28.06.09 - EHC-Rennen in Lorsch - Bericht von Michael Heil
Der Tacho ist am Anschlag. 47 km/h und das nach nur 400 m nach dem Start. Die Meute ist los und ich in der Gruppe C hab die gesammelte Weltelite um mich rum. Als Freizeitfahrer ist absehbar, bis wann der Faden reißt. Dann wirds bitter.
Die Pulsuhr hab ich zuhause gelassen. Würde vermutlich schon nach 2 km das Gas rausnehmen und zum Arzt rennen. So aber hoffe ich, dass sich die Jungs da vorne nach ner Weile wieder einkriegen und ein vernünftiges Renntempo anschlagen...
Über 110 Teilnehmer aus 17 Länder haben sich zum einzigen EHC Lauf in Deutschland auf der DM Rennstrecke in Lorsch vom letzten Jahr versammelt und dieses Rennen ist für viele schon deshalb so wichtig, weil es ein Qualifikationsrennen für die Heimatländer vieler Teilnehmer zur WM in Italien ist und keiner sich leisten kann, hier eine schlechte Leistung abzugeben. Na klasse. Keine Fahrer aus der 2. Reihe wie mich, um wenigstens einigermaßen im Mittelfeld ins Ziel zu kommen. Wer hier abreissen lassen muss, fährt alleine die 8 Runden um das Weltkulturerbe von Lorsch, das Kloster mit seinem markanten Tor in der Altstadt, das den Zuschauern wie nirgends sonst auf dem Rennkalender Handbikesport pur bietet.
Nach 3 km wird klar, die machen so weiter. Die spinnen und mein Kessel dampft schon. Der Mund wird trocken und keine Zeit zum Trinken. Wenn ich so weiter fahre mit ca. 45 km/h, bin ich nach 10 km alle und kann mich irgendwo an den Strassenrand stellen. Ich lasse schweren Herzens, das rast ohnehin schon, abreissen und hoffe, dass es mit mir ein paar gleich tun. Und als wär meine Entscheidung der Anlass für eine Gruppe mit mir am Anschlag fahrender gewesen, machen etwa 7 Fahrer aus allen möglichen Nationen mit. Darunter Max Hauch, unser Jungstar, der letzte Woche den Halbmarathon in Stuttgart gewonnen hat, sowie Frank Wirth, der eigentlich das Zeug hätte, auch vorne noch ne Weile mitzufahren. Aber Umzug und ein Fulltimejob lassen ein professionelles Training, wie es die Fahrer der ersten Gruppe leisten nicht zu. 3 mal Trainingslager im Jahr sind eben nicht drin. Und das merkt man gerade jetzt. Es tut höllisch weh. Die Arme sind schon schwer und die erste Runde ist noch gar nicht zu Ende. Wir fahren nach knapp 4,5 km auf die Start/ Ziellinie zu und genau hier geht es ca. 200 m leicht bergauf, auf der Kuppe stehen die Zuschauer und dann kommt ein ca. 150 m langes Pflastersteinstück an deren Ende eine Linkskurve mit Moosbewuchs die Strecke zur Rutschbahn werden läßt. Wer hier nicht aufpasst, landet in den Absperrungen und kaum denk ichs, hat es auch schon Jörg Pieper erwischt, der seine Kiste für den Rest des Rennens abstellen muß. Der Rest hat schon wieder 40 bis 43 km/h auf dem Tacho und die erste Gruppe 45 km/h. Wahnsinn. Der Gewinner sollte denn auch eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 42 km/h erreichen. Wohlgemerkt durchschnittlich. Das kriegen gute Amateurfahrer der Radfahrer gerade mal hin. Ich hab in meiner Gruppe meinen Rythmus gefunden. Zwischen 36 und 41 km/h läßt es sich einigermaßen mithalten und Max geht sogar öfters an die Führung. Hoffentlich hält er das durch und wird nicht am Ende ausgekontert.
Vorne machen Mosandl, Jeffre und Declerc die Pace und lassen laufen, was geht. Die Jungs wollen in Heidelberg den Weltrekord von 1.02 über 42 km knacken und heute ist Generalprobe. Bei jeder Runde stehen über 1000 Zuschauer am Klostertor und die Mitarbeiter von Rehability feuern ihr Team mit Rasseln und einem höllischen Geschrei an. Schließlich fahren 12 Fahrer vom Team in diesem Klassefeld mit, das vom Organisator Algis Olegnavitius organisiert und auf die Räder gestellt wurde. Im Anschluß richten die U 19 Radrennfahrer die Deutschen Meisterschaften im Zeitfahren aus und so sind hier und heute zwei hochkarätige Veranstaltungen am Start.
