10.09.2008
Wird’s hier niemals hell?
Alle haben vor den Olympischen Spielen von Smog geredet und dafuer wurden sogar die Fabriken rund um Peking abgeschaltet. Die Fahrzeuge duerfen angeblich immer noch nicht alle fahren. Abwechselnd die mit geraden und ungeraden Nummernschildern. Aber trotzdem ist der Himmel immer so verhangen, als ob dauernd Hochnebel waere. Dabei fahren sogar alle Mofas und Mopeds nur mit Elektromotor. Kein Gestank, kein Krach, so sollte es eigentlich ueberall sein. Trotzdem Smog. Nun ja. Bin mit Qianqian losgezogen, das erste Foto vorzubereiten. Schon vergessen? Ich hatte die Schnapsidee, eine kleine Fotoserie zu schiessen, bei dem ich im Rollstuhl einige Szenen typischer chinesischer Kultur oder Figuren nachstelle. Also ein Westler in der guten Stube der Chinesen und das auch noch im Rollstuhl. Das erste Bild soll der Kaiser oder ein kaiserlicher Beamter sein. Und wo? Natuerlich in der VERBOTENEN STADT. Da, wo Jahrhunderte lang nix erlaubt war. Schon gar nicht den Kaiser kopieren. Sogar die Farbe gelb fuer Gold war Tabu fuer das Volk ebenso wie die Zahl 9. Eine Zahl, die gerade hier in dieser Kaiserstadt ueberall vorkommt. Sogar die Figuren auf dem Dach, immer 9. 9 Saeulen, 9999 Raeume, ebenso viele Bedienstete und so weiter.
Wir kaufen also typische Schuhe, sogar mit Seidensocken und einem Kaeppchen, die Robe wird vom Fotographen mitgebracht. Dann werde ich abgeholt. Wu, der “Onkel” von Qianqian faehrt uns zur verbotenen Stadt, wo wir auch schon erwartet werden von einem passionierten Volunteer, der ein Freund des Staatssekretaers ist und uns die Stellen zeigen soll, wo das Fotographieren (erlaubt?) moeglich sein soll. Er ist zunaechst etwas irritiert und kann wohl mit mir nicht so viel anfangen. Wie denn auch. Aber mit der Zeit wird er neugierig. Fahren auf 2 Raedern, die Treppen vom Kaiserpalast alleine runterhupsen findet er toll und bald finden wir eine Stelle, wo sowohl der Blick auf die Kaiserstadt als auch die Figur mit entsprechendem Licht geeignet erscheint. Natuerlich bin ich schon beim Umziehen in der Oeffentlichkeit die Attraktion der Touristen, die neugierig und vor allem fotographierend alles registrieren, was wir tun. Mehrere Lokations werden ausprobiert und schliesslich haben wir an die 100 Bilder. Dauernd kommen Touris, vornehmlich Chinesen und wollen mit mir auf dem Foto verewigt werden. Also von Majestaetsbeleidigung kann hier keine Rede sein. Eher Belustigung. Mal sehen, was wirklich bei raus kommt. Die Negative werden ja erst noch entwickelt….
Anschliessend gehts wieder zurueck zum Stadion. Die Schwimmer sind so ziemlich jeden Tag dran und auch die Leichtathleten sind nie einsam. Ganze 65000 Zuschauer sind da und was da abgeht ist zuweilen echt irre. Nix busweise Armeesoldaten zum Auffuellen. Die Leute sind aus wirklichem Interesse da. Schon draussen auf dem Expo-aehnlichen Gelaende tummeln sich die Massen. Deutsche Beteiligung bei den Wettkaempfen ist indes rar. Ob beim Schwimmen oder Laufen, dauernd ertoent nur die amerikanische oder chinesische Hymne. Ab und zu dann noch die englische und die australische. Dann kommt lang nix und nach noch mehr nix die deutsche. Hab ich aber noch nicht gehoert. Die Frau Buggenhagen hat es in ihrer exklusiven Sportart Kugelstossen dann doch noch mal geschafft. Mit 55 noch ne Goldmedaille. Beim Blick aber auf die Konkurrenz sowohl zuhause als auch international laesst mich allerdings frieren. Da wird klar, warum wir Damen wie Frau Buggenhagen in der deutschen Mannschaft brauchen. Wenn wirklich Konkurrenz da ist, haben wir sowieso keine Chance auf ein Treppchen. Dann lieber halt die. In der Statistik zaehlt ja alles. So langsam sollten da einige Leute mal aufwachen und in punkto Nachwuchs sich an England oder USA orientieren.
