Archiv für das Tag 'Smog'

Michael Heil

Die Mauer steht noch!!

Michael Heil bei den Paralympics in Peking Ich glaubs gar nicht. Zum ersten Mal, seit ich hier bin, seh ich den Himmel. Blau. Himmelblau. Ich dachte echt, hier gibt es nur Dauernebel. Smog und kein bisschen Sonne. Aber gestern warn wir noch zum Abhaengen auf einer Partymeile in der Naehe der Altstadt und haben leider Pech, da es dauerregnet. Das hat aber wohl die Luft gereinigt und so haben wir heute dieses einzigartige Vergnuegen. Also rauf auf die Mauer. Unser Fotograph hat hierzu eine Uniform eines Wachsoldaten besorgt und zusammen mit Gamaschen, Maomuetze und einer Wasserflasche, ne Flinte war leider nicht drin, machen wir uns auf den Weg an die grosse Mauer. Vor 20 Jahren war ich schon mal hier und das auch noch an Weihnachten. Etwa 1 Stunde von Beijing entfernt hatte es nicht weniger als -20 Grad im Wind. Nicht zum Aushalten und ausserdem kaum etwas gesehen. Zum Teil ist die Mauer so steil, dass selbst Leute gut zu Fuss Probleme haben, nicht abzurutschen, Treppen gibts nur an den Tuermen. Aber wohl zu den Olympischen Spielen haben sie einige Abschnitte vollkommen renoviert, gut sortierte und nett aussehende Verkaufshaeuschen gebaut und fuer Rollstuhlfahrer sogar am ersten Stueck Rampen gebaut, so dass man an Stellen kam, bei denen die ganze Region eingesehen werden kann. Und das ist echt spektakulaer. Man kann sich nicht vorstellen, wie die Menschen damals auf mehr als 4000 km Laenge in teilweise absolut gebirgigem Gelaende Mauern und Tuerme errichten konnten. Es sind aber auch viele Tausend Arbeiter dabei ums Leben gekommen. Und hier wollte ich ein Foto.

Als Rollstuhlfahrer die Mauer bewachen, in Uniform und auch noch als Auslaender, mehr Widerspruch geht nicht. Aber darum geht es ja. Und abgesprochen ist es auch noch. Unsere Mittelsleute von der Regierung fanden die Idee so absurd, dass sie schon wieder gut war. Jetzt muss die Umsetzung aber auch 100% stimmen. Wir suchen uns also bei bestem Wetter einen geeigneten Platz, wo die Szene authentisch und mit einem gehoerigen Stueck Mauerverlauf aufs Bild kommt. Dabei laufen oder vielmehr stehen immer mehr Touris um uns rum und gerade die Chinesen finden die Szene offenbar so gelungen, dass sie sich dauernd mit mir ablichten lassen wollen. Wenn ich nen Hut haette rumgehen lassen, waer meine Reise bezahlt.

Den Rest des Tages verbringe ich wieder auf dem Olympiagelaende und schau mir mal die Ausstellungen an. Die Expo waere hier auch gut repraesentiert. Es ist unglaublich, mit welchem Aufwand die Firmen selbst fuer die Paralympics hier praesent sind. Aber bei den Massen an Besuchern ist jedes Stadion ausgebucht. Die Stimmung gigantisch. Deutsche Beteiligung mal wieder Mangelware.

Leider trenne ich mich von Qian qian. Sie moechte lieber noch eine Woche in Beijing bleiben und ausserdem ist die ganze Sache etwas organisatorisch aus dem Ruder gelaufen. So aufwaendig war vor allem die Fototour nicht geplant und Erfahrung sind dazu halt Mangelware. Aber besser so eine Entscheidung jetzt als zu einer Zeit, wo wir gemeinsam irgendwo in China stehen. Ich muss also jetzt ohne Dolmetscherin auskommen und das in einem Land, bei dem ein Taxifahrer noch nicht einmal die romanische Schriftsprache lesen kann geschweige denn verstehen. Das wird lustig, oder vielmehr eben nicht. Aber man waechst ja bekanntlich an seinen Herausforderungen…

Michael Heil

Wird’s hier niemals hell?

