Menschen - Das Abenteuer

Prolog:
Es begab sich zu einer Zeit im März 2011, da Elisabeth zu Eulenburg (ZDF – Redaktion „Menschen – das Magazin“) und Frank Jansen (Filmproduktion „Bewegte Zeiten“) sich zu einem Termin bei Rehability in Weinheim einfanden. Da sie offensichtlich durch die Rolli-Extreme-Tour aufmerksam geworden waren, ging ich begeistert davon aus, dass es um mögliche Filmaufnahmen bei der RET (Rolli-Extreme-Tour) ging und plapperte die beiden Besucher erst einmal völlig zu. Als diese dann auch einmal zu Wort kamen, stellte sich heraus, dass es um ein anderes Projekt gehen soll: Eine Abenteuer-Tour für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen und Einschränkungen, bei der jeder aber auch irgendwie an seine Grenzen kommen solle und neue Erfahrungen machen könne.
Eine mehrteilige Sommerdoku für das ZDF solle dabei entstehen. Wow! Was ein Projekt! Ich nahm auch diese kleine Programmänderung begeistert auf und in meinem Kopf machten sich sofort Optionen und Möglichkeiten eines solchen Trips breit. Ja und für das nächste Jahr gab es ja sowieso noch keine langfristige Projektplanung.
Die Aussage, dass die Sommerdoku noch im Jahr 2011 gedreht und gesendet werden sollte machte dann sogar mich kurz sprachlos.
Aber mit Bergführer Pauli Freysoldt ließ sich doch ein Programmvorschlag erarbeiten und eine Projektplanung vorstellen. Dann ging`s beim ZDF erst mal ans Beraten und Gelder herbei schaffen.
Eigentlich hatten wir nicht mehr an die Umsetzung dieses Sommer-Abenteuers geglaubt, als sich dann im Mai doch die Hinweise darauf verdichteten, dass es Kandidaten gibt, dass eine nähere Planung erstellt werden müsste und schlussendlich: das Projekt steht!
Puh! Jetzt ging es in unseren Köpfen immer parallel – Organisation „Rolli Extreme“ und „Menschen – das Abenteuer“.

Tag 0 – die letzten Vorbereitungen

zwei Tage vor Anreise der Abenteurer gingen Pauli und ich noch einmal den Ablauf durch und die Wege ab. Lässt sich der Gletscher mit dem Paramounty-Bob überqueren? Die Spalten sind dieses Jahr so weit offen, da es kaum Schnee gab. Wie kommen wir mit der ganzen Gruppe über das Geröll und den steilen Weg ins Tal.
Wird Reini Sampl als Rollstuhlfahrer im Paramounty-Bob die zwei langen Tage schaffen? Wie kann Benjamin als Gehörloser kommunizieren und den Bob durchs Gelände bringen? Wird die blinde Christiane gut über Schnee, Eis und Felsen kommen? Welche Kondition hat wohl Peter als Kleinwüchsiger? Und die große Unbekannte in der Planung: Biene, Michaela Bienert mit einer Oberschenkelamputation links, einer teilweisen Handamputation links und Teillähmungen am rechten Bein. Da lässt sich wirklich schwer abschätzen, wo hier die Grenzen sind.
Aber in vielen Telefonaten und Briefings haben wir versucht, möglichst viel über die Teilnehmer heraus zu bekommen. Doch ein gehöriges Quentchen Ungewißheit blieb.

Tag 1 - Die Gefährten kommen zusammen

Beim gemütlichen Knollhof in Ramsau trifft am Vormittag das Team zusammen:
Christiane, 30 Jahre, Juristin aus Marburg, Paralympic-Teilnehmerin Goalball,blind
Benjamin, 28 Jahr, Triathlet, BWL- Student, München, gehörlos.
