Kaum in Shanghai check ich erstmal im Hotel ein, um gleich auf Entdeckungstour zu gehen. Allerdings hab ich die ganze Zeit schon Kopfschmerzen und die kommen sicher vom staendigen Wechsel vom Fliegen. Mein Hotel ist eben kein Youth Hostel und wie befuerchtet ist dort auch kein Kontakt zu anderen Touris moeglich. Leider sprechen die Hostessen auch nur schlecht oder kein englisch und so bleibt nicht anderes uebrig, als schnellstmoeglich das Weite zu suchen und in der Stadt fuendig zu werden. Meine Kopfschmerzen werden immer staerker und ich befuerchte Schlimmes. Und so brech ich ab und geh wieder ins Hotel ohne zu ahnen, dass das fuer die naechsten 3 Tage mein letzter Kontakt zur Aussenwelt sein wird. Wie sich zeigt, hab ich einen schweren Blaseninfekt und dazu auch noch einen Reflux, also Nierenstau, der meinen Ruecken vor Schmerzen stocksteif werden laesst. Keine Zeitung, nichts zu essen und ausser Wasser auf dem Zimmer nichts, was mir helfen koennte. Aber Hunger hab ich sowieso keinen. Mein Kreislauf ist im Eimer und ich hoffe, dass es nichts schlimmeres ist. Morgen wird es schon wieder besser sein, denke ich. Denkste. Nun, ich will hier keine Krankengeschichte zum Besten geben aber erst nach 4 Tagen und dem Wechsel mit letzter Kraft zu einem Youth Hostel laesst meine Situation wieder etwas guenstiger erscheinen. Auf jeden Fall hab ich 5 Kilo abgenommen, nix eingekauft und mit Nightlife war auch nix zu machen. Shanghai ist also voellig in die Hose gegangen. Immerhin bin ich zum Flug nach Australien wieder fit. Schliesslich muss ich 10 Stunden im Flieger sitzen und da ich die letzten 2 Tage auch noch Durchfall hatte, kann ich nur hoffen, dass alles gut geht.
Is mal wieder so weit. Mein naechstes Ziel ist Shanghai. Ich wollte mal die Grossstadt von naeher betrachten, meine Einkaeufe fuer Zuhause erledigen und ein wenig Nightlife erleben. Schliesslich war davon die letzte Zeit eher wenig moeglich. Ich also wieder zum Flughafen und mittlerweile geht es auch ganz gut. Dass ich den Rollstuhl mit zur Flugzeugtuer nehmen und als erstes am Ziel wieder empfangen kann, ist mittlerweile kein Thema mehr. Aber auf dem Weg zum Flieger muss ich leider ein Stockwerk tiefer, und der Aufzug ist ausgefallen. Also haengen am Ende 5 Chinesen am Rollstuhl und schauckeln mich wie bei einem Erdbeben die Treppen runter.
Wenn ich jetzt aufstehen wuerde, denken die womoeglich, ich mach die zum Narren, also bleib ich schoen sitzen. Unter angekommen stromern dauernd welche um mich rum und fragen mich nach meinem Pass, meinem Ticket und dem Visa. Alle 5 Minuten. Es geht langsam echt auf den Senkel. Ausserdem geht der Flieger ohne Finger. D.h. ich muss wieder die Treppen rauf (laufen). Geht ja, daher mach ich mir auch keine Sorgen. Aber eine Hostess schaut sich mein Visa etwas genauer an und laeuft dann etwas aufgeregt zu den anderen. Die kommen auch noch mal und schauen sich mein Visa an. Darauf ist meine Teilnahme an den Paralympics als Gast des IPC, also des intern. paralymp. Commitees zu sehen. Gast eben nur aber die haben das irgendwie nicht verstanden. Auf jeden Fall wird das Gate geschlossen und kurz vor dem Einchecken werden alle Passagiere gebeten, ein Stockwerk hoeher zu gehen. Mist – haben die zuwenig Passagiere fuer den Flug und legen den mit dem naechsten zusammen? Also die 5 Jungs muessen wieder ran und mit Richterscala 5-7 gehts wieder hoch. Jetzt kann ich noch weniger aus dem Rollstuhl und hochlaufen. Und nach ner halben Stunde warten geht es endlich weiter und ich frag ne Hostess, was denn der Grund der Verzoegerung war:
>Na, wir haben den Flieger vom anderen Terminal geholt und extra zum Fingerterminal umgelegt. Wir koennen doch Olympiateilnehmern nicht zumuten, ueber die Treppe in den Flieger zu steigen. !?!<
Aeh, dass ich dafuer aber erst mal das Stockwerk wieder raufgehievt worden bin, macht da keinen Unterschied und dass die dann auch noch mein Ticket abgegrated haben von Econmy auf First Class, ist eher Nebensache. Auch, wenn dafuer die Leute auf meinem Platz nach hinten beordert wurden. Mein Gott, wie peinlich…..
