Der Anruf kam völlig unerwartet. Cynthia, die schwarze Perle von New York, die meinem Team von Casting  Magazin nach der Fashion Show die Möglichkeit gab, Joe Jackson für ein Interview zu treffen (siehe Bericht New York Fashion Show Teil 5), ruft mich aus Chicago an und fragt mich, ob ich Lust auf ein Essen mit Joe Jackson hätte. Es wäre nur ein kleiner Kreis eingeladen, ein Kostenbeitrag wäre für die Gründung des neuen Jackson Museums in Gary, Indiana vorgesehen und der Grund der Aktion ist die am folgenden Tag stattfindende Verleihung des Stars of Fame für Joe Jackson als erfolgreichster Family Music Manager aller Zeiten im Palms, einem der größten Hotels in Las Vegas und der Premiere des Michael Jackson Films „This is it“, das ich mit ausgewählten Gästen sowie einer ganzen Schar von Journalisten als erster vor allen anderen miterleben dürfte.

Na wenn das mal nichts ist. Ich überleg nicht lange. So eine Chance bekommt man nicht jeden Tag und wenn ich aus der Fashion Show noch was machen will, dann ist das sicher nicht die schlechteste Aktion. Dass dabei vielleicht ein zu tiefer Blick in die Augen einer etwas gestressten Rapperin mit Managmentfunktion für den Jackson Clan schuld sein könnte, lass ich mal so stehen. Warum sollte mich Joe an einem solchen Tag, der wohl die größten Emotionen eines sicher nicht überall kritiklosen Vaters des Superstars Michael Jackson dabei haben wollen. Dabei sein wird die gesammelte Prominenz aus Las Vegas und mit Joe in Verbindung stehende Box- und Musikszene.

Nun warum ist das für Joe, den mittlerweile über 80 Jahre alten Patriarch des Jackson Clans so wichtig und heikel zugleich?

Dazu erst mal ein kleiner historischer Ausblick:

Joe Jackson, in der 50ern Vater eines 9 kinderdiehaareauffressenden Familienclans in einem Slum von Gary, Indiana nahe der Autometropolen Chicago und Detroit, hatte alles an Arbeit angenommen, was möglich war, um seine Kids über die Runden zu bringen. Wobei die Aussicht, dass das jemals anders werden könnte, sehr gering waren. Also musste er erst mal versuchen, seine Talente ins Spiel zu bringen. Er boxte, nicht schlecht, aber auch nicht wie ein Weltmeister, er arbeitete auf dem Bau, Hilfsjobs. Nichts, was wirklich was brachte. Da kam ihm die Idee, allerdings wie viele andere auch, seinen Kindern die Musik näher zu bringen und die ältesten 4 Söhne konnten leidlich gut singen. Damit ließe sich sicher der eine oder andere Dollar verdienen. Allerdings wollte der Kleinste, Michael, mit seinen 5 Jahren aber nicht alleine zuhause bleiben und so wurde er kurzerhand mit eingebaut. Die Jackson 5, die ihren ersten wichtigen Auftritt im New Yorker Apollo Theatre hatten, der legendären Talentschmiede im Herzen Harlems; damals schon nicht mehr die Nobelgegend Big Apples, waren geboren. Wer übrigens die Chance hat, im wiedereröffneten Apollo eine Show zu besuchen, sollte das unbedingt tun. Dort wurden unter anderem Whitney Houston, Lionel Ritchie und viele andere mittlerweile berühmte Stars „geboren“. Ich selbst erlebte einmal den Auftritt Mike Tysens, der mit ner Boxershort direkt vom Training nebenan einfach mal so auf die Bühne kam, hallo sagte und wieder verschwand. New York eben. Hier also wurden die Jackson 5, die von Motown Records auch sogleich unter Vertrag kamen, entdeckt und der kleine Michael der Frontman seiner Brüder.

Das Problem: jetzt mussten die Jungs ran, jeden möglichen Auftritt wahrnehmen und Joe, der Vater sah die Chance seines Lebens und die seiner Familie, aus dem Slum raus zu kommen. Ein Organisationstalent war er schon immer, und als Promoter, Maker und Manager seiner eigenen Kinder musste er auch für die Disziplin sorgen. Das war aber mit Kids nicht immer einfach. Um die Situation nicht gleich wieder einschlafen zu lassen, griff Joe leider zu nicht immer korrekten Maßnahmen. Es setzte durchaus Schläge, Joe war ein strenger Vater, Studiozeiten waren oftmals uferlos, Zeit war Geld und die Plattenfirma wollte neue Records. Vermutlich hat Michael damals viele seiner später merkwürdigen Marotten erworben, ein normales Leben kannte er gar nicht. Vergleichbar mit Kidbands wie z.B. Tokio Hotel, die ja jetzt schon mit Schlagzeilen entwicklungsgestörten Verhaltens aufmerksam machen, konnte Michael später auch keine normale Beziehung zu Mädchen oder Frauen aufbauen. Kinder waren immer sein Versuch, seine eigene Kindheit nachzuholen, einer von ihnen zu sein und so wurde er, was wir bis zum Schluß von ihm wahrnahmen – ein abgedrehter Künstler, der in den 80 u. 90ern seine Hypezeit hatte und danach von den Medien zum Freak gemacht wurde.

