Neues von Alhassane Baldé: Lissabon Halbmarathon

Ich bin gerade zurück aus Lissabon, wo ich letzten Sonntag (22.März) beim prestigeträchtigen Meia Maratona de Lisboa  (Halbmarathon) an den Start ging. Es war das 25 jährige Jubiläum dieses Klassikers und dementsprechend gut besucht.  Das Rennen ist in Läuferkreisen weltbekannt – ist es doch vom Startfeld der größte reine Halbmarathon der Welt und vom Streckenprofil her super schnell. Die top Stars der Szene, u.a. Mo Farah (Doppelolympiasieger von London und Weltmeister, dem ein oder anderen vielleicht bekannt) waren eingeladen. Auch bei uns Rennrollstuhlfahrern sind die 21km durch Lissabon sehr beliebt, da die Organsitoren um Joao Correira, einem ehmaligen portuguisischen Rennrollstuhlfahrer, sich unglaublich viel Mühe geben und für alles sorgen. Sie versuchen uns die gleichen Bedinungen zu geben, wie den nichtbehinderten “elite runners” (An-und Abreise, 5 Sterne Hotel, Pressekonferenz, Startpräsentation, Preisgeld), was wir nicht unbedingt gewöhnt sind. Für unseren Sport ist das eine tolle Aufwertung. Auch das Streckenprofil entlang des Flusses Tajo ist für uns optimal. Auf einem flachen Kurs geht es praktisch 10 km in die eine Richtung (dieses Jahr viel Gegenwind) und nach zwei Kehrtwenden wieder zurück (eher Seiten- als Rückenwind). Das Starterfeld bestand aus 27 Fahrern (24 Männer, 3 Frauen) inklusive den beiden derzeit besten und bekanntesten Rennrollstuhlfahrern der Welt Marcel Hug und David Weir als “Headliners”. Deren erstes Aufeinandertreffen in diesem Jahr wurde als großes Duell in den Medien hochgekocht – ich war gespannt, wie ich mich im Vergleich zu denen, schlug. Letztes Jahr war ich als 7. mit 3 Min Rückstand auf den japanischen Sieger Kota Hokinuoe ins Ziel gekommen. Für dieses Jahr hatte ich mir natürlich vorgenommen eine besserere Platzierung zu erreichen. Bei (Gott sei Dank) Sonnenschein (es war trotzdem kalt) ging ich fokussiert ins Rennen. Als ob es um einen Hundertmeter Lauf ging, schossen Marcel und David gleich nach dem Startschuss los und brachten ruckzuck ein paar Meter zwischen sich und dem Feld. Ich, von der zweiten Reihe aus startend, war nach denen der Drittschnellste und versuchte zu denen aufzuschließen. Aber im Wind hatten die Beiden schon zu viele Meter gut gemacht, dass ich im Kopf zwei Möglichkeiten durchging: entweder ich jage denen weiter hinterher und riskiere vom Feld “aufgefressen” zu werden, wenn ich deren Windschatten nicht erreiche oder ich fahre mit dem Feld und sichere mir eine günstige Ausgangsposition für Platz 3. Ich entschied mich für die sicherere zweite Variante und ließ das Feld an mich herankommen, um mich dann im Feld im Windschatten einzuklinken. Simon Lawson, ein Engländer, übernahm die meiste Führungsarbeit, wobei ich gelegentlich aus seinem Windschatten ausbrach um zu gucken, wer mit reagierte. Nach der ersten scharfen Kehrtwende bei etwa Kilometer 10, teilte sich das Feld auf. Einige Fahrer kamen nicht so schnell um die Kurve, das Simon, Rafa, ein Spanier,  und ich nutzten, um uns abzusetzen. Es ging leicht bergab und mit Rückenwind ging zu Dritt die Post ab.  Der Tacho zeigte Tempo 33-36 kmh. Der Rückweg verging da wie im Flug. Es ging nun darum, wer von uns die meisten Körner sparte, um den Zielsprint zu gewinnen. 1 Km vor dem Ziel und  an zweiter Position hinter Simon liegend, attackierte ich. Rafa konterte und Seite an Seite ging es in die letzte Kurve. Doch ich merkte, dass ich zuviel Speed hatte und in die Bande zu knallen drohte, weshalb ich scharf abbremste – das war mein Fehler. Rafa und Simon schossen vorbei, das Rennen war gelaufen. Rafa wurde Dritter, Simon Vierter und ich drei Sekunden später knapp Fünfter. Ärgerlich. Aber was dazugelernt und am Ende eine bessere Platzierung als letztes Jahr erzielt. Das Rennen gewann im Zielsprint David knapp vor Marcel drei Minuten vor uns. Insgesamt bin ich zufrieden, habe ich doch wichtige Erkenntnisse für die Vorbereitung auf den WM Marathon in London im April gewonnen.

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Alexa Heinzmann

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