Alhassane Baldé – 12. beim London WM Marathon

Der London Marathon am vorletzten Wochenende sollte der erste Höhepunkte der Saison werden. Für mich war es das erste Mal, dass ich in der britischen Hauptstadt an den Start  ging und gerade nach der gelungenen Generalprobe in Lissabon und dem Trainingslager in der Schweiz fühlte ich mich topfit und bereit für eine schnelle Zeit. Das Starterfeld war erstklassig. Von den 49 Fahrern stachen vor allem die beiden Topstars der Szene Marcel Hug und David Weir heraus. Nachdem David den Lissabon Halbmarathon knapp gewonnen (ich wurde da 5.) und Marcel danach den Boston Marathon für sich entschieden hatte, wurde die Spannung von den Medien angeschürt. Wer würde gewinnen, Marcel oder David? Oder vielleicht doch einer, den man nicht auf der Rechnung hatte? Derjenige wollte ich natürlich gerne sein, aber ich musste auch realistisch bleiben: ich kannte den Kurs noch nicht und im Vergleich zu den etablierten Fahrern fehlte mir noch die Erfahrung auf den großen “major” Marathons zu starten.Mein realistisches Ziel war es unter den Top Ten zu landen.  Entsprechend motiviert ging ich an den Start. Es war typisch britisch kalt und es nieselte. Überhaupt nicht mein Wetter, dachte ich, als ich mein Regenquipment bereit machte. Aber vom Start weg lief es überraschend gut. Anders als die Rennen zuvor, fuhr das Feld gemächlich an. In einer Gruppe mit über 20 Fahrern fühlte ich mich stark. Ich behielt die Spitze immer im Auge und rollte im Feld mit.  Das Tempo lag bei 25 km/h, also nicht allzuschnell. Keiner von den Topfahrern traute sich so früh schon sein Können zu zeigen. Man beäugte sich gegenseitig. Keiner wollte so recht Führungsarbeit leisten, was die Gruppe zusammenhielt. Das Streckenprofil war anspruchsvoll. Wir fuhren über rauen Asphalt, mussten scharfe Kurven und Kreisverkehre meistern, umkurvten Gullideckel und Speedbumps und das in einem großen “nervösen” Feld erforderte höchste Konzentration. Bis ca. Km 20 ging das so gut, dann brach das Feld auseinander. Der Grund war eine längere Abfahrt, die in einer gefährlich scharfen Linkskurve mündete, wo einige Fahrer (mich eingeschlossen) stärker abbremsten als andere und so eine kleine Lücke entstand. So befand ich mich plötzlich in der zweiten Gruppe, die versuchte die Lücke nach vorne zu schließen. Tobi Lötscher, ein bekannter schweizer Rennfahrer, Denis Lemeunier, ein erfahrener französicher Fahrer, Ebbe Blichfeldt, ein dänischer Marathonspezialist, ein Japaner, ein mir unbekannter costarikanischer Rennfahrer und ich versuchten alles, aber die Lücke wurde stattdessen größer. So waren wir nun die ersten Verfolger..ärgerlich, der Zug war sozusagen abgefahren. Wir wechselten uns mit der Führungsarbeit ab und für mich stand fest, dass ich unbedingt den Sprint in dieser Gruppe gewinnen wollte.  Das schaffte ich auch und am Ende kam ich auf den 12. Rang in einer Zeit von 1:38, 31 Std.. Der Sieger Josh George aus den USA gewann den Zielsprint überraschend vor David Weir in einer Zeit von 1:31 Std. Insgesamt war ich über den Rang nicht so zufrieden, hatte ich mir doch einen TopTen Platz erhofft, aber mit der Zeit konnte ich gut leben. Angesichts der Umstände war ich nur drei Minuten langsamer als meine Bestzeit aus dem letzten Jahr gefahren. Da bleibt auf jedenfall noch Luft nach oben.

Weitere Infos über Alhassane Baldé gibt es hier

 

Über den Autor

Alexa Heinzmann

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