Gut kommunizieren in allen Fällen

Am 22.11.2013 fand im AKTIV REHA CENTER (ARC) das Seminar elektronisch Unterstützte Kommunikation (UK) statt. Die Teilnehmer hatten nach vier Fachvorträgen die Möglichkeit, den referierenden Experten Fragen zu stellen.

Augensteuerung mit Talker kombinieren

Zunächst stellte Herr Dißmann von Humanelektronik, Wormser Spezialist für UK, verschiedene Kommunikationshilfsmittel vor. Er machte deutlich: Das geeignete Hilfsmittel hängt stark von den jeweiligen Anwendungsmöglichkeiten des Kunden ab. Für Menschen mit starken kognitiven und motorischen Einschränkungen kann der „Steg-by-Step“, der Ähnlichkeiten zu einer PC-Maus aufweist, eine erhebliche Kommunikationshilfe sein. Das Gerät kann zwei verschiedene Texte abspielen, die zuvor aufgenommen wurden. Eine komplexere Technik verwendet die vorgestellte Augensteuerung, bei der eine Kamera das Auge des Benutzers kalibriert. Danach kann dieser mit seinen Augen einen Buchstaben oder ein Symbol auf dem Bildschirm durch Blinzeln anklicken. Mit entsprechender Vorprogrammierung ist es möglich, Textbausteine zusammenzusetzen, die eine Sprachausgabe im Anschluss in Sprache verwandelt. Laut Dißmann sind die elektronischen UKs problemlos im Alltag anwendbar, ein Talker übernimmt beim Einkaufen ganz unkompliziert das Reden. Nur die Mitmenschen müssen sich darauf einstellen. Am Ende des Seminars konnten die Teilnehmer die vorgestellten Hilfsmittel von Humanelektronik selbst ausprobieren.

Tatschi for Touchpad

Herr Albert präsentierte einen in jahrelanger Eigenregie selbstkonstruierten Tisch Namens „Tatschi“, an dem sich ein Talker oder ein Touchscreen befestigen lässt. Er griff dabei auf die Erfahrung von Lehrern, Ergo- und Physiotherapeuten zurück. Das jeweilige Kommunikationshilfsmittel wird in die Tischplatte versenkt und ist so fest mit dem Tatschi verankert. Der Tatschi passt sich den individuellen Bedürfnissen des Anwenders an, Höhe und Neigungswinkel sind flexibel. Der Ingenieur Albert, beschäftigt an einer Berufsschule, ist Vater eines schwer körperbehinderten Jungen. Zur Einschulung seines Sohnes sind Tablets wie das Ipad auf den Markt gekommen, die Sebastian wegen seiner schweren Spastik nicht benutzen konnte. Herrn Albert sah sich veranlasst, einen Tablet-PC mit einem wesentlich größeren Touch-Monitor anzuschaffen. Damit Sebastian den Tablet richtig nutzen kann, musste der PC in einen Tatschi integriert werden.

Durchstarten in der Schule mit der richtigen Ausstattung

Nächster Programmpunkt war eine Präsentation von Frau Gawellek, Leiterin der sonderpädagogischen Beratungsstelle von der Stephan-Hawking Schule in Neckargemünd.Aufgabe der Beratungsstelle ist es, Kinder ab dem Vorschulalter im Hinblick auf Computer- und Kommunikationshilfen zu beraten und unterstützten. Je nach motorischer und kommunikativer Fähigkeit des Kindes wählen Gawellek und ihr Team ein geeignetes Hilfsmittel aus. Sie suchen nach individuellen Ausstattungsmöglichkeiten, die je nach Bedarf durch eine Spracherkennungssoftware, Mausersatzgeräte und Sondertastaturen ergänzt werden. Frau Gawellek demonstrierte anhand einer Sondertastatur, deren Tasten nach einem bestimmten Farbmuster angeordnet sind, wie Kinder mit schweren Einschränkungen besser mit einem PC arbeiten können. Mit den richtigen Kommunikationshilfen ist vieles möglich: Schüler schaffen so unter anderem das Abitur und können von Zuhause aus am Unterricht teilnehmen.

Wie ein Talker das Reden erleichtert

Abschließend rundete Herr Eller, der mit einer Talker kommuniziert, die Vortragsreihe inhaltlich ab. Herr Eller ist ein gefragter Redner und hat schon im ganzen Bundesgebiet Vorträge gehalten. Seinen Talker bedient Eller mit einem Joystick und einem Button, der an der Unterseite seines Rollstuhltisches angebracht ist. Mit seinem Oberschenkel betätigt er den Button, der wie eine PC-Maustaste funktioniert. Die einzelnen Textbausteine des Vortrags programmiert er zuvor in den Talker ein. Der 27-Jährige beschrieb, wie er und seine Mutter zunächst mit Boardmaker-Symbolen Kommunikationstafeln erstellt haben. Boardmaker-Symbole sind eine Form der Bildersprache, die Symbole bestimmten Begriffen zuordnet. Voraussetzung ist, dass der Kommunikationspartner die richtigen Fragen stellt, was sehr mühsam und zeitaufwendig ist. Deshalb war der Talker für den kommunikationsfreudigen Eller ein Quantensprung. „Jetzt kann ich endlich meinen Nachbar von gegenüber grüßen“, erzählte er. Seine Mutter verschweigt aber auch nicht, dass „der Weg bis dahin von stundenlangem und tagtäglichem Training mit dem Talker geprägt war.“

Die Ziele des Seminars – der praktische Informationsaustausch über eine wichtige Hilfsmittelform und das Knüpfen wichtiger Kontakte – wurde erfüllt.

Das nächste Seminar zu diesem Thema findet am 09.05.14 von 14- 17 Uhr im ARC statt.

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Freier Journalist und Autor aus Heidelberg

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