Peter, 31 Jahr, IT-Experte, 110 cm Körpergröße, 35 kg, kleinwüchsig
Reini, 38 Jahre, Paralympic-Teilnehmer Monoski, ortsansässig aus dem Lungau, Querschnittlähmung,
Michaela (Biene) , 37 Jahre, Oberschenkelprothese li, Teilamputation li Hand, Partielle Lähmungen re Bein, Kämpfernatur aus Waal,
Das Drehteam:
Alex, Kameramann, Mainz, drahtig, sportlich
Lawrence, Tontechnik, Bad Schwalbach, unverkennbar schottischen Ursprungs
Tim, Regie, Filmproduzent „Bewegte Zeiten“, Wiesbaden,er kann uns nach der Tour und 16 weiteren Sichtungstagen des Materials bestimmt nicht mehr sehen....
Elisabeth zu Eulenburg, Redaktion Menschen – das Magazin / ZDF aus Mainz
Paul, Bergführer, Leitung und Organisation, einheimischer Herkunft
Jule Heil, Weinheim, Physiotherapeutin, Rehaberaterin, FÜL DAV Hochtouren, Teambetreuung, Organisation 
Die Atmosphäre ist voller Vorfreude, Neugier, Spannung, Ungewissheit und Nervosität. Nach der Gondelauffahrt und der Einführung in den Gebrauch des Klettergurtes wird der Paramounty-Bob zusammen gebaut. Griffstangen vorne und hinten, unten drunter ein altes Snowboard für die Überquerung des Gletschers.
Schnell stellen wir fest: Benjamin ist ungeheuer fit und kann den Snowbob sicher gut zeihen und für Christiane ist es eine gute Führung, hinten an den Griffen zu sein und Schiebepower hat sie wahrhaftig.
Paul und ich beobachten das Team bei der ersten Etappe über den Schnee. Gehen unsere Ideen auf? Wird das Team die Tour wohl schaffen? Wir sind zuversichtlich, die Truppe ist schneller als gedacht. Ein kurzer Schrei lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das Drehteam. Beim „Ton angeln“ ist Lawrence etwas aus der Spur gelaufen und steckt nun bis zum Oberschenkel in einem Loch – naja – Loch. Wird wohl schon eine Spalte drunter sein – schließlich befinden wir uns auf einem Gletscher.
Auf dem Weg zur Seetaler Hütte bläst uns ein stürmischer Fönwind entgegen. Vielleicht kann es das Wetter halten. Später steht im Abendlicht der Vollmond am Himmel, die 400 Meter hohe Dachstein-Südwand ist unter uns, das Tal unter einer dicken Wolkenschicht. Christiane steht begeistert auf dem Felsen, die Haare vom Wind zerzaust, mit ihrer restlichen Sehkraft hält sie das Wolkenmeer für ein Schneefeld und ist beeindruckt von dessen Weite.
Beim gemütlichen Hüttenabend bringt uns Benjamin geduldig die wichtigsten Gebärden bei – Tageszeiten, Schnee, Regen, Sonne, warm, kalt sind ebenso wichtig wie frech und Frauentratsch. Später werden Gebärden wie Muskelkater, Mann und doof folgen. Ich denke oft an den Satz, den Benjamin per email vorab geschrieben hatte: Blindheit trennt von den Dingen, Gehörlosigkeit von den Menschen (Helen Keller). Die schriftliche Kommunikation ist langwierig und wir versuchen eher die Grundlagen einiger Gebärden zu lernen und schon nach kurzer Zeit können wir Benjamin auch in seiner Lautsprache viel besser verstehen.
Zumindest kann Benjamin völlig ungestört tief und lange schlafen, während für so manchen die Hüttennacht im Lager eine schlaflose Nacht wird, in der man Stunde um Stunde den anderen zuhört, ob man will oder nicht. 
Tag 2: Die Suppe – oder 8 Stunden Weißabgleich

Das Wetter hat heute vor, uns Christianes Sicht des Panoramas näher zu bringen. 20 Meter Sichtweite im feucht-nassen Növö (wie der Österreicher die weiße Suppe nennt).
