Neues Musical Wheelchairica kurz vor Premiere

Das inklusive Filmfestival „NO LIMITS“ (http://www.no-limits-festival.de) in Berlin macht es derzeit vor, Rehability zieht mit seinem Musical “Wheelchairica – alles inklusive” Ende des Monats nach: In einer anspruchsvollen und unterhaltsamen Show tanzen RollstuhlfahrerInnen im Zusammenspiel mit nichtbehinderten Turnerinnen über die Bühne. Viele Zeitungen aus der Region haben schon davon berichtet!

Nachdem vor acht Jahren das so erfolgreiche erste Rolli-Musical „Wheelchairica-Das Musical mit handicap“ unter der Leitung der engagierten Rehability-Mitarbeiterin Jule Heil letztmals zur Aufführung kam, dürfen sich alle Interessierten und Begeisterten von künstlerischen Aufführungen nun auf die Neuauflage freuen. Das zusammen mit ihrer Projektpartnerin und Schauspieltrainerin Sonja Pinter selbst geschriebene Drehbuch mit eigener Inszenierung bietet dem Zuschauer laut Heil mal wieder etwas komplett anderes auf der Bühne mit fetziger Musik und 56 Rädern, die die Bühne zum Beben bringen. Die Idee, ein Musical mit Rollstuhl-Darstellern zu organisieren, entwickelte die gelernte Physiotherapeutin, die das Thema Rollstuhlsport schon immer sehr spannend fand, 1995. „Aus meiner Arbeit im Berufsförderungswerk in Heidelberg-Wieblingen, wo ich zweimal pro Woche als Beraterin in der Hilfsmittelversorgung unterwegs war, habe ich die ersten Rollstuhlfahrer rekrutiert“, erzählt sie. Später kamen noch einige Kunden von Rehability dazu. Für Heil erfüllt ein Rollstuhl-Musical einen wichtigen Zweck: Es zeigt, wie auch behinderte Künstler absolut sehenswert auf einer Bühne agieren können. Das erste Wheelchairica-Musical kam elf Mal vor bis zu 1000 Zuschauern zur Aufführung, einmal sogar in Hannover. Nach diesem Erfolg 2005 kam dann recht schnell der Wunsch auf, ein neues Musical zu kreieren.

Inklusion im Mittelpunkt

Während es im ersten Stück um einen einfachen Handlungsablauf ging, bei dem zwei Fußgänger-Mädchen auf die Welt der Rollstuhlfahrer treffen und Handlungsmuster wie Mutterinstinkt oder Distanzierung offensichtlich werden, haben Jule Heil und ihr Team im neuen Stück das Thema der Inklusion aufgegriffen. Das Musical soll auf die Unterschiedlichkeiten aufmerksam machen und die Herausforderungen, die man im Rollstuhl zu meistern hat, verdeutlichen. Das tut die bunte Gruppe mit Darstellern aller Altersstufen auf eine humorvolle Art mit einer Portion Selbstironie. Im neuen Wheelchairica sind die Rollifahrer zunächst unter sich, isoliert und abgesondert vom Rest der Gesellschaft. Als die ersten Zweifel aufkommen, geschieht eine Katastrophe und die Welt der Rollstuhlfahrer explodiert. Die leicht wahnsinnige Professorin Frau Allmacht hatte bei dem Versuch, einen neuen Superrollstuhl zu entwickeln, eine Kurzschlussreaktion verursacht und Wheelchairica in die Luft gesprengt. Die Rollstuhlfahrer stehen vor den Trümmern ihrer Existenz und müssen jetzt in der Welt der Fußgänger überleben. Dies alles führt zu kuriosen Situationen und es tauchen Fragen auf: Sind Gefängnisse inklusiv, wenn es rollende Kriminelle gibt? Können und wollen alle Rollikinder die Regelschule besuchen? Schnell ist klar, dass finanzielle Mittel benötigt werden, um Wheelchairica wieder aufzubauen. Die verschiedensten Ideen wie das Sammeln von Spenden oder Geld verdienen durch Tabledance kommen auf. Jeder tut, was er kann und sammelt fleißig. Der korrupte Jacko versucht aber hinter dem Rücken der anderen, die Einnahmen an sich zu reißen…

Ein Großprojekt nimmt Gestalt an

Seit fünf Jahren üben die 14 Hauptdarsteller im Rollstuhl das Stück ein, wobei es auch immer wieder kleinere Auftritte mit einzelnen Stücken gab, bei denen die Gesamtproduktion ruhte. „An der hohen Motivation der Darsteller hat es in dieser Zeit nie gemangelt“, zeigt sich Trainerin Jule Heil beeindruckt. Die Darsteller, die fast alle voll berufstätig sind, nehmen teilweise lange Anfahrtswege auf sich. Die größte Schwierigkeit besteht laut Drehbuchautorin Heil darin, dass es bei den Proben häufig krankheitsbedingte Ausfälle gibt. Aber da die Gruppe trotz ihrer großen in Inhomogenität hervorragend zusammenarbeite und einen tollen Teamgeist beweise, sei nun eine sehenswerte Produktion entstanden. Selbstverständlich ist dies keinesfalls wie Jule Heil erläutert: „Theater- und Tanzarbeit mit Menschen im Rollstuhl ist eine sehr komplexe Herausforderung, da man die unterschiedlichen körperlichen Möglichkeiten berücksichtigen muss. Auf der einen Seite sollte in einer harmonischen Choreographie der schwächste Teilnehmer die Richtlinie sein und auf der anderen Seite wollen wir jeden mit seinen maximalen Möglichkeiten darstellen. Zudem kommen die Darsteller auch ab und zu persönlich an ihre Grenze, da sie ja auch ihren eigenen Alltag spielen.“ Sehr froh ist sie, dass die Kooperation mit dem Turnerbund zustande kam: „Eine Teilnehmerim unserer Gruppe ist als rollstuhlfahrende Mutter und ihrer turnenden Tochter zu uns gekommen und stellte Idee vor. Dadurch konnten wir gleich noch andere Mädchen aus der Turnerriege begeistern.“ Eine weitere Partnerschaft besteht mit dem Seniorentheater der Theaterwerkstatt Heidelberg, die bei einem Part mit auftreten.

Wer mehr wissen möchte, findet unter http://www.wheelchairica.de weitere Infos zum Projekt und den Figuren des Musicals.

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Freier Journalist und Autor aus Heidelberg

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