Theorie und Praxis: Therapeuten im Selbstversuch

Was passiert, wenn angehende Ergotherapeuten die Schulbank gegen einen Rollstuhl eintauschen? Sie lernen viel – nicht nur den Umgang mit dem Rollstuhl! Wie sich so eine Praxiseinheit anfühlt, hat eine Klasse der Ergotherapie-Schule Birkenfeld mit Rehability Mitarbeiter Thomas Weinsheimer buchstäblich am eigenen Leib – nämlich im Rollstuhl – erfahren dürfen. Hier ihr Bericht:

REHABILITY – Einen treffenderen Oberbegriff für all das, was dahinter steckt, gibt es wohl kaum

Schon allein, wenn man den aus dem Englischen stammenden Begriff “ability” (=Fähigkeit, Möglichkeit) im Zusammenhang mit dem oftmals eher negativ besetzten Wortstamm “Reha” hört, erlangt man ein Gefühl von Leichtigkeit und dass so ziemlich alles möglich ist – vor allem dann, wenn Menschen in Folge eines Unfalls oder schon von Geburt an in ihrem alltäglichen Leben durch Immobilität und Behinderung beeinträchtigt sind. Nur zu Recht verspricht “Rehability” demnach auch “Mehr als nur Rollstühle”…aber nun genug der Werbung…

Wir – die 11/14er der Ergotherapie-Schule Birkenfeld – wollten das mal genauer wissen:

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Nach einem erlebnisreichen Tag im Rollstuhl, jeder Menge Spaß und Muskelkater in den Schultern können wir dem Slogan nur zustimmen. Eine Treppe hinabsteigen, über die Bordsteinkante gehen, oder ganz einfach einen Fuß vor den anderen zu setzen – das sind Dinge, die für uns und unser tägliches Leben ganz banal sind und über die wir uns keine Gedanken machen müssen. Doch: Was, wenn man plötzlich in eine Situation kommt, in der man gänzlich hilflos ist und auf einmal vollkommen auf die Unterstützung anderer Menschen angewiesen ist?

Natürlich gibt es heutzutage ein riesiges Sortiment an unterschiedlichen Hilfsmitteln, das vom altbekannten Rollstuhl über Stehgeräte bis hin zum Toilettenstuhl reicht. Allerdings ist die Hilfsmittelversorgung in den meisten Fällen nicht nur Glückssache, sondern leider auch oft mehr schlecht als recht auf die Individualität des zu versorgenden Menschen abgestimmt.

“Rehability” vermittelt bei vielen Seminaren und Workshops allerhand Arten von Techniken, um aus Rollstühlen nicht nur Rollstühle, sondern auch tatsächliche Hilfsmittel im Alltag zu machen.

Sicherlich spielen dabei der jeweilige Grad der Behinderung und das spezielle Krankheitsbild eine tragende Rolle, wie und in welcher Art und Weise die Betroffenen letztendlich diese Techniken anwenden können; aber dennoch ist es Aufgabe – wenn nicht sogar Berufung – selbst in den ausweglosesten Situationen auf Ressourcen zurückzugreifen und diese dann in individuelle Strategien umwandeln zu können. Dazu gehört natürlich auch ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein und Ehrgeiz – und zwar von dem Betroffenen sowie vom hilfeleistenden Menschen ausgehend.

Doch was wäre ein Leben ohne Freizeit und Hobby?

Auch diesen Bereich versucht “Rehability” mit immer wieder neu konstruierten Hilfsmitteln auch zur sportlichen Fortbewegung und Betätigung auszufüllen – das Hilfsmittelsortiment reicht vom Handbike über den Monoskier bis hin zur Taucherausrüstung für Menschen mit körperlicher Behinderung.

Außerdem finden jährlich mehrmals durch “Rehability” organisierte Ausflüge und Reisen statt, die selbst sehr stark beeinträchtigten Menschen immer noch die Teilhabe an Freizeitaktivitäten ermöglichen.

Bei einem 2-stündigen Non-Stop-Rollstuhl-Baskettballspiel durften wir erfahren, wie viel Spaß das ganze auch mal aus dieser anderen Perspektive macht – aber auch wie kräftezehrend und anstrengend das für uns als Laien ist.

Insgesamt hatten wir uns schon sehr auf diesen Tag zusammen mit Trainer und Übungsleiter Thomas Weinsheimer gefreut. Er beantwortete all unsere Fragen (ob nun persönlich oder allgemein) und vermittelte uns zunächst in einem kleinen theoretischen Abschnitt, dann in einem ausführlichen Praxisteil, alles, was wir über Rollstühle und den Umgang damit wissen müssen.

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Vor allem beim praktischen Ausprobieren konnten wir unsere Fähigkeiten im Rollstuhlhandling unter Beweis stellen.

Am Ende des Tages waren wir dann alle “Fast-Profies” und unser Horizont hatte sich vom einfachen Rollstuhlfahren über das Kippen bis hin zum Treppe hinabsteigen im Rollstuhl erweitert.

Für uns hat sich das Rollstuhltraining zusammen mit unseren Lehrern und Anleiter Thomas von “Rehability” mehr als gelohnt und als Fazit können wir nur feststellen:

Reha mit der Hilfsmittelversorgung, das ist eine Sache – aber das Wiedergewinnen der notwendigen Fähigkeiten zur täglichen Bewältigung des Lebens mit einer Behinderung, ist eine ganz andere.

Vielen Dank für einen so tollen und erlebnisreichen Tag!

Die 11/14er der Ergo-Schule Birkenfeld

 

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