja ne Prothese. Grosse Betroffenheit und Ratlosigkeit. Da schuettelt und streckt sich der Gefallene etwas auffaellig und linkisch und schliesslich steht er wieder auf. Mutter und Sohn atmen durch und der Laeufer – na was wohl – laeuft wieder. Der gleiche Laeufer im Stadion, Mutter u. Sohn als Zuschauer in der ersten Reihe und nach dem Startschuss fliegt der Waldlaeufer an allen Konkurrenten vorbei als erster durchs Ziel. Alle stehen auf und applaudieren, so auch der Junge und oh Wunder, man muss nur fest an sich glauben und dann kannst Du wieder gehen. Nun ja, die Paralympics schreiben hoffentlich noch andere Geschichten.