Nach einer rustikalen Nacht in Lager und Hütte und bei einer Gletscherüberquerung mit null Sicht lernt man die wirklich wichtigen Dinge zu schätzen wie Früchteriegel, Gummibärchen oder eine Überhose. Wir haben den Eindruck unsere Weltanschauung wird ein wenig korrigiert und wir stellen fest, dass vieles im Leben wie ein Wasserkloset, Händewaschen oder Sonnenschein einfach überbewertet werden.
Das Filmteam macht ebenfalls völlig neue Erfahrungen: „ Ich habe noch nie im Leben einen ganzen Tag nur WEIß gefilmt“, berichtet Tim.
Doch der Nebel kostet Zeit, unsere Markierungsstange zur Abseilstelle ist nicht mehr auffindbar und so tasten wich die Seilschaften langsam das immer steiler werdende Firnfeld entlang. Endlich sind wir am südwestlichen Gletscherrand angekommen, hier gilt es mittels Eingraben der Pickel zwei T-Anker im Firn zu setzen, die als Sicherungspunkte dienen. Am Seil geht`s mit dem Bob steil bergab, Benjamin und ich stabilisieren den Paramounty, aber das Snowboard drunter hält ist super stabil. Anschließend lässt sich Peter am Seil ab, obwohl er mit seinen 35 kg Körpergewicht eher Mühe hat, das Seil zum Durchlaufen am Sicherungsknoten zu bringen.
Anschließend lässt Paul mich mit Biene links und Christiane rechts am Seil ab. Biene kämpft mit dem rutschigen Untergrund und die Prothese klappt des öfteren weg. Sie freut sich auf den bald folgenden steinigen Untergrund. Ich schweige, denn ich weiß, wie der kommende „Weg“ beschaffen ist. Christiane kommt sehr gut im Schnee und Eis zurecht, ihre Sensibilität für den Untergrund und ihr Reaktionsvermögen erstaunen mich endlos. Doch plötzlich schreit sie erschrocken auf und ist im gleichen Moment über einen halben Meter kleiner. Ihr Fuß ist in ein Spaltenloch eingebrochen, sie kommt schnell wieder heraus, doch der Schreck sitzt noch eine kurze Weile tief. Pauls Gletscherspaltenerzählung ist also nicht nur für die Kamera gedacht gewesen.
Es ist schon weit nach Mittag, bis alle festen steignigen Boden unter den Füßen haben, es fängt an zu nieseln und wir bauen den Paramounty um. Das Snowboard wird durch ein Mountain-Bike-Einrad ersetzt. Zwei steile Passagen warten noch auf uns, die wir teils auch nur mit Seilsicherung gehen können. Peter diktiert Christiane das Gelände, mit den Stöcken tastet sie den Untergrund ab und geht so konzentriert Schritt für Schritt. Ihre Gangsicherheit ist unglaublich, nur bei den steileren Passagen benötigt sie beim Abklettern ein wenig Führungshilfe. Bei Biene schwinden die Kräfte im rechten Bein, damit die Prothese nicht immer einknickt, ist oft nur ein Nachstellschritt möglich, die linke Hand kann den Stock nicht so gut halten und ich bemerke, dass sie auch aufgeschürft ist. In der Hand hat sie ein Metallimplantat, und das läßt bei dem Wetter so richtig auskühlen. Im Team wuchten wir den Paramounty zu Tal, Benjamin erkennt unsere kleinen Zeichen und Kommandos sehr schnell und doch rufen wir häufig Kommandos in seinen Rücken. Man ist so verhaftet in seinen Gewohnheiten. Reini muss permament mit den Stöcken das Gleichgewicht halten. Doch jeder hat noch gute Laune, was mich schon ein wenig erstaunt, das Team ist echt hart im Nehmen, und ich merke, hier sind Menschen am Berg, die durch ihre Behinderungen gelernt haben, nicht aufzugeben, ja sogar Spaß an Herausforderungen zu finden, die manchmal an die Grenzen gehen.
