Dreirad für Erwachsene: sportlich und medizinisch wertvoll

Dreirad für Erwachsene oder Therapie-Fahrrad – tolle Hilfsmittel. Sowohl medizinische als auch Mobilitätsgründe und Lebensfreude sprechen dafür.

Ein namhafter Therapierad-Hersteller stellte mal die These auf: „Ich glaube, ihr versorgt die meisten Fahrräder für Kids in ganz Deutschland“.

Die eine oder andere Krankenkasse wird dies gar nicht gerne hören, aber die ein oder andere Krankenkasse wird dies auch besonders gerne hören. Warum?

Ein Fahrrad ist für jedes Kind ein tolles Bewegungsgerät. Wenn es irgendwie möglich ist, dann sollten unsere kleinen Kunden mit ihren besonderen Bedürfnissen in den Genuss kommen dürfen, solch ein Gerät fahren zu können. Und dank der guten Entwicklungen und Innovationen in diesem Marktbereich – an denen wir nicht ganz unbeteiligt waren – gibt es in der Tat ganz viele Versorgungsmöglichkeiten mit einem Fahrrad für unsere Kids.

Für wen ist eine Fahrradversorgung sinnvoll?

Die meisten Kids, die mit einem Fahrrad versorgt werden, haben eine spastische Cerebralparese, eine unwillkürlich hohe Muskelspannung, die das Gehen erschwert oder sogar unmöglich macht. Durch das Fahrradfahren kann diese Muskelspannung („Tonus“) sehr positiv beeinflusst werden, denn die reziproke (wechselseitige) Beinbewegung lockert die Muskeln und kräftigt sie bei ihren Willkürbewegungen. Außerdem ist das Radeln ein prima Training, um das Gehen zu üben oder das Gangbild zu verbessern. Daher sollten alle Kids, die mit einer spastischen Lähmung noch gehen können (egal ob frei oder mit Hilfsmittel), eine Versorgung mit einem Therapie-Fahrrad oder Therapie-Dreirad ausprobieren.

Aber auch Kids, die (noch) nicht zu Fuß unterwegs sind, können das Radeln erproben – und selbst wir staunen oft, was da alles geht.

Kinder mit schlaffen Lähmungen der Beine (Muskelerkrankungen, Spina bifida) können hervorragend mit dem Rad die verbleibende Kraft trainieren, und das Tolle daran ist: Es geht ganz gelenkschonend, denn die Belastung auf die Gelenke ist minimal.

Zudem ist ein Fahrrad die ideale Hilfsmittelversorgung, um generell die Aktivität eines Kindes zu erhöhen und ein wenig zum Sport zu motivieren. Das Therapierad ist ein wahres Inklusions-Hilfsmittel und ein echter Mut- und Lebensfreudemacher: Als Familie oder mit behinderten oder nichtbehinderten Freunden lässt sich prima zusammen eine Tour fahren.

Auch Kids mit mentalen Einschränkungen können prima Fahrrad fahren, es gibt Schiebestangen, die sogar bremsen und mitlenken können. Die Raumwahrnehmung und die bewegende aufrechte Position haben für Haltung, Beweglichkeit und auch für die geistige Entwicklung einen prima Effekt. Dass hierbei eine Aufsichtsperson zugegen sein muss, ist klar.

Wenig überraschend: Ein Fahrrad kostet Geld…

Und warum nun sind die einen Kostenträger begeistert von unserer Philosopie, und andere vielleicht nicht? Klar, die Versorgungen kosten Geld. Doch beim Fahrrad lässt sich wirklich gut und sinnvoll aus dem Kassenlager versorgen. Leider passen die Rädchen nämlich oft nur zwei Jahre. Doch manch ein Kostenträger ist der Meinung: Nur wer eigenständig treten und lenken kann, hat auch ein Anrecht auf eine Versorgung. Dagegen stehen wie oben beschrieben die positiven Effekte: Vorteile, die das Rad für Gelenke hat; dass die Hüften, die bei den Kids oft von der Luxation bedroht sind, eine bessere Stabilität in der Pfanne erhalten; dass das Gangbild besser angebahnt und gelenkschonend trainiert wird; dass die gesamte Koordination geschult wird, und es ein echtes Kopftraining ist, radeln zu lernen. Und nicht zuletzt macht es einfach Spaß. Lebensfreude ist oft die wichtigste Reha-Maßnahme.

Zugunsten der Fahrradversorgung kann dafür ab und an auf einen Rehabuggy erst mal verzichtet werden. Nichts ist besser, als mit dem Rad zum Einkaufen und in die nähere Umgebung zu fahren.

Also probieren wir das Radl sehr häufig mit den Therapeuten und Familien aus und stellen immer wieder fest: Ein Fahrrad hat so gut wie keine Risiken und Nebenwirkungen

Aber auch hier gilt natürlich: Am besten selbst testen.

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