Archiv für das Tag 'Stadion'

Michael Heil

Wird’s hier niemals hell?

Michael Heil bei den Paralympics in Peking Alle haben vor den Olympischen Spielen von Smog geredet und dafuer wurden sogar die Fabriken rund um Peking abgeschaltet. Die Fahrzeuge duerfen angeblich immer noch nicht alle fahren. Abwechselnd die mit geraden und ungeraden Nummernschildern. Aber trotzdem ist der Himmel immer so verhangen, als ob dauernd Hochnebel waere. Dabei fahren sogar alle Mofas und Mopeds nur mit Elektromotor. Kein Gestank, kein Krach, so sollte es eigentlich ueberall sein. Trotzdem Smog. Nun ja. Bin mit Qianqian losgezogen, das erste Foto vorzubereiten. Schon vergessen? Ich hatte die Schnapsidee, eine kleine Fotoserie zu schiessen, bei dem ich im Rollstuhl einige Szenen typischer chinesischer Kultur oder Figuren nachstelle. Also ein Westler in der guten Stube der Chinesen und das auch noch im Rollstuhl. Das erste Bild soll der Kaiser oder ein kaiserlicher Beamter sein. Und wo? Natuerlich in der VERBOTENEN STADT. Da, wo Jahrhunderte lang nix erlaubt war. Schon gar nicht den Kaiser kopieren. Sogar die Farbe gelb fuer Gold war Tabu fuer das Volk ebenso wie die Zahl 9. Eine Zahl, die gerade hier in dieser Kaiserstadt ueberall vorkommt. Sogar die Figuren auf dem Dach, immer 9. 9 Saeulen, 9999 Raeume, ebenso viele Bedienstete und so weiter.

Wir kaufen also typische Schuhe, sogar mit Seidensocken und einem Kaeppchen, die Robe wird vom Fotographen mitgebracht. Dann werde ich abgeholt. Wu, der “Onkel” von Qianqian faehrt uns zur verbotenen Stadt, wo wir auch schon erwartet werden von einem passionierten Volunteer, der ein Freund des Staatssekretaers ist und uns die Stellen zeigen soll, wo das Fotographieren (erlaubt?) moeglich sein soll. Er ist zunaechst etwas irritiert und kann wohl mit mir nicht so viel anfangen. Wie denn auch. Aber mit der Zeit wird er neugierig. Fahren auf 2 Raedern, die Treppen vom Kaiserpalast alleine runterhupsen findet er toll und bald finden wir eine Stelle, wo sowohl der Blick auf die Kaiserstadt als auch die Figur mit entsprechendem Licht geeignet erscheint. Natuerlich bin ich schon beim Umziehen in der Oeffentlichkeit die Attraktion der Touristen, die neugierig und vor allem fotographierend alles registrieren, was wir tun. Mehrere Lokations werden ausprobiert und schliesslich haben wir an die 100 Bilder. Dauernd kommen Touris, vornehmlich Chinesen und wollen mit mir auf dem Foto verewigt werden. Also von Majestaetsbeleidigung kann hier keine Rede sein. Eher Belustigung. Mal sehen, was wirklich bei raus kommt. Die Negative werden ja erst noch entwickelt….