Das Filmteam bekommt neben weißem Schnee in weißem Nebel nun auch ein paar dunkle Steine in weißem Nebel zu drehen, aber so ganz glücklich scheinen sie mit dem Kulissenwechsel noch nicht zu sein.
Für Paul und mich ist längst klar: das anvisierte Ziel Wiesberghaus ist bei den Bedingungen nicht mehr zu erreichen. Es ist schon weit nach 18.00 Uhr als wie die Simony-Hütte erreichen und dort herzliche aber auch mit ein paar befremdlichen Blicken empfangen werden. Unser Auftritt wird wohl für Diskussionen sorgen. 
Tag 3 – Harte Zeiten

Nachdem aus der Küche um 5.15 Uhr bereits die „Scorpions“ tönen und einige Gruppen um 6.00 Uhr zu einer Hochtour aufbrechen, ist auch diese Nacht für die meisten ohne viel Schlaf gewesen.
Der Ausblick vor der Hütte tröstet ein wenig: es ist strahlend blauer Himmel, der Dachstein und unser gesamter Gletscherweg ist zu sehen und ein jeder ist beeindruckt, welche Strecke wir gestern zurückgelegt hatten. Der einzige Vorteil unseres Hüttenwechsels, denn der Abstieg ins Tal wird heute dafür umso länger und der Rollstuhl, den ich für Reini extra auf dem Wiesberghaus bereit gestellt hatte, hat hier auf der Simonyhütte gefehlt. Doch das Herumtragen mit dem Stuhl hat er tapfer ertragen. 1300 Höhenmeter gilt es heute bergab zu schaffen. 8 Stunden lang erklärt Peter Christiane den Weg. Die verschiedenen Wegformen bekommen Beschreibungen wie: komischer Schotter, rutschiger Stein, blöder Stein, Sch... Stein, blöde Stelle voraus, grobes Geröll, …. Die Mittagspause mit einem Radler und Gulasch, das wir alle später noch verfluchen, läßt Peters Stimme kurzfristig erholen, doch am Nachmittag bekommen seine Beschreibungen einen leicht kratzigen Unterton. Bei einem geduldigen „ jetzt kommen mal 5 Meter unschöner Weg“ bleibt Christiane abrupt stehen: „ 5 Meter unschöner Weg? - ich geh seit hunderten von Metern auf unschönem Weg....“ . Ich frage mich, ob die Stimmung ganz leicht gespannt ist. Benjamin und Paul sind mit dem Bob und Reini längst talwärts außer Sicht. Da Benjamin recht groß und Paul nicht ganz so zu den hochgewachsenen Menschen gehört, muss Paul die Griffe des Bobs meist bis unter die Achseln nach oben heben, durch die Bäume verschwinden sie nach unten und es sieht ein wenig aus, als würde Paul ein Huhn imitieren. Sie werden unten alle drei recht platt sein, wenn sie auch eine gute Stunde vor dem Rest der Truppe ankommen. Bei Biene gehen die Reserven zur Neige, sie stürzt mehrmals, Migräne macht sich bemerkbar und das Gulasch will zurück. Ich mache mir ein wenig Sorgen, aber mit viel Pausen werden wir`s schaffen, das Wetter ist perfekt, wir haben keine Eile, sie ist eine Kämpferin, doch wir sind noch lange nicht unten, auch wenn ich den Zickzack-Weg auf der Karte in meinen Motivationsreden etwas verkürze. Die „zwei letzten Kehren“ glaubt mir bald eh niemand mehr. Nach der Rast an einer „Lebensquelle“ mobilisiert Biene noch mal alle Kräfte. Alex wartet mit der Kamera immer mal wieder in einer Wegbiegung, wartet er auch auf einen Zusammenbruch? Wir versuchen, das Dreh-Team weitgehend zu ignorieren, wäre da nicht immer das Funkgerät, mit dem Lawrence, der schon weiter unten ist, immer wieder hoffungsvoll durch den Wald piept. Daß das Vogelgezwitscher ist, glaubt sicher kein Zuschauer, doch es heitert die Stimmung auf und wir driften allmählich in eine erschöpfte Albernheit ab, die später auch den Jungs unten wieder eine neue Erkenntnis bringt: bei Frauen ist das Sprachzentrum völlig autark vom restlichen Körper angesteuert und wird eher immer aktiver, je erschöpfter der Rest wird.