Ein bisschen sauer bin ich ja schon. Mein teuer erkauftes System an Informationstechnik laesst mich total im Stich. Keine e-mails, keine AB-Abfragemoeglichkeit und wir Westler sind gleich ziemlich hilflos. Noch dazu in einem Land, das zwar von der Fassade her schon recht modern daherkommt, dafuer aber humantechnisch gesehen noch einiges nachholen muss. So geht mir langsam das immer und ueberall stattfindende Gerotze ziemlich auf die Nerven. Von wegen, die Regierung hat seinen Landsleuten vor den Spielen das Spucken immer und ueberall ausgetrieben. Leider tuns auch die Jungen, auch Maedchen und Frauen und so ist die Unsitte wohl noch lange Bestandteil konfuzianischer Gesundheitspolitik. Der hatte wohl gemeint, die schlechten Säfte müsse man los werden, das würde wohl den Körper entlasten. Dass die Spucke und was da sonst noch hochkommt dann bei den anderen ankommt, ist offensichtlich schlechtes Karma….
Aber nicht genug damit. In einem recht noblem Kaufhaus kam ne Mutter mit ihrem Kleinkind aus dem Laden und stellte sich mitten auf den Kaufhausflur hin, hob die Kleine in Hockstellung zum Pinkeln hoch und liess laufen. Danach ging sie wieder in ihren Laden zurueck und dachte gar nicht dran, aufzuwischen. Ich stand doch etwas fassungslos da, schliesslach passierte das direkt vor mir.
Ob im Restaurant oder auf der Strasse, im Kaufhaus oder im Kloster. Vor allem Maenner ziehen ploetzlich ihr Hemd aus der Hose und entbloessen ihren oft gut genaehrten Wohlstandsbauch. Was das soll, hab ich noch nicht herausgefunden. Wenn das auch die Maedels machen wuerde, haett ich ja noch ein Einsehen, aber weder esthaetisch noch bei milden Temperaturen nachvollziehbar. Aber gunug damit. Es gibt ja auch sehr positive Dinge. So ist es unglaublich, dass in China der Verkehr zwar fahrtechnisch abenteuerlich, dafuer aber umwelttechnisch das Nonplusultra in Sachen Umweltschutz darstellt. Und nicht nur in Beijing fuer die Spiele vorgegaukelt sondern auch in Xian und in anderen Staedten, also quasi ueberall fahren die Chinesen mit Elektroraedern oder -rollern, Autos werden sehr haeufig mit Erdgas betankt und die Luft ist nirgendwo zumindest vom Verkehr nicht stickig oder uebelrichend. Mal abgesehen von der Kanalisation. Das wuerde in Deutschland schon deswegen nicht funktionieren, weil Fahrzeuge mit Elektromotor ueber 6 km\h ein Kennzeichen brauchen. Das ist sowieso ein kompletter Unsinn. Damit macht man die Fahrzeuge doch nur unattraktiv. Wenn der Gabriel nicht bloss das Abschalten der Kernkraftwerke im Kopf haette sondern auch die Entwicklungen in Laendern wie China anschauen wuerde, die ohne diese E-Fahrzeuge voellig verraeucherte Innenstaedte haetten, haetten wir schon viel gewonnen. Und was wird passieren? Ueber kurz oder lang importieren wir die E-motoren aus China. Und die machen noch nicht mal die typischen e-Motorgeraeusche. “Alte” oder noch nicht mal 20 Jahre Gebaeude werden in der Innenstadt gnadenlos abgerissen, um moderneren Gebaeuden Platz zu schaffen. Das hilft dem Umweltschutz, weniger Waerme geht verloren und modernisiert obendrein das Stadtbild. Die vor allem in den 60er und 70er Jahren erbauten Plattenbauten findet man hier nur noch selten. Und das in einem Land, das vor 20 Jahren ueberhaupt noch keine Skyline hatte, die man ausser in Shanghai als solches bezeichnen haette koennen.
Ich flieg aber jetzt erst mal von Xian nach Chengdo. Das ist die Provinzhauptstadt in Sichuan. Dem groessten Bundesland Chinas, also auch bevoelkerungstechnisch. Dort waren im April diesen Jahres ueber 100000 Menschen ums Leben gekommen, liegen noch immer ca. 1200 Doerfer und Kommunen in Schutt und Asche, herrschen noch Zeltstaedte vor und sind Notstandsgebiete. Chengdo allerdings war glimpflich davon gekommen und hier sieht und merkte man ausser heftiges Wackeln nichts vom 100 km entfernten Epizentrum. Hier ist auch das groesste Pandabaerenaufzuchtgebiet und ein Naturschutzreservat fuer Chinas Wappentier eingerichtet. Das will ich mir ansehen.