Oberbürgermeister weigert sich, Lift für Rollstuhlfahrerin in Schule einzubauen

Der Mann regiert seit 14 Jahren Boris Beckers Geburtsstadt, hat offensichtlich noch nie etwas von der UN-Behindertenrechtskonvention oder Inklusion gehört – und ist für ROLLINGPLANET der behindertenfeindlichste SPD-Kommunalpolitiker des Tages: Leimens Oberbürgermeister Wolfgang Ernst (57).

Als der Diplom-Verwaltungswirt und Jurist vor vierzehn Jahren zum ersten Mal gewählt wurde, versprach er: „Ich suche den direkten Umgang mit den Menschen, was abends im Gemeinderat beschlossen wird, muss morgens beim Bäcker und bei den Bürgern ankommen”. Der Karrierist war eigens für seine Kandidatur erst kurz zuvor nach Leimen, ein Ort mit 26.000 Einwohnern nahe Heidelberg (Baden-Württemberg), gezogen.
Kein Fahrstuhl für die Grundschule

Was der direkte Umgang dieses Oberbürgermeisters bedeutet, erfährt derzeit die siebenjährige Victoria. Die Rollstuhlfahrerin (Spina bifida) besucht die zweite Klasse in der Turmschule in Leimen und ist dort voll integriert. Bislang befindet sich ihr Unterrichtsraum im Erdgeschoss und ist barrierefrei zu erreichen. Bislang noch. Weil die Zimmer der dritten und vierten Klasse sich im zweiten Obergeschoss befinden und das Gebäude keinen Aufzug hat, müsste Victoria nach derzeitigem Stand in wenigen Monaten Schule und Mitschüler verlassen.

OB Ernst weigert sich, in der Einrichtung für eine bauliche Lösung zu sorgen: „Wir werden keinen Lift einbauen“, verkündete er in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Victoria solle die barrierefreie Geschwister-Scholl-Schule im nahegelegenen Stadtteil St. Ilgen besuchen. Die Entscheidung ist wohl bei Bäckern und Bürgern schlecht angekommen: Nach Protesten will Ernst nun immerhin darüber nachdenken, ob Victorias Klassenzimmer nach den Sommerferien im Erdgeschoss verbleiben könne. Das umwerfend großzügige Angebot bedeutet: Andere Schulräume wie das EDV-Angebot im Obergeschoss bleiben nicht erreichbar und der Kontakt zu anderen Kindern ist auf ein Stockwerk reduziert.

Die Nachricht ist angekommen, Herr Ernst.

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Alexa Heinzmann

2 Rückmeldungen an “Oberbürgermeister weigert sich, Lift für Rollstuhlfahrerin in Schule einzubauen”

  1. Jürgen Kropp

    Mai 12. 2014

    Meint Herr Ernst das ernst?

    Ich würde sagen, er soll froh sein. dass er laufen kann. Hat denn sein Rathaus auch keinen Fahrstuhl?

    Hoffentlich braucht er nie Hilfe und auch keinen Rollstuhl zur Fortbewegung. Oder er bleibt dann auch nur im Erdgeschoß wie er es von der kleinen Viktoria will.

    Toller OB für eine Kummune, die ja wohl nur aus nicht behinderten Menschen besteht.

    Jürgen Kropp

    • Fiedrich

      Mai 15. 2014

      Die bekloppten sterben wohl nie aus, aber das schlimme daran ist , wir bezahlen sie auch noch. Sowas gehört an den Landesverband und deren Behinderten Beauftragten , denn wirklich leisten sollte man sich solche Graupen nicht.

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