Nach 1300 Höhenmetern, zahlreichen Stürzen und noch zahlreicheren Flüchen erreichen wir den Forstweg, wo Pauli mit dem Auto wartet. Der Jubel ist riesig und es geht zu unserem romantischen Lager mitten in der Natur. Reini fährt mit einem „Freeway“, ein Monorad, das vor den Rollstuhl gespannt wird, den Weg ins Tal. Wir kommen mit Auto und Kamera auf der Forststraße kaum hinterher und ich frage mich, ob das Gerät dafür gebaut ist, dass „Mann“ wie verrückt mit 50 km/h den Wald hinunter rauscht. An den Slide-Spuren im Schotter sehen wir in den Kurven, dass Reini mit dem Handschuh am Rad mitgebremst hat. Au weia. Doch es kommt alles heile an.
Mit Lagerfeuer unterm Sternenhimmel, Grillwürstchen, ein oder zwei Bier wird die Bergtour gefeiert. Nach dem 4. verbrannten Maiskolben bleiben wir bei Würstchen, Brot und Salat, genießen die Nachtstimmung und das Lachen schallt bis 2.00 Uhr nachts noch durch den Wald.
Geschlafen wird in einem Holzverschlag – meine Feuchttücher als Duschersatz finden wenig Anklang – Körperreinigung wird ebenso überbewertet wie Zähne putzen – na denn. 
Tag 4

Nach einem ausgiebigen Frühstück geht die Truppe mit einem lockeren Spaziergang gemäß Pauls Kartenmalkünsten nach Hallstatt und zum See. Paul und ich organisieren derweil die nächsten Schritte, deponieren die Fahrräder auf der anderen Seeseite und fragen uns, wie die seltsame Truppe wohl durch das Japaner und Touristen-besetzte Dörflein kommt. Auffällig sind sie allemal.
Doch wir erwischen sie als fröhliche Runde beim Radler in der nächsten Kneipe, der anscließende Weiterweg erweist sich als recht erheiternd da Reinis Angaben für Christiane, die ihn im Rolli schiebt, längst nicht so akkurat sind wie Peters Geländebeschreibungen. Schlußendlich kommen alle am See an und die Einweisung mit Kanu und Paddel erfolgt von Tom, der gerüstet wie Crocodile Dundee, auf die Gefahren des Paddelns im einzelnen und auf dem Hallstätter See im Besonderen hinweist.
Die Sonne brennt, die Stimmung ist ausgelassen und die Seeüberquerung wird zu einem fröhlichen Wasserschlachtfest. Nur der arme Paul bekommt dicke Arme, da er allein Kameramann Alex immer in gute Drehpositionen fahren muss. Mal vor das Boot, mal von hinten filmen, mal nebenher, wenn die anderen zu dritt so richtig Gas geben. Währenddessen bricht Tim im anderen Boot der Sitz unter dem Allerwertesten weg und er wird fortan im Knien weiterpaddeln müssen, um den locker im Boot liegenden Lawrence mit seiner Tonangel immer an die Action zu bringen.
Ausgelassen gehen wir in Steeg von Bord und nach kleiner Kuchenpause, Baden und Umziehen geht es mit den Rädern weiter. Für Michaela mit der Badeprothese auf einem Mountainbike wieder mal eine Herausforderung. Für bessere Kommunikation haben Benjamin und Christiane ein Tandem, bei dem sie nebeneinander sitzen können und Christiane juchzt und quiekt vor Vergnügen, wenn Benjamin bergab so richtig in die Pedale tritt und die Kurven nimmt. Solch eine Frequenz ist sogar für ihn hörbar! Das Kamerateam sitzt bei geöffneter Heckklappe in meinem Bus und versucht das Ganze filmtechnisch festzuhalten.