Michael Heil bei den Paralympics in Peking Alle haben vor den Olympischen Spielen von Smog geredet und dafuer wurden sogar die Fabriken rund um Peking abgeschaltet. Die Fahrzeuge duerfen angeblich immer noch nicht alle fahren. Abwechselnd die mit geraden und ungeraden Nummernschildern. Aber trotzdem ist der Himmel immer so verhangen, als ob dauernd Hochnebel waere. Dabei fahren sogar alle Mofas und Mopeds nur mit Elektromotor. Kein Gestank, kein Krach, so sollte es eigentlich ueberall sein. Trotzdem Smog. Nun ja. Bin mit Qianqian losgezogen, das erste Foto vorzubereiten. Schon vergessen? Ich hatte die Schnapsidee, eine kleine Fotoserie zu schiessen, bei dem ich im Rollstuhl einige Szenen typischer chinesischer Kultur oder Figuren nachstelle. Also ein Westler in der guten Stube der Chinesen und das auch noch im Rollstuhl. Das erste Bild soll der Kaiser oder ein kaiserlicher Beamter sein. Und wo? Natuerlich in der VERBOTENEN STADT. Da, wo Jahrhunderte lang nix erlaubt war. Schon gar nicht den Kaiser kopieren. Sogar die Farbe gelb fuer Gold war Tabu fuer das Volk ebenso wie die Zahl 9. Eine Zahl, die gerade hier in dieser Kaiserstadt ueberall vorkommt. Sogar die Figuren auf dem Dach, immer 9. 9 Saeulen, 9999 Raeume, ebenso viele Bedienstete und so weiter.

Wir kaufen also typische Schuhe, sogar mit Seidensocken und einem Kaeppchen, die Robe wird vom Fotographen mitgebracht. Dann werde ich abgeholt. Wu, der “Onkel” von Qianqian faehrt uns zur verbotenen Stadt, wo wir auch schon erwartet werden von einem passionierten Volunteer, der ein Freund des Staatssekretaers ist und uns die Stellen zeigen soll, wo das Fotographieren (erlaubt?) moeglich sein soll. Er ist zunaechst etwas irritiert und kann wohl mit mir nicht so viel anfangen. Wie denn auch. Aber mit der Zeit wird er neugierig. Fahren auf 2 Raedern, die Treppen vom Kaiserpalast alleine runterhupsen findet er toll und bald finden wir eine Stelle, wo sowohl der Blick auf die Kaiserstadt als auch die Figur mit entsprechendem Licht geeignet erscheint. Natuerlich bin ich schon beim Umziehen in der Oeffentlichkeit die Attraktion der Touristen, die neugierig und vor allem fotographierend alles registrieren, was wir tun. Mehrere Lokations werden ausprobiert und schliesslich haben wir an die 100 Bilder. Dauernd kommen Touris, vornehmlich Chinesen und wollen mit mir auf dem Foto verewigt werden. Also von Majestaetsbeleidigung kann hier keine Rede sein. Eher Belustigung. Mal sehen, was wirklich bei raus kommt. Die Negative werden ja erst noch entwickelt….

Anschliessend gehts wieder zurueck zum Stadion. Die Schwimmer sind so ziemlich jeden Tag dran und auch die Leichtathleten sind nie einsam. Ganze 65000 Zuschauer sind da und was da abgeht ist zuweilen echt irre. Nix busweise Armeesoldaten zum Auffuellen. Die Leute sind aus wirklichem Interesse da. Schon draussen auf dem Expo-aehnlichen Gelaende tummeln sich die Massen. Deutsche Beteiligung bei den Wettkaempfen ist indes rar. Ob beim Schwimmen oder Laufen, dauernd ertoent nur die amerikanische oder chinesische Hymne. Ab und zu dann noch die englische und die australische. Dann kommt lang nix und nach noch mehr nix die deutsche. Hab ich aber noch nicht gehoert. Die Frau Buggenhagen hat es in ihrer exklusiven Sportart Kugelstossen dann doch noch mal geschafft. Mit 55 noch ne Goldmedaille. Beim Blick aber auf die Konkurrenz sowohl zuhause als auch international laesst mich allerdings frieren. Da wird klar, warum wir Damen wie Frau Buggenhagen in der deutschen Mannschaft brauchen. Wenn wirklich Konkurrenz da ist, haben wir sowieso keine Chance auf ein Treppchen. Dann lieber halt die. In der Statistik zaehlt ja alles. So langsam sollten da einige Leute mal aufwachen und in punkto Nachwuchs sich an England oder USA orientieren.