Anschliessend gehts wieder zurueck zum Stadion. Die Schwimmer sind so ziemlich jeden Tag dran und auch die Leichtathleten sind nie einsam. Ganze 65000 Zuschauer sind da und was da abgeht ist zuweilen echt irre. Nix busweise Armeesoldaten zum Auffuellen. Die Leute sind aus wirklichem Interesse da. Schon draussen auf dem Expo-aehnlichen Gelaende tummeln sich die Massen. Deutsche Beteiligung bei den Wettkaempfen ist indes rar. Ob beim Schwimmen oder Laufen, dauernd ertoent nur die amerikanische oder chinesische Hymne. Ab und zu dann noch die englische und die australische. Dann kommt lang nix und nach noch mehr nix die deutsche. Hab ich aber noch nicht gehoert. Die Frau Buggenhagen hat es in ihrer exklusiven Sportart Kugelstossen dann doch noch mal geschafft. Mit 55 noch ne Goldmedaille. Beim Blick aber auf die Konkurrenz sowohl zuhause als auch international laesst mich allerdings frieren. Da wird klar, warum wir Damen wie Frau Buggenhagen in der deutschen Mannschaft brauchen. Wenn wirklich Konkurrenz da ist, haben wir sowieso keine Chance auf ein Treppchen. Dann lieber halt die. In der Statistik zaehlt ja alles. So langsam sollten da einige Leute mal aufwachen und in punkto Nachwuchs sich an England oder USA orientieren.

Michael Heil

Ankunft in Beijing (Peking)

Michael Heil bei den Paralympics in Peking Die Reise hat begonnen. Vielmehr schon vorher. Denn ohne Visa geht nix. Dabei wird einem mitgeteilt, wie sensibel China auf etwaige Stoerungen bei den Olympischen oder auch den paralympischen Spielen reagiert.  Fuer jeden Tag, jeden Flug, jedes Hotelzimmer wollen die einen vorher eingereichten Nachweis. Wenn man aber wie ich ja gar nicht weiss, wann man wo sein wird, da ich ja eine Rundreise plane, die nicht schon vorher wie bei Pauschaltouristen feststeht, kann man ja auch keine Buchung vorlegen. Klasse. Was tun? Gottlob sind die Kontakte zu den Organisatoren der Paralympics sehr gut und so hat sich Otto Bock als Hauptsponsor der Spiele in Beijing fuer mich eingesetzt, so dass ich zusammen mit meinen chinesischen Studenten zu allen Hallen und Plaetzen der Spiele akkreditiert bin. Und, das als Superservice dazu, gilt dann auch gleich als Pauschalvisa. Also keine Nachweise. Hinfahren und schauen was passiert.

Schon beim Flug faellt auf, wie sich die Chinesen bemuehen, einen aussergewoehnlichen Service zu bieten. Kein Problem beim Einchecken, extrem hoeflich und zuvorkommend, da kann sich so manch eine Fluglinie eine Scheibe abschneiden. Ich erinnere nur an meine Reise mit BA nach London von Hannover – nie wieder!!!

Interessant auch, wie die Gaeste auf die Paralympics schon im Flieger eingestimmt werden. Vor dem Kinofilm (uebrigens ein amerikanischer Antikriegsfilm mit Szenen, die niemals in einem deutschen Flieger gezeigt wuerden) viele Schnipsel aus den Spielen von vor 2 Wochen und eine Story, die wohl eher fuer die Chinesen gedacht ist aber deren Seelenleben beschreiben soll: ein junger etwa 7 jaehriger Junge  mit Orthesen im Rollstuhl und seine Mutter spazieren durch den Wald, als ihnen ein Laeufer entgegenkommt und an einem Ast haengenbleibt. Er faellt ziemlich unsanft und bleibt erst mal benommen liegen. Da wird klar, der hat ja ne Prothese. Grosse Betroffenheit und Ratlosigkeit. Da schuettelt und streckt sich der Gefallene etwas auffaellig und linkisch und schliesslich steht er wieder auf. Mutter und Sohn atmen durch und der Laeufer – na was wohl – laeuft wieder. Der gleiche Laeufer im Stadion, Mutter u. Sohn als Zuschauer in der ersten Reihe und nach dem Startschuss fliegt der Waldlaeufer an allen Konkurrenten vorbei als erster durchs Ziel. Alle stehen auf und applaudieren, so auch der Junge und oh Wunder, man muss nur fest an sich glauben und dann kannst Du wieder gehen. Nun ja, die Paralympics schreiben hoffentlich noch andere Geschichten.