Wir hatten zwar die Breite des Tandems bei dem Weg berechnet, leider aber nicht den großen Wendekreis und so gibt es bei der Brückenauffahrt mit 90°-Kurve ordentlich was zu wuchten, bis Benjamin und Christiane mit ihrem Gefährt da drüber sind.
Am Himmel braut sich ein dunkles Wolkenmeer zusammen, der See hat schon Schaumkronen und gerade rechtzeitig vor dem Regen erreichen wir den Camping-Platz von Obertraun.
Bei gemütlicher Pizza nach einer zumindest lauwarmen Dusche kehrt ein Gefühl von Zivilisation ein und die Nacht verspricht lauschig und ruhig zu werden, wenn da nicht um 5.00 Uhr früh diese Alarmanlage eines holländischen Jeeps dafür sorgt, dass jeder auf dem Campingplatz hellwach ist – außer Benjamin... 
Tag 5 – Moria oder unter Tage sieht man auch nicht viel

Dass der Tag heute so richtig verregnet erscheint, stört keinen, denn es geht in die Höhle. Und bei 1000 Metern Fels über dem Kopf ist Regen herzlich egal. Lawrence als Hochlandschotte ist wohl am nervösesten, denn ganz frei von Klaustrophobie scheint er nicht zu sein. Vor der Höhle werden alle in dreckdichte Overalls gesteckt, Helm und Stirnlampe aufgesetzt, empfindliche Prothesenteile und bruchgefährdete Beine werden gepolstert und verklebt. Reini bekommt ein Popokissen mit eingearbeiteten Luftquadern unter den Allerwertesten, damit dieser beim Rumrutschen nicht Schaden nimmt. Hier unten lauert wirklich das Abenteuer pur mit Abseilen, durch enge Schluchten schieben, am Seil aufwärts hangeln, und es ist fraglich, wer da mehr Platz hat. Diejenigen die sich im Stehen seitwärts an den nach oben immer enger werden Wänden entlangquetschen oder die, die am Boden kriechend und sitzend dahin robben.
Ja – es ist wohl Peter, der heute klar im Vorteil ist, noch beim Tragen der Ersatzpolster hilft und oben in der großen Höhle bei der Zwischenrast schon mal die Kerzen angezündet hat, bis der Rest der Truppe durch den Lehm daher gekrochen kommt. Mit einem guten Schluck Sekt wird schon ein wenig gefeiert, denn der Weitergang ist nicht mehr ganz so hart, nur noch ein enger, lehmiger Durchstieg und noch 10 Meter gerobbt, dann sind wir wieder auf dem Hauptweg der Höhle.
Ausgelassen und mit Lehm beschmiert ist auch das letzte Abenteuer bestanden.
Später wird in Ramsau im Knollhof bis in die Nacht noch tüchtig gefeiert. Tim hat vorab die Rechnung auf „Bewegte Zeiten“ genommen. Das werden bewegte Zeiten in der Finanzkasse des Filmproduzenten werden, denn Weinpreise werden auch oft überbewertet. Und spät am Abend erklärt Peter sich sogar bereit das erste Outdoor-Übersetzung-Lexikon für Blinde zu schreiben: Stein- Blind , Blind – Stein 
Es war mir eine Ehre, dabei gewesen sein zu dürfen. Ich fühle tiefe Bewunderung für die Menschen und ihre Leistungen bei dieser Tour und es hat meinen eigenen Horizont erweitert und mich sehr bereichert.
Jule 
| Jule Heil
Außendienst
Reha- & Inko-Beraterin
RehaKIND-Fachberaterin
Physiotherapeutin
Mob: 0163 577 69 42
Email: juleheil@.rehability.de |


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