Diese Situation im Kopf kam ich nach Las Vegas, wo ich Simon Sahouri, den Organisator des Premierenabends im Palm´s Hotel traf und mit seinem Magazin LVH – Las Vegas Hollywood Magazine, nicht nur die Promiszene in Las Vegas bestens kannte sondern auch weiß, wo und wie man so einen Event am besten feiert.

Ich bin zum ersten Mal in Las Vegas und  nehme natürlich die Gelegenheit wahr, mir erst mal einen Überblick zu verschaffen, was hier eigentlich alles los ist. Dazu check ich erst mal nicht im Palms sondern im Venezien ein, einem Hotel, das mit italienischem Marmor und Flair ein wenig die Lagunenstadt Venedig nachempfinden soll. Und tatsächlich, da haben die doch glatt mit viel Marmorimitaten, Pappmaschee und echten Gondeln ein Minivenedig angelegt, das mit etlichen Edelshops und Restaurants vor allem eins sein soll: die angenehme Fassade of that what it is, nämlich nichts anderes als ein großes Spielkasino. Und damit das Geld im Haus bleibt, haben die auch gleich so große Musicals bzw. Theatersäle eingebaut, um den Megaseller: The Blue Men Group unterzubringen. Man braucht das Haus also nicht mehr verlassen. Aber die untere Ebene gehört den Banditen. Allesamt einarmig und die Spieltische kennen keine Anzugsordnung. Also Krawatten und Sakko ist nicht wie in Baden-Baden. Hier kommt man notfalls im Trainingsanzug und schmeißt bereits um 8 Uhr morgens seine Kohle im 20 Sekundentakt in den Kellersafe des Hauses. Etwa 20 große Hotels gibt es in Vegas und jede Menge kleinerer, die vom Konzept her alle gleich laufen: Spielen, Entertainen und Hotel sein.

Über den Lastminuteschalter kommt man auch recht günstig an Karten für die gerade laufenden Shows ran, die in den Hotels angeboten werden. Die reichen von Variete über Musicals bis hin zu Konzerten in Hundertschaften einfallender Stars, die wie Celine Dion schon auch mal ein ganzes Jahr hindurch fast jeden Tag dort auftreten.

Ansonsten dehnt sich der Strip, die Hotelmeile ewig in die Länge. So ca. 8 km lang reihen sich die Hotelmonster in Abständen mehrerer 100 m aneinander und das macht das dann doch anstrengender als man dachte. Ohne Taxi geht da nach spätestens 2 Tagen nichts, sonst sieht man ja immer nur das Gleiche.

Nun, mit meinem Jetlag von 8 Stunden bin ich abends dann doch schon ziemlich lange unterwegs, da ruft mich Simon an, ob wir uns noch treffen könnten, den Ablauf für den morgigen Tag zu besprechen. Da er am nächsten Tag für die Veranstaltung wenig Zeit hätte, wär das jetzt noch am besten. Ich warte auf ihn in einer Bar des Venetiens. Um 01 Uhr kommt er dann auch endlich gestresst an und ich hab mittlerweile ja schon wieder 9 Uhr morgens. Wie soll ich das denn überleben am nächsten Abend beim Dinner. Da schlaf ich ja am Tisch ein. Wie peinlich!!!! Nun, Simon ist ein persönlich sehr enger Freund von Joe und hat sich gerne bereit erklärt, zusammen mit dem Theaterbesitzer des Palm`s, Johnny Brenden, die Premiere des Jackson Films zu organisieren.

Der Zeitplan: morgen abend das Dinner mit etwa 12 Gästen, dann gemeinsamer Besuch der Toproofbar des Hauses mit spektakulärem Ausblick auf die Skyline von Las Vegas. Am Tag drauf  Meeting im nicht weniger spektakulären Penthouse Office von Johnny, Enkel der berühmten Schauspielerin Ronda Fleming. Danach Premiere des neuen Jackson Films „This is it“ im berühmten Brenden Theatre, natürlich auch im Haus und dann geht’s auch schon in den legendären Playboy-Club, na wo? Yes, auch im Haus. Mehr Programm kann man nicht erwarten und wenn ich nicht einschlafe, immerhin ist mein Jetlag immer noch sehr ausgeprägt, dann wird das ein geiler Event.

Ein Kommentar zu “Michael Heil in Las Vegas (Teil 1) 1. Tag”

  1. […] talentierte Kinder und Jugendliche in der Kunst erweitert und die Jacksons fanden das so gut (siehe Reiseblog Las Vegas), dass ich eben heute mit Fabienne und deren Mutter offiziell vorgestellt werde. Fabienne ist 16 […]

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