Bei jeder Runde wird der kleine Hügel immer mehr zur Kraftprobe. Wer abreissen läßt, kann nicht mehr auffahren. Hinter dem Berg sind gleich wieder die 4 vorne auf dem Tacho und das holt ein einzelner aus der Gruppe nicht mehr auf. Mit jedem Überrundeten, die sich ab der 6. Runde keine Illusionen auf eine gute Zeit mehr geben, kommt das Ziel näher und die Fahrer hinter mir werden mehr. Jetzt nur nicht aufgeben und ich hab mein Wunschziel, im Mittelfeld reinzukommen, erfüllt. Aber statt einer letzten schnellen Runde, die schwächeren Fahrer abzuschütteln, fängt das übliche taktieren an. Schon 4 km vor dem Ziel will eigentlich keiner mehr vorne fahren. Und wenn einer vor geht, gleich mit einem Zwischensprint. Das ist mein Rennen. So kenn ichs von vielen Läufen zuvor. Ich hab zwar seit 2 1/2 Jahren keines mehr gefahren und schon gar nicht liegend. Aber so weiß ich wenigstens, wie ich mit der Gruppe ins Ziel komme. Jetzt bloß nicht am Ende fahren. Immer schön mitten drin. Auch mal kurz vorne, aber ohne Volllast. So geht es auf das Rondell zu und da ich da am stärksten bin, setz ich mich an 2. Stelle hinter einen Belgier. Der will aber aus dem Vorteil, einzeln und mit Vorsprung aus der Kurve zu kommen, keinen Profit schlagen und reduziert das Tempo. Blöd, so 1 km vor dem Ziel. Eine Chance, das Feld auseinander zu reißen ist vertan und ich hab nicht genug Mumm, die Pace zu früh anzuziehen. Sonst geht´s mir wie schon einige Male zuvor und die Luft ist raus, bevor das Ziel da ist. Dann schaut man hinterher. Also die Gruppe ist wieder zusammen und...
Vorne haben Jeffre und Mosandl wohl ein Abkommen geschlossen. Jeffre, als amtierender Weltrekordhalter in Liegendposition hat wohl viel Führungsarbeit geleistet und meint, Mosandl, zuletzt in bestechender Form und in Knieposition, läßt ihm den Vortritt. Aber so verheiratet ist da vorne keiner und Mosandl zieht den Sprint viel früher an als erwartet und mit soviel Überschuss, dass er die letzte Kurve schon mit ca. 45 km/h nimmt. Bis die anderen in Tritt kommen, hat Norbert bereits 20 m Vorsprung und die holt keiner mehr auf.
...jetzt geht das nervöse Rumrutschen auf der Sitzfläche der nur knapp über dem Boden liegenden Rennbikes los. Die letzten Reserven, das letzte Tröpfchen Adrenalin, der letzte Schluck Wasser vor dem abschliessenden Anstieg zum Ziel und dann geht es auch schon los. Max ist mit ganz vorne und ich etwa an 3. letzter Stelle in meiner Gruppe. Die sollte ich dann auch leider nicht mehr verbessern können. Wie ein kompakter Knödel bleibt die Gruppe bei etwa 41 km/h zusammen und hat zumindest fast zeitgleich das Rennen mit etwa 1.05.45 std. beendet. Ein klasse Rennen, tolle Zuschauer, sehr gute Organisation und bestes Wetter. Ein Sporttag zum Erinnern.
Michael Heil
27.06.09 - EHC-Rennen in Lorsch - Bericht von Alexa Heinzmann
Beim diesjährigen Handbike – Marathon war ich das erste Mal als neue Mitarbeiterin der Firma Rehability dabei.
Ab 10.30 Uhr half ich dabei die vielen teilweise von weither angereisten Sportler in der richtigen Reihenfolge aufzustellen. Überrascht wurde ich dabei von der Vielzahl der Teilnehmer (über 100 Handbiker) und der hohen Konzentration ausländischer Sportler bereits vor dem Start.
Dann ging es endlich los um 11 Uhr fiel der Startschuss und ich verfolgte gespannt den ersten Spurt über den holprigen Boden am Start- Zielbereich durch die erste ziemlich rutschige Kurve. Recht schnell nahmen die Sportler ihre imposante Geschwindigkeit von durchschnittlich 40 km/h auf. Und noch schneller hatten Sie die erste Runde geschafft und rauschten am Start/ Ziel Bereich mit knapp 2000 wartenden Zuschauern vorbei, wobei der eine oder andere in der Spitzengruppe schon Schwierigkeiten hatte, das hohe Tempo mit Spitzen bis 55 km/ h zu halten. Es ging die leichte Steigung hinauf und in die scharfe Linkskurve wieder hinab. Anfangs fürchtete ich einige der Teilnehmer würden bei solch halsbrecherischen Geschwindigkeiten in die Bande krachen, doch die Cracks hatten Ihr Handbike fest im Griff und meisterten selbst schwierigste Situationen hervorragend.
Schwieriger war es hingegen für das Fahrzeug, das eigentlich vorweg fahren sollte, das doch mit den hohen Geschwindigkeiten bis zu 55 km/h und der scharf geschnittenen Strecke offensichtlich seine Schwierigkeiten hatte.
Besonders beeindruckt hat mich, wie schnell die teilnehmenden Damen fuhren und wie viel Kraft sich in Ihren fast zierlichen Oberkörpern versteckte.
Der Sieger schaffte die 40 Kilometer lange Strecke und sage und schreibe 58 min und 58 Sekunden ! Eine echte Meisterleistung !
Trotz der schwül warmen Temperaturen brachten alle Teilnehmer ihr Bike über die Ziellinie. Gut für das Rennen und die Organisatoren, dass etliche ihre Bestleistungen steigern konnten.
Fazit: Das Handbike-Rennen in Lorsch ist eine herausragende Sportveranstaltung die vor allem durch die kraftvolle Ausstrahlung der Sportler und der extrem hohen Geschwindigkeiten imponiert. Langeweile ist hier fehl am Platz !
Und definitiv bin ich am Sonntag den 5.07.09 in Heidelberg zum Anfeuern und Staunen wieder dabei ! Ich hoffe wir sehen uns dort.